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Monika Harms : Den Terror im Visier

Nach der Schule ins Gericht: Der Auschwitz-Prozess in Frankfurt war für Monika Harms ein Schlüsselerlebnis Bild: Rainer Wohlfahrt

Sie hat das gefährlichste Amt, das ein Jurist haben kann: Monika Harms jagt Terroristen. Für die Generalbundesanwältin ist die Macht des Bösen Alltag.

          Der Anruf erreichte Monika Harms auf dem Hügel in Bayreuth. Eigentlich war die Juristin mit dem Faible für klassische Musik für Wagner gekommen. Doch Ende Juli 2006 gab es plötzlich Wichtigeres zu erledigen: Die Polizei hatte zwei Kofferbomben gefunden. Fünf Jahre nach dem terroristischen Anschlag in New York war die Gefahr auch in Deutschland wieder präsent. Die Ermittlungen liefen sofort auf Hochtouren – nicht einmal drei Wochen später konnte die neue Generalbundesanwältin einen ersten Verdächtigen präsentieren.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Zweieinhalb Monate zuvor hatte sie das gefährlichste Amt angetreten, das Deutschland herausragenden Juristen zu bieten hat: Generalbundesanwalt am Bundesgerichtshof (BGH), ein Posten, den man nicht ernsthaft anstreben kann, weil zu viel dem Zufall und parteipolitischen Ränkespielen überlassen ist. Das Angebot traf Harms aus heiterem Himmel. Eigentlich war sie, seit Jahrzehnten CDU-Mitglied, aus ganz anderen Gründen beim Justiziar ihrer Fraktion, Hermann Gröhe, vorstellig geworden. Die energische Richterin am Bundesgerichtshof wollte dafür werben, dass die Politik mehr Steuerrechtler nach Karlsruhe schickt. Gröhe hörte zu. Doch dann kam die Frage, die ihr Leben verändern sollte: Können Sie sich auch etwas anderes vorstellen, als Vorsitzende Richterin des Fünften BGH-Strafsenats zu sein?

          „Kalte Wut“

          Monika Harms erinnerte sich noch sehr gut an den 7. April 1977, als Generalbundesanwalt Siegfried Buback von der Roten Armee Fraktion (RAF) ermordet wurde. „Kalte Wut“ habe sie damals gepackt. Danach wurde die Generalbundesanwaltschaft zur Festung. Der Nachfolger Kurt Rebmann schwebte mit einem Hubschrauber ein oder kam mit fünf Begleitfahrzeugen. Auch ihr Vorgänger Kay Nehm erschien überall nur mit Sicherheitsbeamten. Sie selbst bevorzugt einen dezenteren Auftritt. Mit dem Ende der RAF habe sich die Bedrohungslage geändert, sagt sie knapp und hüllt sich über ihre Begleitung in Schweigen. „Die Aufgabe der Bundesanwaltschaft hat völlig neue Akzente bekommen.“ Sie sagt das mit der Selbstverständlichkeit einer Person, die sich von zu viel Aufmerksamkeit nicht geschmeichelt, sondern belästigt fühlt. Ihre Unabhängigkeit ist ihr heilig.

          An der Biographie von Monika Harms lässt sich die jüngere Geschichte der Bundesrepublik ablesen. Sie wurde 1946 im Westen Berlins geboren, der Vater arbeitete beim Fotohersteller Agfa. Während der Blockade der Russen musste die Familie mit den Rosinenbombern ausgeflogen werden. In Frankfurt durchlebte Harms das Schlüsselerlebnis ihrer beruflichen Zukunft: der erste von sechs Auschwitz-Prozessen. Drei Richter und sechs Geschworene, vier Staatsanwälte, 21 Nebenkläger mit insgesamt drei Vertretern, 19 Verteidiger und 22 Angeklagte. Harms ging nach der Schule so oft wie möglich dort hin. „Das waren Verfahren, die mich bis heute begleitet haben“, sagt sie. Die Staatsanwälte kämpften gegen die Verdrängung. „Ich war erschrocken über das, was möglich war“, sagt Harms. „Die Prozesse verdeutlichten die Banalität des Bösen.“ Wilhelm Boger, einer der Hauptangeklagten, habe ausgesehen wie ein ganz gewöhnlicher Briefträger.

          Exot am Bundesgerichtshof

          In diesen Tagen reifte eine Erkenntnis, die sie auch heute noch prägt: „Sie können niemandem ansehen, zu was er fähig ist, wenn er vor eine bestimmte Situation gestellt ist.“ Ihre Überzeugung über die Macht des Bösen sitzt tief – ohne von ihr Beschlag zu nehmen. Mit Leichtigkeit öffnet sie sich neuen Bekanntschaften. Ihre Neugier wirkt unersättlich, ihr Lachen ist spontan und herzlich. Damals imponierte ihr, mit welcher Ruhe und Würde Staatsanwälte und Verteidiger vor Gericht auftraten – sie machte sich diese Aufgabe zu eigen.

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