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Freitag, 17. Februar 2012
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Mohamed Al Fayed Kampflustiger Kaufhauskönig

13.11.2006 ·  Sein Sohn starb an der Seite von Lady Diana. Damals eskalierte der Streit mit dem britischen Establishment. Doch der Ägypter Mohamed Al Fayed, Chef des Londoner Kaufhauses Harrods, versteht sich auf Rache. Und der Mann hat Pläne.

Von Claudia Bröll
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Mohamed Al Fayed zu übersehen ist nahezu unmöglich. Energischen Schrittes eilt der ältere Herr durch die Porzellanabteilung des Londoner Nobelkaufhauses Harrods. Zwei bullige Männer laufen neben ihm her. Die Verkäuferinnen nehmen sichtlich Haltung an. Ein paar Kunden schauen neugierig. Al Fayed ist kein normaler Unternehmer. Er führt nicht, er herrscht. Das merkt man schon an Eingang Nummer drei des Kaufhauses, wo eine fast lebensgroße Statue des Kaufhauskönigs auf einem Podest steht, umringt von vier steinernen ägyptischen Wächtern.

Al Fayed, einer der ungewöhnlichsten Unternehmerpersönlichkeiten auf der Insel, werden viele Eigenschaften zugeschrieben. Minderwertigkeitskomplexe gehören sicherlich nicht dazu. "Ich bin der Pharao in Großbritannien und habe mir mit Harrods meine eigene Pyramide besorgt", sagte er nach dem Kauf des Kaufhauses. Harrods-Mitarbeiter sprechen von ihrem Chef ehrfürchtig als dem "Chairman". Sein Vorstandsbüro - "The Chairman's Office" - besteht nicht aus einem, sondern einer Zimmerflucht, durch die Besucher wie einst bei Hofe geschleust werden.

Den Titel Al fügte er eigenmächtig hinzu

Al Fayed - den Titel Al fügte er irgendwann eigenmächtig hinzu - hat das Kaufhaus zu einem Prunkstück der Stadt gemacht. Unter Touristen genießt die Einkaufsadresse im feinen Stadtteil Knightsbridge vermutlich einen genauso großen Bekanntheitsgrad wie die Königin. Doch der Glanz droht zu schwinden. Die Konkurrenten Selfridges und Harvey Nichols buhlen kräftig mit um die gutbetuchte Kundschaft. Einige Beobachter sprechen bereits davon, daß Harrods seinen Nimbus verloren habe. Während die Touristen noch in Scharen kämen, kaufe die Prominenz mittlerweile woanders ein. Al Fayed sieht das gelassen. Der vermutlich 77 Jahre alte Eigentümer, dessen genaues Alter umstritten ist, hat sein Leben lang Kämpfe ausgefochten - und ist damit noch lange nicht am Ende.

Sein Karriereweg liest sich in der Kurzfassung wie ein modernes orientalisches Märchen. Der Sohn eines einfachen Grundschullehrers aus Alexandria versucht sich in allen möglichen Jobs. Er verkauft Coca-Cola auf der Straße, vertreibt Singer-Nähmaschinen, unterrichtet. Das Schicksal führt ihn mit der Schwester des Waffenhändlers Adnan Kashoggi zusammen. Al Fayed steigt in dessen Handelsunternehmen in Saudi-Arabien ein, lernt einflußreiche Geschäftsleute im Nahen Osten und in Europa kennen. Die Kontakte nutzt er zum Aufbau eigener Unternehmen in Ägypten und Haiti. Das ägyptische Geschäft jedoch wird unter Staatspräsident Gamal Abdel Nasser verstaatlicht, sein Engagement in Haiti fällt der Schreckensherrschaft des als "Papa Doc" bekannten Diktators François Duvalier zum Opfer. Al Fayed gibt nicht auf. Er wird Finanzberater des Sultans von Brunei, einem der reichsten Männer der Welt, und fädelt in Dubai für Scheich Raschid Bin Said al Maktum Geschäfte mit britischen Unternehmen ein.

Erst das Ritz, dann das berühmteste Kaufhaus der Welt

Zu Reichtum gekommen, wandert er Mitte der siebziger Jahre nach Großbritannien aus, kauft das Hotel Ritz in Paris und schnappt sich kurz darauf das berühmteste Kaufhaus der Welt. Das Vermögen des einst armen ägyptischen Jungen schätzt die "Sunday Times" auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Zu seinem Firmenimperium gehören heute ein Internetkasino, ein Anbieter von Hubschrauberflügen, ein Maklerunternehmen für Luxusimmobilien und der Londoner Fußballklub Fulham. "Ich habe mir mein eigenes Leben aufgebaut, ich habe dieses Leben nicht geerbt", sagt er, auch wenn ihm Hinweise auf seine ärmliche Herkunft gar nicht recht sind.

Neben einem unerschütterlichen Selbstbewußtsein ist es die Entschlossenheit zu siegen, die Al Fayed vorantreibt. Er will sich niemals unterkriegen lassen - nicht von Konkurrenten, der Justiz, Politikern, Journalisten, und schon gar nicht vom britischen Königshaus. Ob er dabei gegen gesetzliche oder gesellschaftliche Regeln verstößt, ist ihm einerlei. Was zählt, ist der Erfolg. Sein Erfolg. Der ist ihm allerdings nicht immer gewiß.

Den starken Willen des Ägypters lernen die Briten bereits bei der Übernahmeschlacht um Harrods kennen. Das Wirtschaftsministerium wirft Al Fayed und seinem Bruder vor, ihre Vermögensverhältnisse verschleiert zu haben. Al Fayed kommt trotzdem zum Zuge. Doch die Fehde mit seinem Rivalen, dem früheren Großaktionär Tiny Rowland, zieht weitere Kreise, als der ihm vorwirft, Juwelen aus einem Safe bei Harrods gestohlen zu haben. Al Fayed wird wegen Diebstahlverdachts kurzzeitig inhaftiert - ein schwerer Gesichtsverlust für den stolzen Geschäftsmann. Nach seiner Freilassung führt er einen aufreibenden Prozeß gegen die Londoner Polizei - und verliert. Den Streit mit Rowland legt er erst nach dessen Tod bei. Mit der Begründung, der Diebstahl sei in seiner Zeit als Harrods-Chairman passiert, überreicht er der Witwe 1,4 Millionen Pfund - ohne Schuldeingeständnis.

Ein weiteres Mal rumpelt er mit den Behörden zusammen, als die ihm die britische Staatsbürgerschaft verweigern. "Ich habe Tausende Arbeitsplätze geschaffen, ich habe in diesem Land viel Geld investiert. Ich bin kein Asylant, der ein paar Penny absahnen will", beschwert sich Al Fayed. Weil dies nichts nützt, rächt er sich an der konservativen Regierung mit einem Schmiergeldskandal. Er selbst gibt zu, zwei Abgeordnete mit Geld und Ritz-Aufenthalten bestochen zu haben, auf daß sie ihm während des Tauziehens um Harrods im Parlament den Rücken stärken. Außerdem leitet er der Zeitung "The Guardian" kompromittierende Übernachtungsrechnungen vom Ritz weiter. Sie beweisen, daß ein weiterer Parlamentarier sich seinen dortigen Aufenthalt von saudischen Geschäftsleuten bezahlen ließ. Alle drei treten zurück. Noch heute erzählt Al Fayed gerne davon. "Ich habe mitgeholfen, die Tories zu Fall zu bringen." Es sei seine patriotische Pflicht gewesen, derart "verdorbene Politiker" aus dem Amt zu treiben.

Kampf um den britischen Paß

Den britischen Paß erhält er trotzdem nicht. Auch der Kauf des urbritischen Satiremagazins "Punch" und die Millioneninvestitionen in den beinahe bankrotten Traditionsverein Fulham FC ändern daran nichts. Al Fayed mag sich in Schottenröcken fotografieren lassen und viel Geld für wohltätige Zwecke spenden - seinen größten Wunsch, einer der Ihren zu werden, wollen die Briten nicht erfüllen. Der Konflikt mit dem Establishment eskaliert nach dem tragischen Autounfall seines Sohnes Dodi mit Prinzessin Diana 1997. Al Fayed hält hartnäckig an der These fest, daß das Paar auf Geheiß des Gatten der Königin, Prinz Philip, vom britischen Geheimdienst ermordet wurde. Die Suche nach Beweisen kostet ihn ein Vermögen. Gleichzeitig verscherzt er es sich mit seiner vornehmsten Kundschaft. Harrods gibt sämtliche Wappen ab, die das Kaufhaus als Hoflieferanten auszeichnen - ein Prestigeverlust, auch wenn Al Fayed sagt, die Royals hätten sowieso nicht viel bei ihm gekauft.

Nach dem Unfall sieht sich der trauernde Vater noch stärker als Opfer einer großangelegten Verschwörung. Als ihm der Fiskus ein Steuerprivileg für Einkünfte im Ausland streicht, zieht er die Konsequenz und verlegt seinen Wohnsitz in die Schweiz. "Ich gehe schweren Herzens. Dies ist das Land, in dem ich 35 Jahre gelebt habe und für das ich eine tiefe Liebe empfinde", sagt er.

Resigniert hat er deswegen noch lange nicht. Auch wenn sich Al Fayed aus Steuergründen nur 90 Tage im Jahr auf der Insel aufhalten darf, mischt er im Tagesgeschäft bei Harrods kräftig mit - zum Kummer seiner Statthalter. Immer wieder ist zu hören, daß der Chairman kurzerhand bereits gefällte Entscheidungen revidiert und interne Arbeitsabläufe verzögert. Das Personalkarussell dreht sich schnell. Im vergangenen Jahr traten der Vorstandschef und der Strategiechef zurück. Vor ihnen hatten sich 40 Mitarbeiter der oberen und mittleren Führungsebene verabschiedet - innerhalb von vier Jahren. Der Berater Al Fayeds, Bill Mitchell, scherzte im Fernsehen, daß er von seinem impulsiven Chef 30 Mal geschaßt und wiedergeholt wurde.

Der Senior, der guten Schlaf als eines seiner Erfolgsrezepte nennt, hat aber noch weitere Pläne. Beispielsweise will er 2008 ein Hotel auf einer Ölbohrinsel eröffnen. Auch eine politische Karriere in dem Land, das ihn so schmäht, schließt er nicht aus. "Wenn ich einen britischen Paß hätte, warum nicht? Ich werde alles für die normalen Leute in diesem Land tun, was in meiner Macht steht. Ich habe ein ganzes Lager voll mit Briefen von Leuten, die mich unterstützen." Außerdem plant er den letzten Rachefeldzug gegen seine Widersacher. Nach dem Tod wünscht der Chairman eine Bestattung in einer gläsernern Pyramide unter dem Dach von Harrods, damit mich "meine Kunden immer vor Augen haben". Den Sphinxen an den Wänden des "Luxury-Room" hat er bereits auf ewig sein Gesicht verpaßt. Der Raum ist denkmalgeschützt. Selbst seine ärgsten Gegner können darin nichts mehr ändern.

Quelle: F.A.Z., 11.11.2006, Nr. 263 / Seite C3
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