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Michael Poliza : Auf der Achterbahn des Lebens

Eine Karriere voller Zufälle: Der Fotograf Michael Poliza in seiner Hamburger Galerie. Bild: Pilar, Daniel

Michael Poliza war erst Kinderschauspieler und verdiente dann im IT-Geschäft Millionen. Später verspekulierte er sein Vermögen - und wurde ein bekannter Naturfotograf.

          Ein Lieblingsbild hat er nicht. Da gibt es mehrere. Das mit dem Leoparden zum Beispiel, der durchs Gras schleicht, von unten aus der liegenden Perspektive fotografiert. Oder das Löwengesicht, von der Nase abwärts aufgenommen, nur ein Stück Fell und ein Stück Maul. „Das zeigt doch alles vom König der Tiere.“ Oder das Bild mit der Giraffe, die mit gespreizten Beinen an der Wasserstelle trinkt. „Auf den Winkel der Beine kommt es an“, erklärt Michael Poliza. Tagelang habe er ausgeharrt, um genau diesen Winkel zu treffen. „Es ist der verletzlichste Moment für Giraffen, wenn sie trinken, wenn sie den Kopf beugen und den Überblick verlieren.“

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jedes Foto von Michael Poliza hat eine Geschichte. Einen ungewöhnlichen Ort, eine seltene Perspektive, ein Erlebnis, das er damit verbindet. Der Naturfotograf erzählt diese Geschichten ausschweifend. Wo der Jeep parkte, als er sich ins Gras warf, um den Leoparden zu knipsen. Genau so, dass der Kollege am Steuer notfalls hätte dazwischenfahren können, wenn der Leopard auf Angriff geschaltet hätte. Oder wie er den Vogel beim Laufen durch eine Pfütze beobachtete, bis seine Beine diese geometrisch perfekt gleichmäßigen Knicke aufwiesen und er den Auslöser drückte. Aber ein Lieblingsbild? Sich für ein einziges entscheiden? Er schüttelt den Kopf.

          Tür zu - Tür auf

          Sich für eine Sache zu entscheiden, das ist Michael Poliza schon immer schwergefallen. Er drückt es anders aus. „Wenn eine Tür hinter mir zufiel, ging immer eine andere auf.“ Drei Karrieren hat er gemacht, wie sie unterschiedlicher nicht sein können: Kinderschauspieler, Computer-Unternehmer, Naturfotograf. Was alle seine Stationen verbindet? „Ich bin ein lustgetriebener Mensch. Ich bin gut in den Dingen, die mir Spaß machen.“

          Michael Polizas Geschichte beginnt in den späten fünfziger Jahren in Hamburg. Er wird als Sohn eines Versicherungsangestellten und einer Kneipenbesitzerin geboren. Viel Zeit fürs Familienleben sei nie gewesen, die Mutter stand immer bis spätnachts in der Küche und morgens im Großmarkt beim Einkauf. „Das Frühstück vor der Schule mussten wir uns immer selbst machen.“ Die Kneipe der Polizas hieß „Old Inn“, hatte eine lange Kupfertheke und befand sich in der Nähe der Hamburger Filmstudios. „Abends trieb sich oft die ganze Studio-Hamburg-Szene bei uns herum“, erinnert sich Poliza.

          So bekam er mit 10 Jahren seine erste Komparsenrolle in einer Vorabendsendung des NDR. Aus einer wurden mehrere, irgendwann durfte er für umfangreichere Kinderrollen vorsprechen - mit Erfolg. Er spielte in Filmen, Serien und im Theater, brachte es auf gut 70 Einsätze. Richtig stolz ist er darauf, dass er mit 17 Jahren den jungen Walter Kempowski in „Tadellöser und Wolff“ spielen durfte. „Noch 30 Jahre später wurde ich deswegen von wildfremden Leuten an der Tankstelle erkannt.“

          Mit Bill Gates unterwegs im ländlichen Bayern

          Auf die Schauspielschule wollte er trotzdem nicht. „Das Geschäft bestand aus Warten, Klinkenputzen und niedrigen Gagen. Außerdem hätte mein Talent wohl nicht gereicht.“ Lieber ging Poliza als Austauschschüler nach Oklahoma. Die High School fiel ihm leicht, er machte den Abschluss als einer der Besten seines Jahrgangs. Nebenher absolvierte er einen Computerkurs und lernte Programmieren. Am Ende des Austauschjahres beschloss er zu bleiben. In Deutschland warteten doch nur die Sechs in Latein und die Aussicht, das Abitur nicht zu schaffen. Er studierte in Amerika Informatik, ließ sich irgendwann seine amerikanischen Scheine in Deutschland anerkennen und kam zurück. Das Studium in Hamburg brachte er letztlich aber nicht zu Ende.

          Stattdessen ging sein Weg direkt ins aufstrebende IT-Geschäft. Als Werkstudent kam er zu IBM. Dort wurde man auf ihn aufmerksam, als es ihm wie aus dem Nichts gelang, ein Kalkulationsprogramm um den Faktor 50 zu beschleunigen. Als IBM den ersten PC herausbrachte, stieg er ins Importgeschäft ein. Seine Firma wuchs auf mehr als 100 Mitarbeiter, sein Privatkonto auf Millionärs-Niveau. Er traf sich ein paarmal mit Bill Gates; besonders in Erinnerung geblieben ist ihm ein Abend in München, als Gates und er kein Hotelzimmer mehr bekamen. „Wir fuhren raus aufs Land und übernachteten in einer einfachen bayrischen Pension. Damals ist Bill Gates noch Economy geflogen. Da war das Business noch kuschelig.“

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