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Mechthild Dyckmans : Apfelscheiben statt Crystal

Herzlich, aber hart: Mechthild Dyckmans scheut nicht vor unangenehmen Entscheidungen zurück. Bild: Andreas Pein

Sie arbeitete viele Jahre als Richterin. Erst im Alter von Mitte 50 zog es Mechthild Dyckmans in die Bundespolitik. Nun ist sie Drogenbeauftragte der Regierung.

          Es ist Punkt 11 Uhr, als Mechthild Dyckmans mit einer Mischung aus Professionalität und Eleganz mit ihrem silbernen Dienstwagen vor der Drogenberatungsstelle in der Leipziger Innenstadt zum Stehen kommt. Sie steigt aus, korrigiert den Sitz ihres grünen Seidenschals und geht dann strahlend auf die bunt zusammengewürfelte Gruppe von Drogenberatern zu, die vor der Tür schon aufgeregt warten. Herzlich schüttelt sie die Hände, während die Mitarbeiter der „Drug Scouts“ etwas nervös und verlegen ihren auffällig bemalten Laden präsentieren. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung ist wohl das ranghöchste Regierungsmitglied, das je den Weg in die Beratungsstelle gefunden hat. Sie ruft begeistert: „Haben Sie es aber schick hier!“, und klatscht in die Hände. „Schick“ mögen die Sozialarbeiter nicht im Sinn gehabt haben, doch die Bemerkung verfehlt ihre Wirkung nicht: Die nervöse Anspannung legt sich.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Wenig später sitzt Dyckmans kerzengerade in cremefarbenem Kostüm und Seidenbluse auf dem dunkelroten Kunstledersofa, das seine besten Tage schon lange hinter sich hat, ignoriert die Schokobonbons, greift in die Schüssel mit den Apfelscheiben und redet so kenntnisreich über die neue hochgefährliche Partydroge Crystal, als hätte sie ein Zweitstudium über illegalen Drogenkonsum absolviert. Vor ihr versinken die drei hauptamtlichen und drei ehrenamtlichen Mitarbeiter der Beratungsstelle in den braunen ausgeleierten Plüschsofas und schildern ihre Erfahrungen mit Abhängigen und Gelegenheitsnutzern.

          Mütterliche Aura

          Schnell ist klar: Zu Nervosität besteht überhaupt kein Anlass. Mechthild Dyckmans gehört zu den wenigen Politikern in Berlin, die mit ungewöhnlich liebevollen Attributen charakterisiert werden, sobald das Gespräch auf sie kommt. Juristen, die sie noch aus ihrer Zeit als justizpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion kennen, beschreiben sie schlicht als „herzig“. Aber in der Sache, so heißt es, zeige sie knallharte Kante. Eine geradezu mütterliche Aura prägt ihre Auftritte. Das mag an ihrer Lebenserfahrung liegen. Aber es ist gewiss auch ihre Optik: Mechthild Dyckmans mag noch so formell auftreten, ihre Grübchen und ihre Lachfalten sprechen eine andere Sprache.

          Mit 61 Jahren versucht sie sich gar nicht erst als Berufsjugendliche, zum Affen in Jeans und Pullover dürfen sich andere machen. Klare Kante zeigt sie auch bei solchen Treffen. „Druck-Checking ist aus der Sicht der Bundesregierung keine geeignete Maßnahme des Gesundheitsschutzes“, sagt sie den Drogenberatern, die diesen Service eigenen Angaben zufolge ohnehin nicht anbieten.

          Lehramt oder Jura

          Zwei Stunden später sitzt sie im Leipziger Rathaus zusammen mit dem Sozialdezernenten Thomas Fabian und mehreren Sozialarbeitern und erstickt jede Hoffnung im Keim, dass der Bund die Finanzierung von Modellprojekten noch einmal verlängern könnte: „Es ist die Aufgabe des Bundesgesundheitsministeriums, gute Modellprojekte anzustoßen und solide zu evaluieren.“ Danach müssten die Kommunen aber diese Konzepte aufgreifen. Drogenpolitik erzeugt fast zwangsläufig enttäuschte Hoffnungen. Nie ist genug Geld da, nur selten gibt es messbaren - dauerhaften - Erfolg. „Mit Drogenpolitik kann man nichts gewinnen“, seufzt Fabian. Mechthild Dyckmans nickt zustimmend. „Das ist kein schönes Thema.“

          „Schön“ muss ein Thema allerdings auch nicht sein, um Dyckmans zu begeistern. Der Vater fand nicht, dass sie als Mädchen studieren sollte. Doch als sie als Klassenbeste Abitur gemacht hatte, sah er ein, dass er sie nicht hindern konnte. Ein Medizinstudium zu finanzieren war ihm zu viel. Lehramt oder Jura, das waren die beiden Optionen, zu denen er sich durchringen konnte. Dyckmans entschied sich für Jura und hat es nie bereut. „Das war für mich das Richtige.“

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