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Martina Ertl-Renz 429 Rennen reichen

Martina Ertl-Renz hat so viele Weltcuprennen bestritten wie keine andere Skirennläuferin. Jetzt führt sie ein großes Sportgeschäft in München - und ist so ehrgeizig wie früher.

© Andreas Müller / F.A.Z. Vergrößern Die Frau für die Software: Im Geschäft ist Martina Ertl-Renz für die Sportbekleidung zuständig.

Martina Ertl-Renz hat eine kleine Wohlfühloase geschaffen. Am Tresen neben der Kasse steht ein selbstgebackener Kuchen. Wer will, darf sich bedienen, auch die Angestellten. Kaffee gibt es ebenso. Das Ambiente in dem Sportgeschäft in der Nähe des Münchner Odeonsplatzes stimmt. Man nennt das wohl eine angenehme Verkaufsatmosphäre. Wer in den Laden kommt, wird freundlich begrüßt - zweimal in der Woche von der Chefin Martina Ertl-Renz persönlich.

Dann nämlich unterstützt die ehemalige Skirennläuferin ihren Ehemann Sven Renz. Auf 300 Quadratmetern verkaufen die beiden zusammen mit 20 Angestellten nicht nur hochwertige Sportkleidung. „Ertl-Renz“, so heißt der Laden, ist spezialisiert auf maßgefertigte Skischuhe und individualisierte Sportschuhe. Die Füße werden mit 3D-Scannern vermessen, anschließend werden passende Innenschuhe hergestellt. Bis zu 1100 Euro müssen die Kunden dafür bezahlen. Zuletzt hat Sven Renz in Zusammenarbeit mit zwei Unternehmen ein neuartiges Heizsystem entwickelt. Damit sind nicht mehr nur wie bisher die Sohlen beheizbar, sondern die Drähte sind in den Schuh integriert. Per Fernbedienung lässt sich die Temperatur regulieren, und am Ende des Skitages hängt man die Schuhe einfach an die Steckdose.

Für die Schuhe ist ihr Mann zuständig

Darum kümmert sich Martina Ertl-Renz allerdings nicht, für die Schuhe sind ihr Mann und andere Mitarbeiter zuständig, darunter ein angestellter Orthopäde. Aber sie wird oft von den Kunden um Rat gefragt, denn die Kombinationsweltmeisterin von 2001 weiß, wie wichtig Skischuhe sind. „Mein Mann sagt, dass es besser läuft, seit ich regelmäßig hier bin.“

Natürlich schauen einige Kunden wegen der ehemaligen Skirennläuferin in dem Geschäft in bester Lage vorbei. Aber diejenigen, die wegen des Angebots kommen - „Ertl-Renz“ ist mittlerweile weit über Münchens Grenzen hinaus bekannt für die Schuhanpassung - sind überrascht, dass sie tatsächlich im Laden steht. Viele reagieren zunächst schüchtern, aber Martina Ertl-Renz schafft es, mit ihrer bajuwarisch-freundlichen Art schnell das Eis zu brechen. Zum Kundenkreis gehören auch ehemalige Ski-Kollegen. Felix Neureuther zum Beispiel hat sich schon Sportschuhe bei „Ertl-Renz“ anfertigen lassen. Mittlerweile schickt sogar der FC Bayern München seine Spieler vorbei. Javier Martinez war schon da, Arjen Robben auch.

„Ich habe ein Gespür dafür, wie Sportklamotten sitzen müssen“

Das Metier von Martina Ertl-Renz ist die Software, die Sportkleidung. Die Optik ist ihr genauso wichtig wie Funktion und Passform. „Ich habe ein Gespür dafür, wie Sportklamotten sitzen müssen. Das hatte ich schon immer.“ Sie sucht deshalb die Kollektionen selbst aus und übernimmt die Ordertermine. Nächstes Jahr plant sie, Skibekleidung für Kinder in das Sortiment aufzunehmen. Vieles erledigt sie auch von zu Hause aus, damit sie sich um ihre beiden Kinder, die fünfjährige Romy und den dreijährigen Luis, kümmern kann. „Denn in erster Linie bin ich schon Mama“, gibt sie zu. Die beiden fahren auch schon Ski, mit ähnlicher Begeisterung wie Martina Ertl-Renz. Die Tochter hat bereits verkündet, dass sie in die Fußstapfen der Mama treten, will. Seit kurzem ist sie Mitglied beim SC Lenggries und hat ihre ersten Skirennen hinter sich.

Wenn Martina Ertl-Renz im Geschäft in München oder fürs Fernsehen im Einsatz ist, hilft die Oma aus und kümmert sich um die Kinder. Mittlerweile sind beide im Kindergarten, das schafft auch für Martina Ertl-Renz Freiräume. Eine gute Organisation ist wichtig, so wie früher im Skizirkus. Da kam sie am Sonntagabend von einem Rennen, hat zuerst die Tasche ausgepackt, um sie dann mit frischer Kleidung gleich wieder zu packen, weil es am nächsten Tag schon weiterging, zum nächsten Weltcuport oder zum Training. Das Leben aus dem Koffer vermisst Martina Ertl-Renz nicht.

Wie in den Mädchenträumen

Es ist alles so gekommen, wie sie es sich einst vorgestellt hatte in ihren Mädchenträumen. Anfang 2004, das Ende der Karriere war da schon in Sicht, lernte Martina Ertl den ehemaligen Bundesliga-Triathleten Sven Renz kennen, im Sommer 2005 heirateten die beiden. Nach ihrem Rücktritt 2006 stieg sie ins Geschäft des Ehemanns ein, allerdings eher passiv und als Testimonial. Damals war der Laden noch kleiner und lag etwas vom Zentrum entfernt. Zunächst kümmerte sie sich um den Bau des Eigenheims daheim in Lenggries, nur ein paar Kilometer entfernt vom elterlichen Bauernhof. Dann kamen die Kinder. Außerdem arbeitete sie im Winter regelmäßig als Expertin für das Fernsehen. Da blieb nicht viel Zeit für das Sportgeschäft.

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