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Maria Furtwängler Die Freundin der kühlen Blonden

Als „Tatort“-Kommissarin ist die Schauspielerin Maria Furtwängler in den Adelsstand der Branche erhoben worden. Dabei hatte die Ärztin gar nicht mit der großen Karriere gerechnet: „Ich dachte immer, dazu fehlt mir irgendwas.“

© picture-alliance/ dpa Vergrößern Die Tatort-Kommissarin als Ritterschlag: Maria Furtwängler

Bloß nicht die Ehefrau. Was soll die denn machen? Auf die Frage findet Maria Furtwängler keine befriedigende Antwort. Sie will den Part nicht spielen. Die Agentin legt sich ins Zeug: eine Serienrolle, im "Tatort", neben Robert Atzorn - ein Traum für viele Schauspielerinnen: "Mach das, mach das, mach das!" Doch Furtwängler bleibt konsequent. Sie lehnt die Rolle ab. Sie lacht, wenn sie heute die Geschichte erzählt, die ihre Karriere vor rund fünf Jahren entscheidend beeinflußt hat. Sie führt ihre Entscheidung von damals auf ein "Bauchgefühl" zurück, auf den gewissen Instinkt, die eigenen Fähigkeiten einschätzen zu können.

Sven Astheimer Folgen:  

Der Mut zu dieser Absage wird schon wenige Wochen später belohnt. Atzorn, der als Hamburger Ermittler die beiden Kult-Kommissare Manfred Krug und Charles Brauer beerben soll, will statt der vorgesehenen drei nur zwei Folgen im Jahr abdrehen, um genügend Zeit für andere Projekte zu haben. Beim verantwortlichen NDR wittert das Land Niedersachsen seine Chance und fordert eine eigene Reihe ein. Fernsehfilmchefin Doris Heinze, die Furtwängler schon für den Euro-Krimi "Die achte Todsünde" ins Spiel gebracht hat, wird zur großen Fürsprecherin: Gegen einigen Widerstand in den Reihen der Sendeanstalt erhält die blonde Bayerin die Rolle der niedersächsischen "Tatort"-Kommissarin Charlotte Lindholm.

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Ihr Debüt verfolgt Furtwängler gemeinsam mit der "Schlüsselfigur" Heinze vor dem Bildschirm. Die Erwartungen sind hoch: Was passiert, wenn statt der erhofften acht am Ende doch nur fünf Millionen zuschauen? Die Privaten halten mit dem Fantasy-Epos "Herr der Ringe" dagegen. Doch "Lastrumer Mischung", Kommissarin Lindholms erster Fall, fesselt mehr als 10 Millionen Zuschauer vor den Bildschirmen und erzielt mit knapp 29 Prozent die höchste Einschaltquote des Jahres 2002. Diese Quote sei die Münze, die über den Wert einer Schauspielkarriere entscheide, sagt Furtwängler. Demnach ist sie jetzt Gold wert. Statt der gelegentlich auftauchenden Polizisten-Ehefrau steht sie, die nie eine klassische Schauspielausbildung genossen hat, als Kommissarin selbst im Mittelpunkt. Sie hat, wie es Fast-Ehemann Atzorn formuliert, mit der "Tatort"-Rolle den Ritterschlag für deutsche Schauspieler erhalten.

Furtwängler2 © picture-alliance/ dpa/dpaweb Vergrößern Mit der kühlen blonden Charlotte Lindholm hat sie sich mittlerweile angefreundet

"Ich raufe heute noch gerne"

Der Höhepunkt einer Karriere, die die heute 40jährige eigentlich nie zu machen glaubte. "Ich dachte immer, dazu fehlt mir irgendwas." Und sei es der unbedingte Wille, sich als Schauspielerin durchzusetzen, gezielt auf bestimmte Rollen hinzuarbeiten, wie es die Konkurrenz bisweilen tut. "Es gibt keinen Masterplan", sagt Maria Furtwängler und erweckt dabei den Eindruck, daß sie in der Tat nichts sonderlich vermissen würde, wenn sie eines ihrer anderen Talente ausgebaut hätte und heute Ärztin oder Künstlerin wäre.

Als Tochter eines Architekten und einer Schauspielerin testet die Münchnerin schon früh ihre künstlerischen Fähigkeiten aus: Sie nimmt Gesangsstunden, singt Sopran und modelliert, gießt Bronzefiguren. Im Alter von acht Jahren steht sie bereits das erste Mal vor der Kamera. Geprägt wird sie durch das Verhältnis zu ihren beiden älteren Brüdern - schon früh wächst daraus ein starkes Bedürfnis nach Selbstbestimmung. "Was ich heute noch an Burschikosität in mir habe, das habe ich von meinen Brüdern", erzählt Furtwängler und berichtet amüsiert vom Gesichtausdruck verdutzter Freundinnen, die sie zum Einseifen in den Schnee wirft. "Ich raufe heute noch gerne." In der Schule ist sie nach eigenen Worten "schnell und vorlaut". Während andere noch denken, handelt sie schon. Dieses Tempo hat sie beibehalten: manchmal genau jenen Tick zu schnell, um sich etwa die Zigarette anzünden zu lassen.

Fast eine Multidilettantin

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Veröffentlicht: 02.10.2006, 03:05 Uhr