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Klaus Teuber : Von Roßdorf nach Catan

Spielen wir was? Wenn es nach Klaus Teuber geht, jederzeit gerne. Bild: Wohlfahrt, Rainer

Auf Wunsch des Vaters machte Klaus Teuber eine Lehre zum Zahntechniker. Heute ist das Dentallabor für ihn Geschichte und er ein erfolgreicher Spieleerfinder.

          Strenggenommen hatte Klaus Teuber die genialste Idee seines Lebens als Elfjähriger. Damals sammelte er kleine Spielfiguren aus Hartplastik, bunt bemalte Römer, Wikinger und Ritter. Doch statt sie ins Regal zu stellen, dachte er sich ein Spiel aus: Mit Wollfäden unterteilten er und seine Schulfreunde den Fußboden des Kinderzimmers in Felder. Es gab Gebirge, Äcker und Flüsse, die von den Figuren besiedelt wurden. „Um diese Gebiete haben wir dann gewetteifert und hatten dafür auch richtige Spielregeln“, erzählt Teuber. „Wir haben zum Beispiel Reiter gegen Fußsoldaten kämpfen lassen und ausgewürfelt, wer gewinnt.“ Am Ende war das Regelwerk so kompliziert, dass Teuber es aufschrieb.

          Nadine Bös

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Heute, fast 50 Jahre später, ist Klaus Teuber der wohl bekannteste deutsche Erfinder von Gesellschaftsspielen. Gleich viermal erhielt er die Auszeichnung „Spiel des Jahres“, ebenso oft den „Deutschen Spielepreis“. Die Kartons, auf denen prominent der Name des Autors prangt, verkaufen sich millionenfach auf der ganzen Welt. In seinem berühmtesten Werk geht es - ebenso wie in dem Plastikfiguren-Spiel seiner Kindheit - um Äcker, Gebirge und Schafherden. Das Regelwerk von „Die Siedler von Catan“ hat zwar nur noch punktuell mit dem Vorläufer zu tun. Doch die Grundidee, die das Gesellschaftsspiel zum Bestseller machte, stammt tatsächlich noch aus dem Kinderzimmer.

          Der verträumte Klaus

          Zwischen der Kindheit im Darmstädter Hinterhaus und den Spiele-Erfolgen lag für Klaus Teuber eine wechselhafte Karriere. Sein Vater, der ein Zahntechniklabor besaß, träumte davon, dass der einzige Sohn in seine Fußstapfen treten möge. Was den wenig interessierte. „Klaus ist sehr verträumt, seine Leistungen leiden darunter“, schrieb die Grundschullehrerin in sein Zeugnis. Später waren Geschichte und Geographie Teubers liebste Schulfächer, er begeisterte sich für die Wikinger und für ferne Länder. „Konkrete Berufswünsche hatte ich lange Zeit gar nicht“, erinnert er sich. Erst in den oberen Schulklassen reifte in ihm der Wunsch, Medizin zu studieren. „Ich wollte Allgemeinarzt auf dem Land werden. Als Stadtkind hatte ich einen starken Drang, nach draußen zu ziehen.“

          Gleich viermal erhielt Klaus Teuber die Auszeichnung „Spiel des Jahres“.
          Gleich viermal erhielt Klaus Teuber die Auszeichnung „Spiel des Jahres“. : Bild: Wohlfahrt, Rainer

          Übrig geblieben von seinem Jugendtraum ist immerhin der Wohnort. Das hessische Örtchen Roßdorf, wo Teuber lebt und arbeitet, hat beschauliche Gassen und Fachwerkhäuser. Die Einrichtung von Teubers Lieblings-Italiener erinnert ein wenig an Vereinsgaststätte. Hier bestellt Teuber Spaghetti aglio e olio, den Beilagensalat lässt er sich einpacken, für seine Frau. Mit ihr lebt er in einem schlichten Reihenhaus auf einem Hügel. Im angrenzenden Haus hat Teuber sein Büro. Dort hängen vergrößerte Cover seiner Spiele im Flur, in den Regalen türmen sich Spielekartons, die Toilette ist mit Asterix-und-Obelix-Motiven gefliest. Alles wirkt bunt und bodenständig, beinahe spießig. Hier also hat er sich ein Brettspiel ausgedacht, das in vielen deutschen Familien prominenter im Regal steht als Goethes Faust? Das bis nach China exportiert wird? Von dem er auskömmlich leben kann, was sonst kaum ein Spieleautor schafft? In dieser Dorfidylle?

          Aus dem Medizinstudium wurde nichts

          Vielleicht gerade hier. Und vielleicht gerade, weil aus dem zweiten Teil seines Jugendtraums, dem Medizinstudium, nichts wurde. Teubers Noten reichten nicht für den Numerus Clausus. Stattdessen schrieb er sich für Chemie ein, um später zur Medizin zu wechseln. Doch auch diesen Plan verwarf er, als sein Vater schwer erkrankte und sich mehr denn je Unterstützung in seinem Zahnlabor wünschte. „So musste ich nach dem Grundstudium widerwillig einsehen, dass es für die Familie am besten war, wenn ich doch noch eine Lehre zum Zahntechniker machte“, sagt Teuber. Eine Rolle spielte dabei auch, dass er früh geheiratet hatte und mittlerweile schon zum zweiten Mal Vater geworden war. „Das lange Studium durchzuziehen, schien deshalb wenig sinnvoll, und im Betrieb wurde ich dringend gebraucht.“

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