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Julia Klöckner : Zwischen Glamour und Gelände

CDU-Verbraucherpolitikerin Julia Klöckner Bild: Darchinger

Die Parlamentarische Agrarstaatssekretärin Julia Klöckner soll als CDU-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl 2011 in Rheinland-Pfalz Kurt Beck (SPD) herausfordern. CDU-Landeschef Baldauf erklärte am Dienstag seinen Verzicht. Klöckner ist eine frühere Weinkönigin und Verfechterin moderner Frauenpolitik. Ein Porträt.

          Was wird eine Winzertochter, die den Titel der Deutschen Weinkönigin getragen und ihre Abschlussarbeit an der Universität über Weinbau in Europa geschrieben hat? Chefredakteurin des „Sommelier Magazins“ zum Beispiel. So wie Julia Klöckner. Nach einer journalistischen Ausbildung beim Südwestrundfunk und freier Mitarbeiterschaft für ein Branchenmagazin schien die temperamentvolle junge Fachfrau einfach die Idealbesetzung zu sein, um dem Verbandsorgan frischen Wind einzuhauchen. Vom pfälzischen Neustadt an der Weinstraße aus bereiste sie alle wichtigen Weinbaugebiete, in Europa ebenso wie in Übersee. Wenn sie mit Winzern in Neuseeland oder Nordamerika über das besondere Mikroklima oder die Beschaffenheit der Böden sprach, die den Weinen ihre unverwechselbaren Noten geben, dann redeten sie von denselben Vorgängen wie im pfälzischen Nahetal, ihrer Heimat. „Das war für mich erfahrbare Globalisierung“, sagt sie heute. Kurzum: Diese Karriere schien Julia Klöckner einfach in die Wiege gelegt worden zu sein. Und wahrscheinlich würde ihr Alltag heute noch so aussehen, wäre da nicht dieser Anruf vor mehr als sieben Jahren gewesen.

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Es ist das Jahr 2001, als ein Vertreter der rheinland-pfälzischen CDU anfragt, ob Klöckner nicht im kommenden Jahr für den Deutschen Bundestag kandidieren will. Zwar befindet sich der Wahlkreis Bad Kreuznach seit Jahrzehnten fest in sozialdemokratischer Hand. Aber die Frauenquote macht es möglich, dass ihr über die Landesliste der Einzug in das Parlament sicher zugesagt werden kann, das Wahlergebnis spielt keine Rolle.

          Überraschender Anruf passt ins Schema

          Der Anruf überrascht Klöckner, die zwar seit 1997 in der Jungen Union, aber politisch bislang noch nicht übermäßig in Erscheinung getreten ist. Sie passt aber in das Schema der Parteistrategen: Als ehemalige Weinkönigin genießt sie in der Region eine hohe Popularität. Außerdem bringt sie das mit, was man in der Managementlehre „Sozialkompetenz“ nennt. Julia Klöckner nennt es lieber „Geländegängigkeit“ oder noch einfacher im heimatlichen Dialekt: „Als Weinkönigin lernt man, mit de Leut’ zu schwätze.“ Doch sie reagiert zurückhaltend auf das eindeutige Angebot. Denn eigentlich findet die selbstbewusste junge Frau solche Quoren schrecklich. „Als Studentin hatte ich aber auch leicht reden“, weiß sie heute. Manchmal brauche die Gleichberechtigung einfach eine kleine Krücke. Damals aber lehnt sie die Offerte ab.

          „Als Weinkönigin lernt man, mit de Leut’ zu schwätze”

          Doch die Idee mit der Bundespolitik lässt sie nicht mehr los. Hatte sie die falsche Entscheidung getroffen? Sie kommt ins Grübeln. Ihre beste Freundin rät ihr ganz pragmatisch: Wenn die Chance noch einmal kommt, greifst du zu! Und sie kommt wieder, in Form des Kreuznacher Stadtverbandes, der kurz darauf nachhakt. Klöckner tritt für die Bundestagswahl 2002 an, zieht erwartungsgemäß gegen den SPD-Kandidaten den Kürzeren und packt dank Frauenquote trotzdem die Koffer für Berlin.

          Drei Jahre später stehen erneut Bundestagswahlen an, diesmal vorgezogen nach dem Scheitern der rot-grünen Koalition. Klöckner ist um einige politische Erfahrungen in der Hauptstadt reicher und hat sich im Wahlkreis profiliert – wird aber vom politischen Gegner immer noch als „die Weinkönigin“ unterschätzt, da ist sie sich bis heute sicher. Mit 43 Prozent der Erststimmen gewinnt sie überraschend den Wahlkreis und sichert sich und ihrer Partei so das Direktmandat. „Dieser Erfolg, die Chance, zu zeigen, was man kann, wäre ohne die Quotenregelung nie möglich gewesen“, sagt sie im Rückblick. Ein Argument, das auch die Gegner von Frauenquoten in ihrer eigenen Partei regelmäßig verstummen lasse. Als Bundesvorstandsmitglied der Frauenunion hat sie heute keine Probleme mehr mit der Quote. Denn immer noch kämen nur Frauen in Spitzenämter von Politik und Wirtschaft, die deutlich mehr Leistung zeigten als männliche Kollegen. „Erst wenn es auch mittelmäßig begabte Frauen in Führungspositionen schaffen, können wir wirklich von Gleichberechtigung sprechen.“

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