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Frauen und Karriere

Jens Oliver Haas Humor ist sein Handwerk

Ohne ihn gäb es im „Dschungelcamp“ weniger zu lachen. Jens Oliver Haas schreibt die Texte des Moderatorenduos - und macht sich damit wenig Freunde.

© Andreas Müller / F.A.Z. Vergrößern Der Mann im Hintergrund: Wer glaubt, Witze im Fernsehen entstünden spontan, wird von Jens Oliver Haas eines Besseren belehrt.

Jens Oliver Haas - wer ist das? Sein einstiger Arbeitgeber weiß, wie man ihn am besten verkauft. „Dieser Mann schreibt Zietlows Witze - und nachts liegt er mit ihr im Bett!“ titelte die „Bild“-Zeitung. Der vermeintliche Skandal löste sich wie so häufig wenige Zeilen später auf. Haas ist seit Jahren mit der Fernsehmoderatorin verheiratet. Früher hätte der Fünfundvierzigjährige solche Sätze vielleicht noch selbst geschrieben. Vier Jahre lang arbeitete er für das Boulevardblatt. Heute bedient Haas einen Boulevard ganz anderer Art.

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Davon kann sich in wenigen Tagen wieder ein Millionenpublikum überzeugen, wenn der Fernsehsender RTL in Australien sein „Dschungelcamp“ öffnet. Sonja Zietlow und der für den verstorbenen Co-Moderator Dirk Bach einspringende Entertainer Daniel Hartwich bekommen dann von Haas und seinem Kompagnon Micky Beisenherz Lästerunterstützung. Als Autorenduo im Hintergrund legen sie den Protagonisten vor der Kamera manchmal kluge, manchmal abgedroschene, aber fast immer hundsgemeine Sätze in den Mund.

Wie fies muss man sein, um solche Sätze zu zimmern?

Wenn vom 11. Januar an Promis wie die Schauspielerlegende Helmut Berger, der Kaufhauserpresser Arno Funke (“Dagobert“) und das Model Fiona Erdmann öffentlichkeitswirksam im Urwald campieren, müssen sie mit Kommentaren rechnen wie: „Hier im Dschungel ist es wie in Berlin, die Arbeitslosen nennen sich Künstler.“ „Wir müssen aus diesen ganzen Karriereresten etwas zusammenbraten, sozusagen den perfekten Promi-Döner.“ „Im Camp weht ein rauher Wind, aber richtig fies wird es, wenn der auch noch aus Martins Richtung weht.“

Wie fies muss man sein, um solche Sätze zu zimmern? Ortstermin in einer Kleinstadt in der Nähe von Köln. Ein Wohnblock mit kühlem Betoncharme am Waldrand. Jens Oliver Haas öffnet die Tür seines Appartements und bittet herein, freundlich-distanziert, kontrolliert, trainiert. Mitten im Wohnzimmer steht ein Sportgerät. Kaffee? Gerne. Der Gastgeber verschwindet in der kleinen Küche. Köln ist ein Zentrum der elektronischen Medienwelt in Deutschland, deswegen hat sich Haas diese Wohnung ausgesucht. Seine Hauptdomizile finden sich woanders. Im Münchener Umland besitzt seine Frau ein Haus. Und auf Mallorca bewohnen die beiden mit ihren drei Hunden Rubio, Lila und Lotta eine gemietete Finca, um dem deutschen Winter zu entkommen.

„Wir dürfen auch den Intellektuellenwitz machen“

Haas gehört seit dem Start von „Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ 2004 zur humoristischen Stammbesetzung. Anfangs standen die Ekelprüfungen der Kandidaten im Mittelpunkt des Interesses und der öffentlichen Erregung über die Sendung. Das hat sich gewandelt. Heute schalten die Leute mehr und mehr wegen des gesprochenen Wortes ein. Sagen zumindest Haas und RTL. Der Comedy-Chef des Senders, Markus Küttner, beziffert den Erfolgsanteil der beiden Moderatoren und der beiden Autoren auf mindestens 25 Prozent. „Das ist schon verdammt hoch“, sagt Haas und weiß von Zuschauern, „die sagen, ich guck’s nur wegen der Moderation“.

Und so fährt Haas schneller den verbalen Schutzschirm hoch, als man das Wort „Unterschichtenfernsehen“ aussprechen kann. Von wegen Unterschichtenfernsehen (“ein wunderschöner Begriff, ich glaube, der ist von Harald Schmidt“): Im Dschungel fische man in allen Gewässern. „Wir dürfen den Schenkelklopfer machen, um das vermeintliche RTL-Publikum abzuholen. Wir dürfen aber auch den Intellektuellenwitz machen, um die oberen 10 Prozent abzuholen, um unsere hohe Akademikerquote zu erfüllen. Schließlich haben wir den höchsten Anteil an Akademikern im gesamten RTL-Programm.“

„Bild ist ein hartes Brot“

Aufgewachsen ist Haas freilich auf dem medialen Boulevard. Nach dem Abitur im hessischen Gelnhausen studierte er Amerikanistik, Medienwissenschaften und neuere deutsche Literatur, schrieb für die Lokalzeitung über die örtliche Sparkasse und Kaninchenzüchter, bis Anfang der neunziger Jahre der Start bei „Bild“ den Grundstein für die weitere Karriere legte, unter anderem als Polizeireporter. Die müssen „Witwenschüttler“ sein. „Bild ist ein hartes Brot, es verlangt, dass man seine moralischen Grenzen sehr oft verschiebt.“ Und wenn es nur die kleinen Tricks sind. „Man fängt an, Leute zu beeinflussen, zu indoktrinieren. Man sorgt dafür, dass der Fotograf alleine im Raum bleibt, damit er ein Foto von der Wand abfotografieren kann.“

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Veröffentlicht: 01.01.2013, 08:00 Uhr