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Veröffentlicht: 10.12.2012, 06:00 Uhr

Heinz Buschkowsky Klare Kante

Er ist Deutschlands bekanntester Integrationspolitiker. Diese Position hat sich Heinz Buschkowsky erarbeitet - mit Hartnäckigkeit und markigen Sprüchen.

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© Zimmermann, Julia „Neukölln ist überall“: Die Thesen von Heinz Buschkowsky gefallen nicht jedem, aber seine Arbeit wird respektiert.

Viele dürften ihn inzwischen als einen guten Bekannten empfinden - Heinz Buschkowsky, den Bezirksbürgermeister aus dem Berliner Stadtteil Neukölln. Ständig tritt er in Talkshows auf, in denen über Integration und frühe Bildung diskutiert wird. Seine angenehme Stimme mit der berlinerischen Färbung ist ebenso vertraut wie seine messerscharfen und klaren Sätze, mit denen er die Zustände in der Unterschicht anprangert und über Gutmenschen schimpft, die noch nicht verstanden hätten, wie gespalten dieses Land sei. Deutschlands wohl bekanntester Bürgermeister wirkt dann nahbar und unverstellt. Das ist nicht anders, wenn man den Vierundsechzigjährigen zum Interview in seinem Büro trifft.

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Für das Gespräch nimmt er sich, obwohl er seit der Veröffentlichung seines Bestsellers „Neukölln ist überall“ ein gefragter Gesprächspartner ist, viel Zeit. Allerdings findet er es seltsam, über sich zu sprechen und nicht über Politik. Lieber hetzt er rasch noch ein wenig gegen die „Seminaristen, die satten Kinder des Bürgertums, Anfang zwanzig, drittes Semester Soziologie mit Robin-Hood-Träumerei und der Überzeugung, dass nur sie wissen, was Demokratie ist“. Die glaubten, dass unsere Gesellschaft die Menschen angeblich schlecht behandele. Buschkowsky sieht sich selbst als das „Produkt einer Gesellschaft, die auch den Kindern eine Chance gegeben hat, die nicht aus dem Bildungsbürgertum kamen“.

„In der Schule war ich ein engagiertes Faultier“

Bescheiden sei es in seiner Kindheit in den fünfziger Jahren zugegangen. „Wenn mein Bruder und ich neue Wintermäntel brauchten, dann mussten meine Eltern einen Kredit aufnehmen.“ Die Mutter war Sekretärin, der Vater Schlosser. „Meine Eltern haben mir beigebracht, was man tut und was nicht. Dass man aufsteht, wenn ein alter Mensch keinen Sitzplatz hat, dass man die Suppe nicht schlürft“, erzählt er. Mutter und Vater hätten ihm noch eine zweite Botschaft vermittelt: „Wenn du etwas haben willst, dann musst du dafür arbeiten.“ Die dritte sei gewesen: „Du sollst es einmal besser haben als wir.“

Das habe er damals noch nicht so richtig verstanden. „In der Schule war ich ein engagiertes Faultier.“ Mit minimalem Aufwand das maximale Ergebnis zu erzielen, sei ihm aber ganz gut gelungen. „Ich zehre noch heute von meiner Schulbildung und beherrsche so manche Weisheit Goethes oder Schillers immer noch auswendig.“ Seit dem Alter von acht Jahren hat Buschkowsky gejobbt: Er hat Kartoffeln geerntet und Zeitschriften ausgetragen. Als Jugendlicher arbeitete er in der Fabrik. Später war er dann Stadtführer - neben seiner Ausbildung in der Verwaltung. Achteinhalb Jahre dauerte diese, dann war er Diplom-Verwaltungswirt.

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Dem Klischee des Beamten entspricht Buschkowsky höchstens äußerlich. Doch auch er schätze Sicherheit, sagt er. Außerdem habe er in seinem Beruf seine guten Fähigkeiten in Deutsch verwirklichen können. So sei ihm das Lesen als Kind sein Ein und Alles gewesen. „Da ich keine Bücher kaufen konnte, war ich ein fanatischer Nutzer der Stadtbibliothek. Unter zehn Büchern bin ich bei der Ausleihe nicht nach Hause gegangen.“ Schwerste Schriftsteller habe er verschlungen, von Remarque über Goethe bis Tolstoi, aber auch Schund.

Während der Ausbildung verbrachte Buschkowsky ein Jahr im Bezirksamt Neukölln im Jugend- und Sozialamt. „Ich habe wahnsinnig gerne dort gearbeitet. Das war ,real life’, nahe an den Bürgern.“ Er wurde angesetzt auf Sozialhilfebetrüger und Väter, die den Unterhalt ihrer Kinder schuldeten. Einige habe er „zur Strecke gebracht“. Darüber kann er sich noch heute freuen.

„Ich finde mich nie mit Gegebenheiten ab“

Das Thema Integration erfasste Buschkowsky 1995 mit voller Wucht. Damals wurde er in Neukölln nicht nur stellvertretender Bürgermeister, sondern auch Jugenddezernent. Die mit der absoluten Mehrheit ausgestattete CDU wollte es so. Er störte sie als Finanzdezernent und sollte sich im damals schon schwierigen Neuköllner Jugendbereich wund laufen, wie Buschkowsky vermutet. „Doch ich war nach vier Jahren so erfolgreich, dass man mir nun wieder das Jugendressort wegnahm und mich zum Ressort Gesundheit, Umwelt und Sport abdrängte.“

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