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Gabo : Licht an, Augen auf

Das Pepsi-Light-Casting war das letzte: Danach wurde aus dem Model Gabriele die Fotografin Gabo Bild: Pein, Andreas

Als Model bekam sie anzügliche Sprüche von Fotografen zu hören. Dann wechselte sie die Seiten. Seitdem rückt Gabo Prominente ins rechte Licht.

          Die Fotografin lässt sich nicht gerne fotografieren, so viel steht schnell fest. Das Licht gefällt ihr nicht, der Hintergrund auch nicht. Mit Blitz? Vor einer weißen Wand? Und dann noch von vorne? Auf keinen Fall. So beharrlich der Fotograf sie bittet, gerade in die Kamera zu schauen, so beharrlich dreht sie ihren Kopf leicht nach rechts. Das Wort Schokoladenseite ist eines, das in diesen Minuten oft fällt. Die Fotografin kennt ihre, seit sie 16 ist. Damals hieß sie noch Gabriele Oestreich und arbeitete neben der Schule als Fotomodel. Heute heißt sie Gabo und ist eine der bekanntesten Fotografinnen Deutschlands. Yoko Ono, Kevin Costner, Boris Becker - die Frau mit der dunklen Lockenmähne hat sie alle fotografiert. Sie hat sich auf Prominente spezialisiert, auf Prominente und ihre Schokoladenseiten. „Es gibt Menschen, die sind nur von einer Seite sie selbst“, sagt sie, „Helmut Schmidt zum Beispiel.“ Und Gabo offensichtlich auch.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Fast zehn Jahre lang hat die heute 50 Jahre alte Gabo einst als Model vor der Kamera gestanden. Am Ende war nicht mehr viel Sympathie übrig für diese Berufsgruppe, der sie da jeden Tag gegenüber stand. „Goldkettchen, offenes Hemd, heiße Schlitten“, so beschreibt sie die Fotografen. „Die dachten, sie hätten die Frauenwelt erfunden.“ Der große Helmut Newton wollte in einem Casting ihre Brüste sehen. Als sie sich weigerte, schmiss er sie raus. Ein anderer Fotograf mäkelte an ihrer Taille herum. Während eines Bikini-Castings für Pepsi Light sagte er in die Runde: „Ich glaube, sie braucht das Produkt.“

          Sie wollte es anders machen, besser machen. Besseres Licht, bessere Stimmung. So nahm sie mit Mitte zwanzig selbst die Kamera in die Hand und gab sich einen Künstlernamen: Gabo. Wie ein Mann wollte sie klingen, nichts sollte mehr an das Model Gabriele erinnern. Sie fotografierte eine Modestrecke für ein Hamburger Stadtmagazin und bewarb sich mit diesen Aufnahmen beim „Stern“. Bekam eine Absage. Bewarb sich noch mal. Wurde schließlich ebenfalls mit einer Modestrecke beauftragt. Und dann damit, Herbert Grönemeyer während einer Tournee zu begleiten.

          Grönemeyer statt Tschernobyl

          „Der totale Seiteneinstieg.“ Gabo machte Fotos, die Geschichten erzählten. „Da sind schon ein paar Bilder dabei, die mich berühren. Grönemeyer hinter der Bühne, mit einem Kaffee, völlig abgekämpft.“ Dem damaligen Chefredakteur des „Stern“ gefielen die Bilder so gut, dass er sie zur Titelgeschichte machte. Eine Entscheidung, die ihn seinen Job kostete. Denn kurz zuvor hatte sich das Atomunglück in Tschernobyl ereignet, der Grönemeyer-Titel wirkte unpassend angesichts der Nachrichtenlage. Für Gabo war die Titelgeschichte hingegen ein Erfolg. Mit einem Mal war sie bekannt. Und mit einem Mal wusste sie, was sie fortan tun wollte: Prominente fotografieren. „Damals waren alle Fotografen auf Models aus.“ Celebrities galten als schwierig. Darin sah sie ihre Chance.

          Man muss dazu wissen, dass Gabo selbst nicht gerade der Prototyp eines Models ist. Etwas kräftiger, etwas kantiger, etwas punkiger. Etwas vorlauter vielleicht auch. Vielleicht kann sie deshalb gut mit Menschen umgehen, die ebenfalls etwas kantiger sind. Sie mag es, mit ihren Modellen Geschichten zu entwickeln, mit ihnen zu spielen. Als Kind wollte sie Opernsängerin werden, inspiriert durch ihre musikalischen Eltern und regelmäßige Hausmusikabende. Sie übte eifrig, doch beim späteren Vorsingen an der Musikhochschule wurde ihr allenfalls Talent im Nachtclubbereich bescheinigt.

          Im besten Fall entsteht aus einem Fototermin Freundschaft, im schlechtesten zumindest ein gutes Bild. Eines ihrer liebsten ist das von Eric Clapton. Hamburg, 1994, ein schlechtgelaunter, wortkarger Sänger. Immerhin schaute er kurz in die Kamera. Sie habe seine Seele getroffen, sagt Gabo über diesen Moment.

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