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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Franz Koch Raus aus dem Schatten

 ·  Erst 33 Jahre alt und schon Chef von Puma: Franz Koch hat in Rekordzeit Karriere gemacht. Jetzt muss er seinen eigenen Stil finden.

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© Müller, Andreas Vom Teamspieler zum Einzelkämpfer? Nur sportlich. Nach seinem Aufstieg zum Chef will Franz Koch seine Mitarbeiter zu neuen Höchstleistungen motivieren.

Franz Koch musste mit einer geliebten Tradition brechen. Vergangenen Sommer konnte er nicht wie in den Jahren zuvor mit seinen Kumpels per Mountainbike die Alpen überqueren. Die geplante mehrtägige Berg-und-Tal-Fahrt – eine frühere zog sich schon einmal 450 Kilometer über 15 000 Höhenmeter von Garmisch bis zum Gardasee hin – musste ausfallen. Es kam etwas dazwischen.

Sein Chef Jochen Zeitz hatte nämlich die Idee, Franz Koch könnte sein Nachfolger und somit Vorstandsvorsitzender von Puma werden. Und das geschah just in jenen Julitagen, die für die Alpenüberquerung vorgesehen waren. Ereignisreich genug war 2011 für den 33 Jahre alten Lübecker somit auch ohne die sportliche Herausforderung; ganz abgesehen davon, dass er auch noch heiratete und Vater eines Sohnes wurde.

Sport ist ein wichtiger Teil seines Lebens – beruflich wie privat

Als neuer Chef des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach wird Zeit ein noch knapperes Gut für Franz Koch. „Deswegen bin ich auf Individualsportarten umgestiegen“, muss jemand die Konsequenzen ziehen, für den Sport Teil des Privat- und des Berufslebens ist. Kerzengerade sitzt der Vorstandschef auf dem Stuhl, durchtrainiert. Sparsam mit Gesten und breit lächelnd zählt er auf: Mountainbiken, Rennradeln, Skifahren, Golfen und Tischtennis sind nur einige seiner Leidenschaften. In Wellenreiten ist er geradezu vernarrt.

Die Begeisterung dafür verdankt er seinem früheren Leben in Sydney, wo es jeden Morgen vom Apartment nahe dem Strand mit dem Brett direkt ins Wasser ging. Nicht zu vergessen: Laufen. Koch hat die Laufschuhe immer im Gepäck dabei, kann so auf Dienstreisen auch einmal schnell eine Runde drehen. Montag in Paris, Mittwoch in London, dazwischen woanders. „Ich brauche den Sport als Ausgleich, sonst fühle ich mich nicht wohl.“ Und wenn es nur für 30 Minuten ist.

Mannschaftssport? Vom Spontanbolzen auf dem firmeneigenen Sportgelände in Herzogenaurach montagabends mit Kollegen abgesehen, bleibt nicht viel. Das ist bitter für jemand, der mit 21 Jahren als Feldhockeyspieler des Harvestehuder HTC in Hamburg deutscher Meister wurde. Diese Zeit ist – trotz vieler vergangener Jahre – für Franz Koch präsent wie früher.

Große Fußstapfen: Kochs Vorgänger gilt als der Retter des Konzerns

Mannschaftsgeist und Teamarbeit prägen seinen Stil. Das sollte eigentlich keine besondere Erwähnung verdienen in einem Unternehmen, in dem Sport im Mittelpunkt steht. Doch unterscheidet sich Kochs Tun von dem seines Vorgängers Jochen Zeitz, der – damals 30 Jahre alt – als Retter von Puma in die Unternehmensgeschichte einging und 18 Jahre lang erfolgreich wirkte. Vergangenes Jahr wechselte er als Vorstand zum französischen Mutterkonzern PPR.

Nun zieht ein anderer Führungsstil ein, womit sich Koch von „Mr. Puma“ Zeitz absetzt. Es sieht ganz so aus, als ob bei Koch – mehr als bei seinem Vorgänger – Stimmen von außen stärker in Entscheidungen einfließen würden. „Ich bin ein Teamspieler“, sagt er. Da sei es wichtig, dass jeder seine Spielposition finde.

Kochs erste Offensive soll Puma 4 Milliarden Euro Umsatz bringen

Die muss sitzen, weil sich Puma einem Wandel unterzieht und sich mit einem sportlicheren Image wieder auf seine Wurzeln besinnt. Das Unternehmen mit der schwarzen Raubkatze im Logo ist seit der Krise in den neunziger Jahren mehr zu einem Lifestyle- und Modeunternehmen geworden. Das war die Rettung, damals unter Zeitz. So avancierte Puma im Vergleich zu den deutlich größeren Rivalen Nike aus Amerika und Adidas direkt in der Nachbarschaft in Herzogenaurach zur ertragsstärksten Sportmarke. Mit einer neuen Offensive will Koch sie in den nächsten Jahren rasant wachsen sehen.

Um das Ziel 4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2015 zu erreichen, muss sich Koch einiges einfallen lassen. Puma ist etwa im hochattraktiven Fußballgeschäft, verglichen mit den großen Wettbewerbern, schwach und hat bei der Fußball-Europameisterschaft mit Italien nur eine hochkarätige Mannschaft im Portfolio. Während der Olympischen Spiele in London gibt es mit dem Weltrekord-Sprinter Usain Bolt zwar ein richtiges Ass. Doch für das Geschäft ist der Fußball mit Trikots und Schuhen wesentlich einträglicher.

Mit Fortuna Düsseldorf um den Aufstieg zittern

In der Fußball-Bundesliga hofft der bekennende HSV-Fan Koch immer noch darauf, dass Fortuna Düsseldorf aufsteigt. Die wäre dann in der nächsten Saison zusammen mit Borussia Dortmund, Stuttgart und Hoffenheim die vierte Puma-Mannschaft im Liga-Oberhaus.

Freuen würde ihn das auch, weil hinter der Fortuna die Toten Hosen stehen. Das mag er, so ein bisschen quer gebürstet sein. „Leicht rebellisch“ und kreativ sein – wie das Unternehmen, sagt er. Das ist wichtig für den jugendlichen Auftritt.

„Puma war als Marke immer dann am erfolgreichsten, wenn wir Dinge etwas anders gemacht haben als die anderen – und so für Furore sorgten.“ Dazu zählt er den erstmaligen, aufsehenerregenden Auftritt einer Mannschaft mit farbigen Fußballschuhen; so geschehen 1998 mit der von Puma ausgerüsteten Kamerun-Elf bei der Weltmeisterschaft in Frankreich. Oder die Ausstattung der Kameruner mit ärmellosen Trikots bei der Fußball-WM 2002 in Japan und Südkorea.

Präsenz zu zeigen liegt ihm

In ein derart gepflegtes Image passt natürlich der Auftritt eines jungen Chefs, einer der jüngsten namhafter börsennotierter Unternehmen. Von Personenkult will Koch nichts wissen. Dabei drängt sich der Eindruck auf: In dem Metier gehört werbewirksames Sich-in-Szene-Setzen mit glamourösen Auftritten zum Geschäft. Präsenz zeigen ist eine seiner Aufgaben. Das fällt ihm offenbar nicht schwer, auch wenn er zuvor als Chefstratege im Hintergrund agiert hatte. Redegewandt, locker, professionell, geschliffen tritt Koch auf, obwohl er erst seit einem Dreivierteljahr im Rampenlicht steht.

Erfahrung hat er schon in den „Townhall Meetings“ - wie die internen Versammlungen bei Puma genannt werden – gesammelt, wo er oft genug auf der Bühne gestanden hat. Doch gibt Koch unumwunden zu, dass der Unterschied zwischen interner und externer Kommunikation für ihn groß ist. Vieles habe er sich bei Zeitz abgeguckt. „Das habe ich schon beim Hockeyspielen gelernt“, sagt er, „die Leute beobachten und daraus einiges lernen.“

„Neuer Chef + neuer Charakter = neuer Führungsstil“

Natürlich war ihm bewusst, dass er in der neuen Position mehr in der Öffentlichkeit steht als früher und damit auch ein Teil seines Privatlebens. Es gebe, gerade nach Heirat und Vaterfreuden, aber klare Grenzen, die nicht überschritten werden dürften. Koch muss ein eigenes Image kreieren. Ein Imitat von Zeitz darf er nicht sein. „Es ist klar, dass – unabhängig von meiner Person – jeder Nachfolger aus seinem Schatten heraustreten muss, um eigene Akzente zu setzen“, sagt er.

“Zeitz hat seinen Stil, ich habe meinen Stil.“ Koch formuliert die simple Gleichung: „Neuer Chef + neuer Charakter = neuer Führungsstil.“ Gesagt, getan. Er will viel Zeit im Puma-Palast an der Ausfallstraße von Herzogenaurach verbringen. „Meine Präsenz in der Firmenzentrale ist gerade jetzt am Anfang natürlich wichtig“, beschreibt er ein wesentliches Element seines Teamgedankens. Der will gepflegt werden, weil Koch sich auf seine Leute verlassen und ihnen vertrauen muss; gerade mit Blick auf die „Transformation“ von Puma. Die Landesorganisationen des Unternehmens sollen schlanker werden und mehr Kompetenzen bekommen.

„Auch ein Trainer trifft Entscheidungen, die nicht jedem gefallen“

Es mag widersprüchlich klingen für ein Unternehmen, das emotionale Produkte verkauft: Der Chef sagt von sich selbst, dass er „eher rational“ ist. „Entscheidungen müssen wir auf Basis von Fakten treffen“, begründet er die kühle Sachlichkeit, schränkt aber auch ein: „Wenn die Situation nicht so klar ist, muss man dann aber auch mal aus dem Bauch heraus entscheiden können.“

Was er absolut nicht ausstehen kann, ist endloses Gelaber. „Es nervt mich, wenn Leute erzählen und erzählen, man aber nicht weiß, worauf sie eigentlich hinauswollen.“ Koch nimmt wieder die kerzengerade Haltung ein. „Dann kann ich auch emotional werden, wenn ich sehe, das ganze Gerede führt zu nichts.“ Nicht jedes Mal könne demokratisch ein Entschluss gefasst werden. „Auch ein Trainer trifft Entscheidungen, die nicht jedem gefallen“, fällt er in die Zeit des Hockeyspielers zurück.

Ob die Zentrale von Puma Koch in diesem Sommer wohl ein paar Tage entbehren kann? Unwahrscheinlich, dass er mit seinen Freunden wieder die alte Tradition der Alpenüberquerung aufnimmt. Das sei aber noch nicht hundertprozentig entschieden, sagt Koch – und hofft irgendwie noch. Auf jeden Fall aber strebt er eine Dolomiti-Runde in Südtirol an. Ohne Sport geht es einfach nicht.

Ich über mich

Ein guter Arbeitstag beginnt mit ...

... einem starken Espresso.

Die Zeit vergesse ich, ...

... wenn ich surfen bin.

Wer es in meinem Geschäft zu etwas bringen will, ...

... sollte sich für Sport, Lifestyle und kreatives Arbeiten begeistern können.

Erfolge feiere ich ...

... am liebsten zusammen mit meinem Team.

Es bringt mich auf die Palme, ...

... wenn unfair gespielt wird.

Mit 18 Jahren wollte ich ...

... unbedingt mal an den Olympischen Spielen teilnehmen.

Im Rückblick würde ich nicht noch einmal ...

... gegen Usain Bolt im Sprint antreten.

Geld macht mich ...

... nicht weniger bescheiden.

Rat suche ich ...

... bei Familie, Freunden und Kollegen.

Familie und Beruf sind ...

... für mich komplementär.

Den Kindern rate ich, ...

... ihren eigenen Weg zu gehen und sich für etwas zu begeistern.

Mein Weg führt mich ...

... immer wieder zurück nach Herzogenaurach.

 

Zur Person

Franz Koch wird 1979 in Lübeck geboren. Seine Eltern betreiben mehrere Textilgeschäfte.

In Hamburg und Leipzig studiert er von 1999 bis 2004 Betriebswirtschaftslehre. An der Universität in Sydney macht er 2001 den „Master of Commerce“.

Von der Beratergesellschaft Oliver Wyman kommend, beginnt Koch 2007 bei Puma als strategischer Planer und arbeitet eng mit Jochen Zeitz zusammen.

Im März 2011 wird er Strategievorstand, im Juli Vorsitzender der Geschäftsführung der Puma SE.

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Jahrgang 1958, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

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