http://www.faz.net/-gyl-6z3rc

Franz Koch : Raus aus dem Schatten

Vom Teamspieler zum Einzelkämpfer? Nur sportlich. Nach seinem Aufstieg zum Chef will Franz Koch seine Mitarbeiter zu neuen Höchstleistungen motivieren. Bild: Müller, Andreas

Erst 33 Jahre alt und schon Chef von Puma: Franz Koch hat in Rekordzeit Karriere gemacht. Jetzt muss er seinen eigenen Stil finden.

          Franz Koch musste mit einer geliebten Tradition brechen. Vergangenen Sommer konnte er nicht wie in den Jahren zuvor mit seinen Kumpels per Mountainbike die Alpen überqueren. Die geplante mehrtägige Berg-und-Tal-Fahrt – eine frühere zog sich schon einmal 450 Kilometer über 15 000 Höhenmeter von Garmisch bis zum Gardasee hin – musste ausfallen. Es kam etwas dazwischen.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Sein Chef Jochen Zeitz hatte nämlich die Idee, Franz Koch könnte sein Nachfolger und somit Vorstandsvorsitzender von Puma werden. Und das geschah just in jenen Julitagen, die für die Alpenüberquerung vorgesehen waren. Ereignisreich genug war 2011 für den 33 Jahre alten Lübecker somit auch ohne die sportliche Herausforderung; ganz abgesehen davon, dass er auch noch heiratete und Vater eines Sohnes wurde.

          Sport ist ein wichtiger Teil seines Lebens – beruflich wie privat

          Als neuer Chef des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach wird Zeit ein noch knapperes Gut für Franz Koch. „Deswegen bin ich auf Individualsportarten umgestiegen“, muss jemand die Konsequenzen ziehen, für den Sport Teil des Privat- und des Berufslebens ist. Kerzengerade sitzt der Vorstandschef auf dem Stuhl, durchtrainiert. Sparsam mit Gesten und breit lächelnd zählt er auf: Mountainbiken, Rennradeln, Skifahren, Golfen und Tischtennis sind nur einige seiner Leidenschaften. In Wellenreiten ist er geradezu vernarrt.

          Die Begeisterung dafür verdankt er seinem früheren Leben in Sydney, wo es jeden Morgen vom Apartment nahe dem Strand mit dem Brett direkt ins Wasser ging. Nicht zu vergessen: Laufen. Koch hat die Laufschuhe immer im Gepäck dabei, kann so auf Dienstreisen auch einmal schnell eine Runde drehen. Montag in Paris, Mittwoch in London, dazwischen woanders. „Ich brauche den Sport als Ausgleich, sonst fühle ich mich nicht wohl.“ Und wenn es nur für 30 Minuten ist.

          Mannschaftssport? Vom Spontanbolzen auf dem firmeneigenen Sportgelände in Herzogenaurach montagabends mit Kollegen abgesehen, bleibt nicht viel. Das ist bitter für jemand, der mit 21 Jahren als Feldhockeyspieler des Harvestehuder HTC in Hamburg deutscher Meister wurde. Diese Zeit ist – trotz vieler vergangener Jahre – für Franz Koch präsent wie früher.

          Große Fußstapfen: Kochs Vorgänger gilt als der Retter des Konzerns

          Mannschaftsgeist und Teamarbeit prägen seinen Stil. Das sollte eigentlich keine besondere Erwähnung verdienen in einem Unternehmen, in dem Sport im Mittelpunkt steht. Doch unterscheidet sich Kochs Tun von dem seines Vorgängers Jochen Zeitz, der – damals 30 Jahre alt – als Retter von Puma in die Unternehmensgeschichte einging und 18 Jahre lang erfolgreich wirkte. Vergangenes Jahr wechselte er als Vorstand zum französischen Mutterkonzern PPR.

          Nun zieht ein anderer Führungsstil ein, womit sich Koch von „Mr. Puma“ Zeitz absetzt. Es sieht ganz so aus, als ob bei Koch – mehr als bei seinem Vorgänger – Stimmen von außen stärker in Entscheidungen einfließen würden. „Ich bin ein Teamspieler“, sagt er. Da sei es wichtig, dass jeder seine Spielposition finde.

          Kochs erste Offensive soll Puma 4 Milliarden Euro Umsatz bringen

          Die muss sitzen, weil sich Puma einem Wandel unterzieht und sich mit einem sportlicheren Image wieder auf seine Wurzeln besinnt. Das Unternehmen mit der schwarzen Raubkatze im Logo ist seit der Krise in den neunziger Jahren mehr zu einem Lifestyle- und Modeunternehmen geworden. Das war die Rettung, damals unter Zeitz. So avancierte Puma im Vergleich zu den deutlich größeren Rivalen Nike aus Amerika und Adidas direkt in der Nachbarschaft in Herzogenaurach zur ertragsstärksten Sportmarke. Mit einer neuen Offensive will Koch sie in den nächsten Jahren rasant wachsen sehen.

          Um das Ziel 4 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2015 zu erreichen, muss sich Koch einiges einfallen lassen. Puma ist etwa im hochattraktiven Fußballgeschäft, verglichen mit den großen Wettbewerbern, schwach und hat bei der Fußball-Europameisterschaft mit Italien nur eine hochkarätige Mannschaft im Portfolio. Während der Olympischen Spiele in London gibt es mit dem Weltrekord-Sprinter Usain Bolt zwar ein richtiges Ass. Doch für das Geschäft ist der Fußball mit Trikots und Schuhen wesentlich einträglicher.

          Mit Fortuna Düsseldorf um den Aufstieg zittern

          In der Fußball-Bundesliga hofft der bekennende HSV-Fan Koch immer noch darauf, dass Fortuna Düsseldorf aufsteigt. Die wäre dann in der nächsten Saison zusammen mit Borussia Dortmund, Stuttgart und Hoffenheim die vierte Puma-Mannschaft im Liga-Oberhaus.

          Weitere Themen

          Sie nennen es Sport

          Debatte um E-Sport : Sie nennen es Sport

          Die Regierung und der Deutsche Olympische Sportbund streiten über die Einordnung des sogenannten E-Sports. Zählt er zum Sport? Der Autor dieses Gastbeitrags hat einen eindeutigen Befund.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.