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Frank Stronach Magna Charta für Österreich

Frank Stronach verließ seine Heimat und schuf in Kanada den Autozulieferer Magna. Mit 80 Jahren ist er zurück und will nun politische Geschichte schreiben.

© Team Stronach Will Österreich lenken wie ein Unternehmen: der Magna-Gründer und Eurokritiker Frank Stronach.

Noch immer geht er mit dem federnden Schritt eines Athleten. Seine achtzig Jahre sind ihm kaum anzusehen. Auch nicht die Höhen und Tiefen, die er in diesen achtzig Jahren durchlaufen hat. Im Moment ist er - zumindest würden es seine Anhänger in Österreich so sehen - mal wieder in einer Hochphase. Denn der Milliardär Frank Stronach ist neuerdings unter die Eurokritiker gegangen. Mit seinem „Team Stronach für Österreich“ will er sich im kommenden Jahr in das österreichische Parlament wählen lassen. Er gibt sich als provokanter Mitbewerber für die etablierten politischen Kräfte, unermüdlich absolviert er einen Auftritt nach dem anderen. Seine Version von der Lösung der Euro-Krise: Stronach will zwar keine Rückkehr zu den früheren Währungen, aber „dass jedes Land seinen eigenen Euro hat mit einem flexiblen Wechselkurs. Der deutsche Euro würde vielleicht 1:1 bewertet werden, der griechische 40 Cent, der italienische 80, der österreichische auch 100.“ Die österreichische Presse schreibt kritisch bis hämisch, die Vorschläge seien wohl wenig praxistauglich. Im Publikum dagegen gibt es viel Beifall. Selbst manche ÖVP-Anhänger sollen der Meinung sein, das Land brauche „einen Stronach“.

Einst hat Frank Stronach den Autozulieferer Magna gegründet. Besucher erinnert er gern daran, indem er sie im beschaulichen 4000-Seelen-Örtchen Oberwaltersdorf empfängt. Hier, südlich von Wien, steht die Europa-Zentrale des Autozulieferers. Außerdem hat der Industrielle in Oberwaltersdorf eine Anlage mit Wohnhäusern und Club nach dem Vorbild amerikanischer eingezäunter Siedlungen aufbauen lassen. Was treibt ihn an? Wer danach fragt, bekommt eine Floskel zur Antwort: „Mein Gewissen. Das Leben war gut zu mir, ich möchte etwas zurückgeben. Ich tue es für die nachfolgenden Generationen, für sie will ich ein Land verändern.“ Zumindest in einer Hinsicht ist das plausibel: Stronach hat in seinem Leben wohl schon deutlich mehr Geld verdient, als er ausgeben kann. Seine Milliarden hat er mit Fleiß, Ehrgeiz und Tatkraft erwirtschaftet und auch mit dem nötigen Quentchen Glück. „Some guys have all the luck“, das ist einer seiner Lieblingssongs.

Der wahr gewordene kanadische Traum

Tatsächlich liest sich seine Lebensgeschichte wie ein Beispiel für den wahr gewordenen amerikanischen Traum. Genauer: kanadischen Traum. Stronach kommt in der Zwischenkriegszeit in Kleinsemmering in der Oststeiermark als Sohn einer Fabrikarbeiterin zur Welt und erhält den Namen Franz Strohsack, den er später in Stronach ändert. Als uneheliches Kind geboren zu sein, war damals im katholischen Österreich ein besonderer Makel. Er besucht die Hauptschule und absolviert eine Werkzeugmacherlehre bei dem auf elektrischen Anlagenbau spezialisierten Unternehmen Elin. In den fünfziger Jahren wandert er nach Kanada aus, mit gerade mal 200 Dollar in der Tasche. Zunächst arbeitet er als Kartoffelschäler im Keller eines Spitals. Bald danach legt er den Grundstein zu seinem heutigen Imperium, indem er in einer Garage erste Autoteile herstellt. Heute gehört Magna International mit Sitz in Aurora zu den führenden Autozulieferern der Welt. Zuletzt haben die 108.000 Beschäftigten einen Umsatz von fast 29 Milliarden Dollar im Jahr erwirtschaftet.

Sicherlich: Es gab auch eine Zeit, in der Magna in Schieflage war. Ende der achtziger Jahre schrumpfte die Autoindustrie. Stronach selbst hatte sich mehr seiner Leidenschaft, der Pferdezucht, und seinen erfolglosen politischen Ambitionen als Liberaler in Kanada gewidmet und sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. „Wir hatten zu sehr zentralisiert“, sagt Stronach heute über diese Phase. Nur knapp entging der Konzern mit seinen inzwischen 17000 Mitarbeitern damals dem Zusammenbruch, als die Banken schlagartig eine Milliarde kanadische Dollar Verbindlichkeiten fällig stellten. Der Kurs der Aktie schrumpfte von seinem Höchststand von 36,5 Dollar auf gerade mal 2 Dollar. Für Stronach stand ein Lebenswerk auf der Kippe. Er griff wieder persönlich ins Alltagsgeschäft ein, verkaufte Immobilien, um den Schuldenstand zu senken, und dezentralisierte den Konzern - aus seiner Sicht ein entscheidender Punkt. „Manager müssen ihre Verantwortlichkeiten kennen“, sagt er.

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