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Frank Strauß 67 Tore zum Vorstandsvorsitz

 ·  Er setzte sich in einer der härtesten Mannschaftssportarten durch: Frank Strauß spielte viele Jahre professionell Eishockey. Jetzt führt er die Postbank als Vorstandsvorsitzender.

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An diesem Montag steht für Frank Strauß der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere an: Er wird Vorstandsvorsitzender der Postbank - und das, obwohl er kein Hochschulstudium absolviert hat. Dabei ist auf den Vorstandsetagen der Banken ein Universitätsabschluss heutzutage fast schon Standard. Doch als Strauß 1989 seine Lehre in der Deutschen Bank begann, hatte er ein prominentes Vorbild, dass es auch ohne Studium geht: Hilmar Kopper, von 1989 bis 1997 Vorstandssprecher des Instituts, hatte seine Karriere einst ebenfalls mit einer Lehre begonnen.

Dass der heute 42 Jahre alte Strauß überhaupt Karriere in einer Bank machte, dafür ist nicht zuletzt ein Bandencheck in einem Eishockeyspiel vor mehr als zwei Jahrzehnten verantwortlich. Die schwere Handverletzung zwang den damals 19 Jahre alten Auswahlspieler zu einer neunmonatigen Zwangspause. „Die Verletzung hat zu meinem Entschluss beigetragen, nicht nur auf die Sportkarriere zu setzen, sondern mich mehr auf meine Banklehre zu konzentrieren“, sagt er. Seine Ausbildung zum Bankkaufmann machte Strauß bei der Deutschen Bank in Iserlohn. Für den dort ansässigen Eishockeyverein ECD Sauerland spielte er von 1989 bis 1993 in der zweithöchsten deutschen Eishockeyliga.

„Das hat mir die Türen geöffnet“

Seine Bekanntheit in Iserlohn, wo Eishockey der beliebteste Zuschauersport ist, kam ihm in den ersten Jahren am Schalter und im Kreditgeschäft der Deutschen Bank zugute. „Das hat mir natürlich Türen geöffnet.“ Im Alter von 25 Jahren stieg er zum stellvertretenden Filialleiter auf. Danach folgte eine rasche Karriere in Deutschlands größter Bank. Mit dem Vorstandsvorsitz der Postbank, die seit einiger Zeit mehrheitlich der Deutschen Bank gehört, übernimmt er nun eine Schlüsselposition im Konzern.

Die Aufgabe, die dort auf Frank Strauß wartet, ist eine bedeutende: Die Postbank soll die Abhängigkeit der Deutschen Bank vom schwankungsanfälligen Investmentbanking verringern. Obwohl Strauß als Entsandter des neuen Eigentümers dessen Interessen zu vertreten hat, gelang es ihm, sich im vergangenen Jahr in der Bonner Zentrale der Postbank als Vertriebsvorstand eine hohe Beliebtheit zu erarbeiten. Selbst der Betriebsrat lobt seinen Führungsstil.

„Ich bin ein Mannschaftsspieler“

Zu diesem Lob mag beitragen, dass der frühere Eishockey-Stürmer ein bodenständiger Mensch ist. Die Mitarbeiter in der Postbank-Zentrale schätzen es zum Beispiel, dass er regelmäßig in der Kantine isst. „Ich bin ein Mannschaftsspieler und setze auf Fairplay.“ Im Umgang mit Mitarbeitern bedeute dies: „Klarheit und Fairness“. Dabei schöpft er aus seinen Erfahrungen im Eishockey: „Mit einer unfairen Spielweise kann man sich vielleicht einmal durchsetzen, aber man hat damit nicht langfristig Erfolg.“

Dass er früher auch ordentlich ausgeteilt hat, lässt sich in der Internetenzyklopädie Wikipedia nachlesen: Er erzielte in den neun Jahren seiner Profikarriere 67 Tore, machte 129 Torvorlagen und musste 240 Spielminuten auf der Strafbank absitzen. „Damit bewege ich mich im Durchschnitt“, sagt er heute. Bleibt anzumerken: im Durchschnitt einer der härtesten Mannschaftssportarten. Strauß ist überzeugt, dass auch seine Mitarbeiter gefordert werden müssen. Mit den Aufgaben zu wachsen, nennt er ein Charakteristikum seines Berufswegs. „Zum Fordern gehört aber auch das Fördern und das gemeinsame Feiern von Erfolgen“, zieht er eine weitere Parallele zwischen Beruf und Sport.

Ohne Hochschulstudium Karriere gemacht

Dass Strauß in Deutschlands größter Bank ohne Hochschulstudium Karriere machen konnte, hat für ihnen einen wesentlichen Grund: „Ich hatte das Glück, dass ich von Anfang an Vorgesetzte hatte, die mir vertrauten und mich förderten.“ Mit 25 Jahren stand Strauß vor der Frage, ob er nicht doch noch ein Studium beginnen sollte. Doch die Entscheidung fiel zügig - zugunsten der Deutschen Bank: „Ich wollte mehr von der Bank sehen.“ Er wechselte in die Frankfurter Zentrale. Dem Eishockey blieb er zunächst treu. Er spielte weiter in der zweithöchsten Liga für den hessischen Traditionsverein EC Bad Nauheim.

In der Zentrale der Deutschen Bank wurde er zunächst Produktmanager für das gewerbliche Kreditgeschäft. Später leitete er das Projekt für den Start der Deutschen Bank 24. Unter dieser Marke bündelte das Institut 1999 sein Filialgeschäft. Viele Kunden fühlten sich allerdings deklassiert, weshalb die Ausgliederung drei Jahre später wieder rückgängig gemacht wurde. Von 2002 an arbeitete Strauß eng an der Seite von Rainer Neske, der seit März 2003 das Privatkundengeschäft der Deutschen Bank verantwortet. Strauß übernahm diverse Führungsaufgaben, etwa als Bereichsleiter für das Europa-Geschäft.

Seine sportlichen Ziele gab er zwischenzeitlich auf, 1999 beendete Strauß seine Eishockeykarriere. „Die Entscheidung ist mir anfangs natürlich schwergefallen, aber im Nachhinein war es dann leichter als gedacht.“ Strauß wollte sich auf seine Karriere in der Deutschen Bank konzentrieren. „Mit 28 Jahren habe ich mir auch überlegt, ob es Spaß macht, sich als Eishockeyspieler bis Mitte dreißig durchzuquälen.“ Der internationale Bankkonzern konnte Strauß interessantere Perspektiven bieten als die zweithöchste deutsche Eishockeyliga. Im Alter von 34Jahren wurde ihm die Verantwortung übertragen, das Privatkundengeschäft in Asien aufzubauen. Strauß zog mit seiner Familie in die indische Metropole Mumbai, das ehemalige Bombay. Die zwei Jahre in Fernost - neben Indien war Strauß auch regelmäßig in China im Einsatz - prägten ihn maßgeblich. „In dieser Zeit habe ich mich enorm weiterentwickelt.“ 8000 Kilometer von der Zentrale in Frankfurt entfernt lernte er vor allem, was es heißt, eigenverantwortlich zu arbeiten. „Ich musste viele Themen selbst entscheiden.“

In der Ferne wurde ihm zu dieser Zeit auch deutlich, welche unterschiedlichen Kulturen ein international aufgestellter Bankkonzern umfasst. Darüber hinaus konnte er die wirtschaftliche Entwicklung in einer für die Weltwirtschaft so entscheidenden Region hautnah verfolgen. „Unser in der deutschen Gesellschaft etabliertes Wertesystem ist international nicht dominierend“, lautet eine weitere Erfahrung aus den zwei Jahren in Asien. Um wichtige Erfahrungen reicher, kehrte Strauß im April 2006 nach Frankfurt zurück. Es standen die Übernahmen der Norisbank und der Berliner Bank an. Sie waren für die Deutsche Bank eine wichtige Weichenstellung, um das Privatkundengeschäft im Heimatmarkt auszubauen - und die Vorstufe für die Übernahme der Postbank. Die Integration der zwei Institute leitete Strauß. Er musste unterschiedliche Unternehmenskulturen berücksichtigen und trug die Verantwortung für mehr als 10000 Mitarbeiter.

Die Bodenhaftung kommt ihm zugute

Die Integration gelang ihm so gut, dass Strauß ab Herbst 2008, als sich die Deutsche Bank erstmals an der Postbank beteiligte, die Kooperation zwischen beiden Instituten verantwortete. In solchen Gesprächen kommt es auf Fingerspitzengefühl an, schließen sich doch zwei selbstbewusste Organisationen zusammen. Dem Mannschaftsspieler Strauß kommt dabei seine Bodenhaftung zugute. Überhebliches Auftreten, wie man es in Bonn bei einer Führungskraft der Deutschen Bank anfangs befürchtet hatte, ist ihm fremd. Das hat Strauß und der Deutschen Bank geholfen, die Postbank-Mitarbeiter von der Zukunft in einem großen Finanzkonzern zu überzeugen.

Im Juli 2011 wechselte Strauß dann nach Bonn, wo er zunächst Vertriebsvorstand der Postbank wurde. Schon damals kam der Verdacht auf, dass er Nachfolger von Stefan Jütte an der Vorstandsspitze wird. In dieser Zeit hielt sich Strauß in der Öffentlichkeit bewusst zurück und wirkte stattdessen nach innen. In der Postbank-Zentrale verschaffte er sich damit das Vertrauen, auf das er nun als Vorstandsvorsitzender bauen kann. Dass die Postbank Sponsor von Borussia Mönchengladbach ist, hat dem Anhänger des Fußball-Bundesligisten den Wechsel gewiss erleichtert. Doch unabhängig von Eishockey oder Fußball steht für Strauß fest: „Ich arbeite und führe gerne eine Bank.“ Der Kontakt nach Frankfurt, in dessen Nähe Strauß mit seiner Familie weiterhin einen Wohnsitz hat, wird nicht abreißen. Dafür sorgt schon die Konzernzentrale. Dort trifft er auf einen engen Vertrauten: Seit dem 1. Juni leitet sein Bruder Thorsten die Konzernkommunikation.

Ich über mich

Ein guter Arbeitstag beginnt mit...

... einem Lächeln der Mitarbeiter.

Die Zeit vergesse ich,...

...wenn mich spannende Themen fesseln.

Wer es in meinem Geschäft zu etwas bringen will, ...

...muss Freude am Umgang mit Menschen haben.

Erfolge feiere ich...

...mit den Menschen, die daran mitgearbeitet haben.

Es bringt mich auf die Palme,...

...wenn Gutes am Egoismus Einzelner scheitert.

Mit 18 Jahren wollte ich...

...im Eishockey erfolgreich sein.

Im Rückblick würde ich nicht noch einmal...

...in der 11. Klasse die 6. Stunde in Englisch schwänzen.

Geld macht mich...

...unabhängig, mehr nicht.

Rat suche ich ...

...bei meiner Frau und Menschen, denen ich gerne vertraue.

Familie und Beruf sind...

...beide sehr wichtig in meinem Leben.

Den Kindern rate ich,...

...möglichst lange Kind zu sein und Spaß zu haben.

Mein Weg führt mich ...

...hoffentlich immer wieder dorthin, wo es Neues zu entdecken gibt.

Zur Person

Frank Strauß wird am 3. Februar 1970 in Heide/Schleswig-Holsteien geboren.

1976 fängt er in Iserlohn mit dem Eishockeyspielen an. Auf die Nachwuchsjahre folgen von 1989 bis 1998 mehr als 300 Spiele in der zweithöchsten Eishockeyliga.

1989 beginnt Strauß seine Lehre bei der Deutschen Bank in Iserlohn.

Von 1995 bis 2010 übernimmt er Führungsaufgaben im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank. Im Juli 2011 wird er Vertriebsvorstand der Postbank. Nun ist er deren Vorstandsvorsitzender.

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Jahrgang 1967, Redakteur in der Wirtschaft.

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