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Frank-Jürgen Weise : Ein Offizier und Manager

Hart in der Sache, moderat im Umgang: Frank-Jürgen Weise. Bild: ddp

Frank-Jürgen Weise hat scheinbar ein Himmelfahrtskommando übernommen: die Reform der Bundesagentur für Arbeit. Doch die Ergebnisse sprechen für ihn. Die Zeit als Berufssoldat hat den Führungsstil des Managers geprägt.

          Die Disziplin macht auch vor der Weltpolitik nicht halt. Wenn Frank-Jürgen Weise, Oberst der Reserve, gegen Abend das Nato-Hauptquartier in Brüssel verläßt, dann fängt sein eigentlicher Arbeitstag erst an. Am Laptop im Hotelzimmer wird abgearbeitet, was am deutschen Arbeitsmarkt angefallen ist: von der Korrespondenz mit Bundesministern und Politikern bis zur Abstimmung mit den Fachabteilungen. "Es bleibt nichts liegen", beteuert der Nachtarbeiter. Einmal im Jahr rückt der Offizier Weise zu einer einwöchigen Übung in die belgische Hauptstadt ein. Im geordneten Durcheinander des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses lebt er nach eigenen Worten richtiggehend auf. Ihm gefallen die von allen akzeptierten Spielregeln: Auch politisch brisante Auseinandersetzungen werden höflich und fair ausgetragen, unter den Beteiligten entsteht ein großes Vertrauensverhältnis. "Das ist ein ganz fragiles System. Wenn man dort eine Spielregel verletzt, wird es richtig gefährlich."

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Das gilt auch für Weises richtiges Berufsleben, als der Mann an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit (BA). Kaum ein Thema hat die Gemüter hierzulande in den vergangenen Jahren so bewegt wie die Hartz-Reformen am Arbeitsmarkt, zeitweise entstand der Eindruck, es gehe auch hier um Krieg und Frieden. Weise wurde bekannt als der "Fünf-Millionen-Mann", der der Republik den traurigsten Rekord der Arbeitslosenstatistik verkünden mußte. Das war im Frühjahr des vergangenen Jahres. Und doch scheint es eine Ewigkeit her. Mittlerweile schreibt die Riesenbehörde mit mehr als 80.000 Mitarbeitern vor allem positive Schlagzeilen. Und der Manager Weise schrieb eine der imposantesten Turnaround-Geschichten der vergangenen Jahre: Mußte der Staat vor zwei Jahren noch eine Unterdeckung der chronisch klammen BA von mehr als 5 Milliarden Euro ausgleichen, wird die Arbeitslosenversicherung dieses Jahr wohl mit einem gigantischen Überschuß von 10 Milliarden Euro abschließen.

          Sprung aus der Transall

          Die Disziplin lernt Weise schon als junger Mann kennen. Die Grundausbildung bei der Bundeswehr prägt den späteren Berufssoldaten - als negatives Vorbild. "Da wurden alle Führungsfehler gemacht, die man im Umgang mit Menschen machen kann." Am schlimmsten empfindet es der Soldat Weise, daß ihm nicht erklärt wird, warum er etwas machen soll (siehe auch Ich über mich: Frank-Jürgen Weise). Er, der durch seinen Dienst einen "aktiven Beitrag zur Sicherheitspolitik" im Nachkriegsdeutschland leisten, der die Freiheit verteidigen will, empfindet sich in seinen eigenen Rechten und Pflichten "in übelstem Maße" eingeschränkt. Während dieser Zeit verinnerlicht Weise die Maxime der "inneren Führung": Motivation durch Überzeugung. Er glaubt, daß Menschen Zumutungen dann akzeptieren, wenn man ihnen deren Sinn erklärt. Und er lernt, sich mit Argumenten durchzusetzen: "Man muß zur Not auch mal als einziger bei seiner Meinung bleiben." Aber immer nach den Spielregeln. Später, als Chef in Nürnberg, wird er viel Zeit damit verbringen, den Betriebsräten zu erklären, welche Opfer für den Umbau der Behörde zu erbringen sind. Sein Dank für deren Zusammenarbeit klingt ehrlich.

          Sein Vorgesetzter in der Vollausbildung ändert Weises Bild der Bundeswehr. Dem Beispiel seines Mentors folgend, wählt er das Studium an einer Bundeswehrhochschule. 1972 schreibt er sich für das Studium der Betriebswissenschaft ein und verpflichtet sich für zwölf Jahre, ohne daß dahinter eine weitreichende Karriereplanung steht. "Fast ein wenig unstrategisch", sagt Weise heute und lacht dabei so verschmitzt, als würde er eine Jugendsünde preisgeben. Weise testet beim Militär seine Grenzen aus. Der eher klein gewachsene Mann absolviert Gewaltmärsche und jagt mit einem Cross-Motorrad durchs Gelände. Als Fallschirmjäger springt er aus der Transall, aber am brutalsten sind die kleinen Hubschrauber, auf deren Kufen er kauern muß bis zum Absprung. Er hat Angst, aber einen Rückzieher macht er nie.

          Mit dem Führungsteam auf Feldbetten in der Firma

          1985 zieht es Weise in die Wirtschaft. Zunächst als Geschäftsführer der Braunschweiger Hüttenwerke, dann bei einer Beratungsfirma. Schnell merkt Weise, daß ihm der direkte Kundenkontakt im Beratungsgeschäft fehlt. Als Personalvorstand des Schweinfurter Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer sammelt Weise Erfahrungen, ehe er 1997 das Logistik- und Dienstleistungsunternehmen Microlog gründet. Ihm gefällt das Gefühl, sein eigener Herr zu sein. Drei Jahre später bringt er das Unternehmen an den Neuen Markt. Alles geschieht unter enormem Zeitdruck. Weises Disziplin zahlt sich aus: Er schläft mit seinem Führungsteam auf Feldbetten in der Firma. "Wenn man für eine Idee brennt, dann ist das alles keine Anstrengung." Ein Jahr später übernimmt die Deltron AG die Mehrheit an Microlog. Weise hat finanziell ausgesorgt, mit den "Eigenarten" innerhalb des Konzerns kann er sich jedoch nicht anfreunden.

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