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Felix Finkbeiner : Ein Junge für eine Million Bäume

„Wir Kinder fühlen uns verarscht”, sagt Felix Finkbeiner - deshalb handelt er Bild: dpa

Mit neun Jahren hat Felix Finkbeiner die Idee, mit Kindern auf der ganzen Welt Bäume zu pflanzen. Heute ist er zwölf und seine Umweltschutzorganisation in 56 Ländern aktiv.

          Das vermeintliche Wunderkind ist doch kein Wunderkind. Der zierliche zwölfjährige Junge mit dem blau-weißen Sweatshirt und dem süßen Lächeln ist ein normales Kind. Ein aufgeweckter Bub ist Felix Finkbeiner freilich schon. Und sehr selbständig. Ganz allein ist er in München mit dem Zug losgefahren. Am Ulmer Hauptbahnhof hat er seinen Vater getroffen. Nun fahren die beiden an den Frankfurter Flughafen. Dort wird Deutschlands jüngster Gründer einer Umweltschutzorganisation mit seinem Vater in ein Flugzeug nach China steigen - die chinesische Regierung hat ihn eingeladen.

          Lisa     Becker

          Redakteurin in der Wirtschaft

          „In China halte ich einen Vortrag“, sagt Felix. Er sitzt aufrecht am Tisch eines Zugabteils. Aufmerksam und unaufgeregt hört er zu, seine Antworten kommen prompt. „Ich erzähle dort, was wir Kinder machen“, erklärt er und fügt hinzu: „Wir Kinder fühlen uns verarscht.“ Auf dem Gipfel der großen Industrieländer G 8 Anfang 2009 seien tolle Klimaschutzziele bis zum Jahr 2050 formuliert worden. Doch seien inzwischen alle Zwischenziele aufgegeben worden, beklagt er. Seine Sätze formuliert er ein wenig mechanisch - er hat sie schon oft gesagt.

          Sein Vater ist inzwischen an den Anfang des Zuges geeilt, es gibt ein Problem mit den Fahrkarten, das er klären muss. Dass Felix ein Interview auch alleine bestreiten kann, daran hat er offensichtlich keinen Zweifel. Schließlich gibt sein Sohn öfters Interviews. Pressekonferenzen hält er auch, und Vorträge sowieso - 2009 waren es rund sechzig. In China einen Vortrag zu halten ist für ihn deshalb nicht mehr aufregend. Nach China zu reisen findet er hingegen „toll“.

          Die Kollegin ist dreizehn Jahre alt

          Allerdings ist er, seit er 2007 mit neun Jahren die Umweltschutzorganisation „Plant-for-the-Planet“ gegründet hat, viel herumgekommen. In New York war er und in Korea, Norwegen und Schweden. Auch in der Schweiz, Österreich und Italien hat er seine Organisation vorgestellt und, wie in allen seinen Vorträgen, auch über Klimagerechtigkeit gesprochen. In New York nahm er an einem Klimagipfel teil, der einen Tag vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen stattfand. „Eine Kollegin aus Indien hat dort gesprochen“, erzählt Felix. Die Kollegin war dreizehn Jahre alt. Er selbst hielt eine Pressekonferenz.

          Einige berühmte Menschen hat er auf seinen Reisen getroffen. Fasziniert haben sie ihn selten. Dem früheren amerikanischen Vizepräsidenten und Klimaaktivisten Al Gore zum Beispiel ist er in München begegnet. „Ich habe kurz mit ihm geredet; er war nicht besonders beeindruckend.“

          Fasziniert hat ihn aber eine prominente Person: Wangari Maathai. Mit ihr hat er in New York auf einem Podium gesessen. Von der kenianischen Friedensnobelpreisträgerin und Gründerin der Umweltschutzorganisation Green Belt Movement hatte er schon im Januar 2007 erfahren. Damals sollte er in der Schule einen Vortrag über die Klimakrise halten. Bei der Vorbereitung interessierte ihn besonders, was er im Internet über Wangari Maathai las. Sie hatte in Kenia zusammen mit anderen Frauen mehr als 30 Millionen Bäume gepflanzt, um der Entwaldung und der Bodenerosion entgegenzuwirken. Zu Wochenbeginn hielt Felix dann sein Referat und schloss mit dem Aufruf: „Wir Kinder sollten in jedem Land der Erde eine Million Bäume pflanzen.“

          Den Nerv der Zeit getroffen

          Mit dieser Idee passierte dann etwas, was nur mit einem klitzekleinen Teil der vielen Ideen, die Erwachsene und vor allem Kinder auf der ganzen Welt ständig haben, geschieht: Sie wurde verwirklicht. Sie wurde nicht als Phantasterei abgetan, sondern fiel auf fruchtbaren Boden. Zunächst blieb sie im Kopf von Felix' Lehrerin hängen. Diese erzählte anderen Schülern und Kollegen, vor allem der Schuldirektorin, davon. Die Direktorin schickte Felix in andere Schulen, wo er über seine Idee berichtete. Und zwei Monate nach seinem Referat wurde an Felix' Schule, der Munich International School in Starnberg, die erste offizielle Baumpflanzaktion veranstaltet. Im Radio und in der Zeitung wurde darüber berichtet, Felix gab seine ersten Interviews. Kurz darauf wurden auch an anderen Schulen in der Nähe Bäume gepflanzt. Dass sich Kinder für den Schutz des Klimas engagierten, traf offensichtlich den Nerv der Zeit.

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