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Dieter Meier : Millionär im Müßiggang

Oh Yeah! Dieter Meiers Karriere ist ein permanenter Umbruch Bild: Beat Pfändler

Pokerspieler, Musiker, Biofarmer und Großaktionär in der Schweiz – für den Eidgenossen Dieter Meier ist der stete Berufswechsel Programm. Eine Karriere ohne erkennbares Konzept.

          Der Vorfall ist Dieter Meier peinlich, aber Fragen nach seinen Aktien sind unverzichtbar: „Von der Börse verstehe ich nicht viel, und ich habe Wertpapiere nie erworben, um Kontrolle oder Einfluss auf ein Unternehmen auszuüben“, versichert der 65 Jahre alte Schweizer, der auf öffentlichen Bühnen bislang nur als Musiker und Künstler in Erscheinung getreten ist. Um so größer war das Aufsehen in der sonst so diskreten Alpenrepublik, für das Meier jüngst mit seinen Engagement in der Wirtschaft sorgte. Im April wurde publik, dass er rund 14 Prozent an dem Notenbank-Drucker Orell Füssli hält. Darüber hinaus ist er mit 13,6 Prozent am Verkehrs-Dienstleister BVZ Holding in Zermatt beteiligt. Aktienpakete, die ein Vermögen von 50 Millionen Franken darstellen und deren Wert sich binnen 20 Jahren mindestens verzehnfacht haben dürfte, schätzt ein Bankmanager in Zürich.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch wer dahinter das Kalkül eines geschickten Investors vermutet, irrt bei Meier gewaltig: „Mein Vater Walter, der sich eine eigene Bank aufbaute und heute 96 Jahre alt ist, hatte mir den Einstieg empfohlen“, sagt der elegant gekleidete Herr mit gepflegtem Understatement, „seitdem habe ich in beide Werte investiert und betrachte sie nur als reine Sparaktien.“

          Die Nummer zwei hinter der Nationalbank

          Dass er fast nebenbei im Eigentümerkreis von Orell Füssli – hinter der Schweizer Nationalbank – zum zweitgrößten Aktionär aufrückte und dabei die meldepflichtige Schwelle für Aktienbesitz von 3 Prozent ignorierte, erklärt der arglose Anleger mit mangelndem Detailwissen. Er habe sich nach dem peinlichen Versehen umgehend bei den zuständigen Behörden und den Verwaltungsrats-Präsidenten der Gesellschaften entschuldigt. Die in solchen Fällen fällige Strafe der Börsenaufsicht von rund 200.000 Franken will er jetzt möglichst an Stiftungen oder für gemeinnützige Zwecke entrichten.

          Zusammen mit Boris Blank bildet er die Popgruppe „Yello”
          Zusammen mit Boris Blank bildet er die Popgruppe „Yello” : Bild: dpa

          Meier, vom Schweizer Boulevard als „Tausendsassa“ oder „Lebenskünstler“ bejubelt, ist für solche Überraschungen immer gut. Dass der Mann mit dem markanten Schnauzbart und buntem Halstuch unfreiwillig zum Großaktionär mutiert, ist jedoch die kurioseste Facette des typischen „Selfmademan“, der sich als Performance-Künstler und Musiker der Techno-Pop-Band „Yello“ geschickt in Szene setzte.

          Dandy mit Biofarm

          Dabei kamen die kaufmännischen Talente des Bankierssohns, für den Umbrüche im Beruf etwas ganz Normales sind, allenfalls beiläufig zum Vorschein. Die Liste seiner Arbeitsfelder, in denen Meier – ohne Vorbildung – reüssierte, reicht vom professionellen Poker- und Roulette-Spiel über seine eigene Viehzucht und Biofarm in Argentinien bis hin zum Betrieb des Edelrestaurants „Bärengasse“ an Zürichs feinem Paradeplatz.

          „Druck zum Erfolg verspüre ich kaum“, sagt der bisweilen als „Dandy“ bespöttelte Unternehmer gelassen, „zumal ich Scheitern nicht als Niederlage empfinde und ohnehin meist als Dilettant in neue Disziplinen eingestiegen bin.“ Freilich erlaubte ihm damals der finanzielle Rückhalt seiner Familie, allzu gewagte Vorhaben zu verwerfen oder auch Rückschläge finanziell zu verschmerzen.

          Als schwarzes Schaf des Meier-Clans fühlte sich der vierfache Familienvater angeblich nie: „Ebenso wie mein Vater, der als Arbeiterkind aus einfachen Verhältnissen stammt und sich mit eigener Kraft als Privatbankier etablierte, bekam auch ich den nötigen Freiraum, um mich zu entfalten.“

          Die Spielsucht durch Kunst und Musik ersetzt

          Für seine berufliche Orientierung nahm sich Meier reichlich Zeit. Nach dem Abitur studierte er nur pro forma Jura, um seinen „Müßiggang sozial zu tarnen“. Stattdessen perfektionierte er seine Fertigkeiten im Glücks- und Kartenspiel in den Spielcasinos von Luzern und im belgischen Knokke, um sich den Lebensunterhalt sowie seine kostspieligen Hobbys als Autor (Buch: „Hermes Baby“), Golfspieler (Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft) und Filmemacher („The Lightmaker“) zu finanzieren.

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