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Dennis Meadows : Weltuntergangsprophet mit Spieltrieb

Der Nostradamus der Moderne: Dennis Meadows Bild: Andreas Pein

Wenn man keine 30 Jahre alt ist und schon einen Klassiker wie "Grenzen des Wachstums" geschrieben hat, kann man entweder den Rest seines Lebens über das Buch reden - oder Brettspiele entwickeln. So wie Dennis Meadows.

          Wer die Apokalypse vorhersagt, wird sich in der Regel kaum mehr rechtfertigen müssen, wenn sie nicht eintritt. Denn meistens liegt das Weltuntergangsszenario so weit in der Zukunft, dass keiner der eigenen Zeitgenossen mehr die Vorhersagen überprüfen kann. Der amerikanische Systemtheoretiker Dennis Meadows hat sich sehr viel angreifbarer gemacht und dafür mächtig Prügel von der einen, begeisterte Zustimmung von der anderen Seite erhalten. Denn in seinem Weltbestseller "Die Grenzen des Wachstums", den er mit seinem Forscherteam am Massachusetts Institute of Technology (MIT) 1972 erstmals veröffentlichte, hat er den Zeitpunkt des Zusammenbruchs der Welt zwar nicht prognostiziert. Aber er hat Mechanismen aufgezeigt, die noch in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts angeblich dafür sorgen sollten, dass die Bevölkerungszahl und die Wirtschaftsleistung unaufhaltbar sinken würden, nachdem die Umwelt irreparabel gestört und die Rohstoffquellen ausgeschöpft worden seien - wenn die Menschheit nicht gegensteure.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          37 Jahre später ist Meadows seinem Thema treu geblieben. "Es frustrierte mich, dass im Jahr 2000 die Leute sagten, nach unseren Untersuchungen müsste es zum Kollaps kommen. In jedem unserer Szenarien kam das Wachstum zwischen 2010 und 2050 zum Ende", sagt der Zukunftsforscher heute. Den tatsächlichen Zeitpunkt könnte er durchaus erleben, sollte es denn so kommen. Klimawandel und Wasserknappheit sieht er als eindeutige Vorboten. Dass sich die Menschheit nicht an seine Warnungen gehalten und einen gleitenden Prozess ins Zeitalter der Wachstumsgrenzen organisiert habe, frustriert den emeritierten Professor, der nach dem Tod seiner ersten Frau und Co-Autorin Donella inzwischen in zweiter Ehe verheiratet ist.

          Vom Club of Rome zum Gesellschaftsspiel

          Obwohl er aber 1992 und 2004 zwei Aktualisierungen des Welterfolgs schrieb, sieht er das Werk nur als einen Teil seiner wissenschaftlichen Laufbahn. "Ich hätte eine ganze Karriere auf den ,Grenzen' aufbauen können. Viele schreiben einmal ein interessantes Buch und erzählen dann den Rest ihres Lebens davon. Das kam für mich nie in Frage", erklärt er und fährt sich nachdenklich durch die ergrauten Barthaare. Stattdessen stürzte er sich nach der Auftragsarbeit für die Denkfabrik Club of Rome in neue Aufgaben. Er wendete seine mathematischen Modelle auf neue Fragestellungen an, vertiefte sich in die Entwicklung besserer pädagogischer Methoden. Schließlich entwarf er Gesellschaftsspiele, die heute in Unternehmen und Umweltgruppen eingesetzt werden, um den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen einzustudieren. Das meiste, was er tut, geschieht im Dienste der Nachhaltigkeit.

          Seine Jugendjahre in Rochester, Minnesota, beschreibt Meadows als prägend. Schule, Sport, Spaß - aus diesen drei Komponenten bestand sein Leben damals. Erst eine Reise in die Schweiz öffnet ihm als 17-Jährigem die Augen dafür, dass es Zivilisationen gibt, die viel weiter zurückreichen als bis 1492. Er habe begonnen, von Jahrzehnten in Jahrtausende umzudenken. Und im "Alten Europa" scheint zum ersten Mal eine Idee davon auf, was seine berufliche Bestimmung sein könnte: "Von der Reise nahm ich die Erkenntnis mit, dass ich mich selbst arm mache, wenn ich etwas abgebe. Wenn ich aber Ideen habe, kann ich andere reicher machen und sie trotzdem behalten. Das brachte mich dazu, Lehrer zu werden."

          „Ich wollte kein Chemiker sein, ich wollte einen Doktortitel“

          Wieder zurück in Amerika, fällt seine Studienwahl auf Chemie. Das bringt ihn zwar der Wissenschaft näher. Aber nach dem Abschluss hat er mehr Kontakt zur Radioaktivität als zu anderen Menschen. "Die Zeit im Labor machte mir klar, dass ich kein Chemiker sein wollte. Die Frau, die ich heiraten wollte, schloss ihr Studium ein Jahr vor mir ab und ging nach Cambridge. Ich wusste also, ich wollte kein Chemiker sein, ich wollte einen Doktortitel, und das in Cambridge", erinnert er sich. Mit seinen mathematischen Fähigkeiten überzeugt er den Erfinder der Systemdynamik, Jay Forrester, ihn in seine Arbeitsgruppe am renommierten MIT in Cambridge bei Boston aufzunehmen.

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