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Christian Rach : In einem Anflug von Wahnsinn

Die Eltern waren geschockt

Rachs weitere Kochkarriere startete mit einem Date und – einmal wieder – mit einem Essen: „Ich führte ein Mädchen in ein sehr schickes Restaurant aus“, erinnert er sich. „Am Ende konnte ich die Rechnung nicht bezahlen, musste das Mädchen dort erst mal sitzen lassen und mir Geld von einem Freund leihen gehen.“ Das Essen allerdings hatte ihn so beeindruckt, dass er am nächsten Tag beim Inhaber des Lokals vorsprach und seine Dienste anbot. Man verwies ihn weiter an das Restaurant „Strandhof“, wo der Koch Uwe Witzke sich seiner annahm. „Ich hatte zwar keinerlei Qualifikation vorzuweisen, aber irgendwie stimmte sofort die Chemie zwischen uns.“ Unter der Woche jobbte Rach fortan im „Strandhof“, am Wochenende glänzte er mit seinem neuen Wissen in der „Filmhauskneipe“. „Dort standen dann auf einmal ganz andere Kunden Schlange.“

Als ein französischer Kellner dem offenbar talentierten Quereinsteiger anbot, ihn an ein Nobelrestaurant in Grenoble zu vermitteln, sagte Rach kurzerhand zu. „In einem Anflug von Wahnsinn schmiss ich kurz vor dem Examen mein Studium.“ Geschockt waren vor allem die Eltern. „Erst herrschte Sprachlosigkeit, dann wurde herumgeschrien.“ Rach aber blieb bei seinem Plan, packte seinen schwarzen Mischlingshund namens „Schnapps“ ins Auto und fuhr nach Grenoble. Dort wohnte er bei einem Freund des „Strandhof“-Kellners; „in einer kleinen Bude mit verstopftem Klo – ich musste jedes Mal in einer Kneipe um die Ecke zur Toilette gehen.“ Die meiste Zeit verbrachte Rach ohnehin in der Küche. „Ich dachte damals ich kann alles und lernte: Ich kann nichts. Am Anfang habe ich nur Artischocken und Spinat geputzt.“ Seinen Chef beschreibt er als Choleriker; die Arbeitsbedingungen als extrem. „Es gab kein Wochenende, keinen Urlaub und nicht einen freien Abend, an dem auch der Morgen danach frei war. Ich habe nie so viele Männer weinen sehen wie in dieser Küche.“ Rach weinte nicht. Er arbeitete sich hoch zum zweiten Mann unterhalb des Chefs. Dann, nach etwa einem Jahr, hatte er genug. Er kündigte, suchte sich erst einen neuen Job in Wien, ging dann zurück nach Hamburg. Sein erstes „Tafelhaus“ gründete er „im Niemandsland zwischen drei Friedhöfen“. In der früheren Altonaer Fernfahrerkneipe „Zum Zapfhahn“ zimmerte er Möbel, mauerte neue Wände und strich sie von Hand. Die Leute hätten ihn für verrückt erklärt, erinnert er sich. „Aber innerhalb von Monaten waren wir der Hotspot.“ Erst 2004 zog er mit dem „Tafelhaus“ ans Elbufer um. In seiner alten Kneipe existiert bis heute das Steakhaus „Rach und Ritchie“.

Mit dem Fernsehen läuft es wie mit dem Kochen

Fast zeitgleich mit dem Umzug kam das Fernsehen auf ihn zu. Zur ersten Probe bei RTL sei er mit dem Gedanken gefahren, „dass ein toller Lachs mit Schnittlauchsoße im medialen Zeitalter nicht mehr reichen könnte“. Er wollte Öffentlichkeit und er mochte das Format des „Restauranttesters“. „Was man in vier Wochen mit einem Lokal erreichen kann – das ist eben eine faszinierende Frage.“ Mit dem Fernsehen sei es ähnlich gelaufen wie mit dem Kochen: Rach hatte keinerlei Erfahrung, aber überzeugte sofort. „Ich bin angstfrei vor der Kamera“, sagt er. Vielleicht habe er sich anfangs etwas schnell bewegt oder hastig gesprochen. „Im Großen und Ganzen aber hat das gepasst.“ Für sein Format „Rachs Restaurantschule“, in dem er Problem-Jugendlichen die Chance auf eine Kochausbildung ermöglichte, erhielt er sogar eine Art medialen Michelin-Stern: den Deutschen Fernsehpreis.

Den nächsten Jahrestag des echten Michelin-Sterns indes wird er nicht mehr feiern können: Ende September schließt Christian Rach sein „Tafelhaus“ – für immer. Das ist nicht das Ende seiner gastronomischen Karriere; schließlich gibt es weiterhin „Rach und Ritchie“, die „Cantina Milano“ am Hamburger Hafen und das „Slowman“, wo die „Restaurantschule“ gedreht wurde und in dem die Projekte mit Jugendlichen weiterlaufen. Doch das Ende seines Flaggschiffs „Tafelhaus“ legt den Schluss nahe: Rach konzentriert sich demnächst voll aufs Fernsehen. Er selbst weist das als „totalen Quatsch“ von sich. Und dann erzählt er von der geringen Lebenserwartung gestresster Köche. Die liege bei 56 Jahren, er sei nun 54 und da müsse es legitim sein kürzerzutreten. Es sind einfache Wünsche, die er für seine Zukunft hegt. „Meine Tochter morgens zur Schule bringen. Mal wieder Weihnachten feiern mit der Familie. Oder einfach mal abends ausgehen.“ Der letzte Film, den er im Kino gesehen habe, sei „Der mit dem Wolf tanzt“ gewesen. „Das ist eindeutig zu lange her.“

Zur Person

Christian Rach wird 1957 als Sohn eines Ingenieurs und einer Hausfrau im Saarland geboren.

Er studiert Mathe und Philosophie in Hamburg. Das Studium finanziert er mit Koch-Jobs. Kurz vor dem Examen lässt er sich als Koch nach Frankreich vermitteln.

1989 eröffnet er in Hamburg das „Tafelhaus“, das später mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wird. Seit 2005 ist er im Fernsehen unter anderem als „Rach der Restauranttester“ zu sehen.

Christian Rach ist verheiratet und hat eine neun Jahre alte Tochter.

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