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Bernd Hoffmann : Eine Hamburger Marke

  • -Aktualisiert am

Bernd Hoffmann führt einen Fußballklub wie ein Unternehmen Bild: picture-alliance/ dpa

Weil er alle Sportergebnisse kannte, kam er zur Ufa und vermarktete Fußballvereine. Mit einem millionenschweren Kraftakt will Bernd Hoffmann nun den Hamburger SV an die Spitze bringen.

          Tage wie dieser sorgen dafür, dass Bernd Hoffmanns work-life-balance ausgeglichen bleibt: Ein paar Stunden bevor die Transferfrist verstreicht, eröffnet sich überraschend die Möglichkeit, einen europäischen Topstürmer zu kaufen. Hoffmann schließt sich mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer kurz. Telefonate, SMS, Mails. Hektik. Doch das alles läuft nebenbei an diesem Septembermorgen im Hause Hoffmann: Soufflieren ist nämlich seine Hauptaufgabe. Im Schultheater wird abends „Die Prinzessin auf der Erbse“ gegeben, und die Textsicherheit von Fräulein Hoffmann, acht Jahre alt, benötigt Feinschliff. Das ist eindeutig Vaters Job – gleichgültig, worum es beim Hamburger SV gerade geht. Es ist also schon einiges passiert, und es ist erst kurz nach neun Uhr.

          Ein normaler Morgen für Bernd Hoffmann, den 45 Jahre alten Vorstandsvorsitzenden des Hamburger SV. Hellwach sitzt er im Fanrestaurant „Raute“ und rührt zwei Tütchen Zucker in seinen Milchkaffee. Die Liga staunt, wie mutig die Hamburger eingekauft haben: 27 Millionen Euro haben sie in zwei Wochen ausgegeben, um am Ende der Saison auf einem der ersten drei Ränge zu stehen – dort erhält man die Eintrittskarte zur Champions League, und die bedeutet 20 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen. Mut und Risikobereitschaft sind zwei der Eigenschaften, die Bernd Hoffmann einem Verein mitbrachte, der Anfang der neunziger Jahre unter dem Präsidenten Uwe Seeler pleite war. Inzwischen setzt der HSV nach dem FC Bayern am meisten um.

          „Wachstum ist der beste Motor“

          Hoffmann kommt aus Leverkusen, sein Fußball-Herz schlug für Gladbach, dann für Bayer 04. Sport ist sein Leben. Doch da war immer auch etwas anderes. Geschäftssinn. Er hat sein erstes Unternehmen als Student gegründet. Kleinkariertheit in finanziellen Dingen ist ihm fremd. Wenn in der Bilanz mal irgendwo ein Minus steht, findet er das wegen des Wertes der Mannschaft nicht besorgniserregend. Er sagt: „Wachstum ist der beste Motor. Wir sind jetzt in der richtigen Phase, Geld zu investieren.“ Die knapp 24 Millionen Euro aus dem Verkauf der Profis van der Vaart und Kompany sind komplett ausgegeben. Bewegung im Kapitalkreislauf, die der Vorstandsvorsitzende schätzt.

          Das Idol Uwe Seeler hinterließ eine große Baustelle

          Hoffmann wuchs zusammen mit einer jüngeren Schwester in familiärer Idylle auf. Das „Kicker“-Abonnement wurde jedes Jahr zu Weihnachten verlängert. Eigentlich hatte er wie sein Vater Lehrer werden wollen. Nach dem Abitur 1982 war ihm schnell klar, dass bei der Lehrerschwemme in den favorisierten Fächern Sport, Englisch und Geschichte ein anderer Beruf her musste – Hoffmann studierte in Köln und Pennsylvania BWL, „so angewandt wie möglich“. Begleitend versuchte er sich als Jungunternehmer: Er organisierte vier Jahre lang Schüler-Sprachreisen nach Bath in Südengland. „Ich war das Mädchen für alles. Nach den drei Wochen dort war ich immer so fertig wie jetzt am Ende der Transferzeit.“

          Begeisterung ist gefragt - und sei es für Krötenwanderung

          Beim HSV ist nicht alles so leuchtend und leicht, wie es derzeit aussieht. Hoffmann hat in seiner Zeit als Chef des Traditionsvereins seit dem 1. Februar 2003 viele Trainer kommen und gehen sehen. Trainerentlassungen sind teure Zäsuren für einen Klub; sie gehen oft mit Zerwürfnissen einher wie im Falle von Thomas Doll, als es in der Führung krachte. Hoffmann setzte sich gegen Beiersdorfer durch, und Doll musste gehen. Hoffmann ist ein humorvoller Erzähler, er nimmt sich nicht zu wichtig und schätzt das offene Gespräch. Doch natürlich kann er clever verhandeln und knallhart entscheiden. 200 Angestellte führt er beim HSV. „Mir sind Mitarbeiter lieber, bei denen ich die Luft rauslassen muss, als solche, die ich zum Jagen tragen muss“, sagt er. „Es kann gern mal jemand übers Ziel hinausschießen. Und er sollte sich für irgendetwas richtig interessieren, und sei es Krötenwanderung.“

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