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Bastian Pastewka Komödiant aus dem Gemüsebeet

15.10.2006 ·  Mit der Sat.1-„Wochenshow“ gelang Bastian Pastewka der Durchbruch als Fernseh-Comedian. Heute agiert er in einer Fernsehserie, die seinen Namen trägt, macht Kinofilme und spielt am Kurfürstendamm Theater.

Von Ralf Nöcker
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An seine erste Fernsehrolle kann sich Bastian Pastewka noch sehr gut erinnern. Kein Wunder: "Ich spielte einen Spinat", erklärt der Comedian. Und das ist kein Witz, sondern eine Tatsache. Auch kein Witz ist, daß er ausgerechnet übers Arbeitsamt zu dieser Rolle kam. Noch als Student war er über ein vom Arbeitsamt gefördertes Projekt - "Geisteswissenschaftler in den Medien" - zu einer ersten Sprechrolle im Radio gekommen. Beim Kölner WDR 5 war das, im Kinderprogramm. Es ging um Blattspinat, und es wurde mehr daraus: "Der Autor hatte es geschafft, auch das Fernsehen für das Thema zu begeistern. Also machten wir einen Beitrag über Blattspinat, mit mir in der Hauptrolle. Richtig mit In-die-Erde-eingraben."

Zu diesem Zeitpunkt war längst klar, daß sich Pastewkas Leben möglichst um Bühne und Kamera drehen sollte. Das Studium der Pädagogik, Germanistik und Soziologie hatte dagegen nie eine Aussicht, zu Ende gebracht zu werden. "Ich dachte, ein Studium gehört einfach dazu wie der Nachtisch beim Mittagessen", beschreibt Pastewka seine reichlich schwächelnde Motivation. Eine Leidenschaft für Seminarbesuche und Scheinesammeln wollte folgerichtig nie wirklich entbrennen. Wohl aber fürs Agieren auf der Bühne. "In einem Eiscafé in Dormagen vor zehn Leuten auftreten, von denen drei nach der Pause nicht mehr da sind", seien die nachhaltig prägenden Ereignisse jener Zeit gewesen. Oder die Statistenrolle als "Knecht Nummer 15", die er in dem Kinofilm "Das Wunder von Mâcon" des britischen Regisseurs Peter Greenaway gespielt hat. Sogar für eine tragendere Rolle hatte er bei dem exzentrischen Regisseur höchstpersönlich vorgesprochen, war aber gescheitert. "In Casting-Situationen versage ich immer", sagt Pastewka. Die Eltern trugen den Studienabbruch schließlich mit Fassung.

Klavier à la Jean Michel Jarre

Auch eine Karriere als Musiker stand eine Weile zur Debatte - Pastewka spielt Klavier. Elektronische Musik à la Jean Michel Jarre, Kraftwerk oder Eberhard Schoener sollte es sein - "denn hier treten die Musiker hinter ihrer Musik und ihren Instrumenten völlig in den Hintergrund. Das hat mir gut gefallen." Und dann wird jemand, der also erklärtermaßen lieber im verborgenen agiert, ausgerechnet Comedian, was nun einmal unweigerlich mit Bühnenpräsenz einhergeht? Darin sieht er keinen Widerspruch: "Ich verstecke mich hinter meinen Rollen", sagt Pastewka, der sich selbst als komödiantischer Schauspieler bezeichnet. Er spielt Typen wie "Brisko Schneider", eine aus einschlägigen Fernsehberaterinnen wie Lilo Wanders und Verona Pooth (vormals Feldbusch) zusammenkomponierte Figur, oder den Spießbürger Ottmar Zittlau. Beides in der "Wochenshow", jener Serie, die ihm den Durchbruch brachte.

Oder er versteckt sich eben hinter einer Figur namens "Bastian Pastewka", die er aktuell in der gleichnamigen Serie spielt und die zwar nicht völlig identisch ist mit dem Schauspieler Pastewka, aber doch deutliche Überschneidungen aufweist. Vielleicht sogar deutlichere, als von ihm eigentlich beabsichtigt. Pastewka führt jedenfalls "Pastewka" gnadenlos vor und läßt ihn konsequent in hochnotpeinliche Situationen hineinrennen. Mit anderen würde er das nicht tun. Pastewka betont, immer bei sich selbst anzufangen, wenn er eine Figur entwickelt. Andere interviewen, andere mit ihren Schwächen vorführen, das Weltgeschehen witzig kommentieren - all das ist seine Sache nicht. "Die Provokation und einen ,Guckt mal, wie frech ich sein kann'-Ansatz finde ich langweilig", erklärt er, um anschließend noch so etwas wie eine Theorie des Humors nachzureichen: "Humor entsteht aus Tragik und Schmerz, aus dem Verlangen nach Besserung." Aha.

Zum Klassenclown hat´s nicht gereicht

In die Wiege gelegt wurde ihm sein Beruf nicht, und auch zum Klassenclown habe es nicht gereicht, sagt Pastewka. Überhaupt seien ihm "Witzeerzähler und Gasgeber suspekt". Zur Komik führten ihn vielmehr andere Faktoren. Zum einen, quasi als Ausgangsmaterial, natürlich Talent. Ob man Talent für eine Sache habe, merke man daran, ob einem die Sache leichtfalle, definiert Pastewka. Dann ein Umfeld, in dem sich dieses Talent entfalten konnte. Etwa die behütete damalige Bundeshauptstadt Bonn mit ihren zahlreichen Auftrittsmöglichkeiten für Komödianten. In anderen Städten gründet man Bands, wenn es einen auf die Bühne zieht, in Bonn eben Komikertruppen. Was auch am Publikum liegt: "Der Rheinländer bringt von Natur aus relativ viel Verständnis für versemmelte Pointen auf." Wichtig waren außerdem Vorbilder wie die britische Komikertruppe Monty Python. "Die Filme habe ich mir nicht nur angesehen, ich habe sie studiert." Den Komiker Eddi Arent zählt Pastewka ebenfalls zu seinen Vorbildern, "der ist ein ganz Großer, ein deutscher Peter Sellers".

Und was schon fast als Klischee gelten kann, daß nämlich Comedy vielleicht im Ergebnis lustig, der Weg dorthin aber bierernst und harte Arbeit ist, das bestätigt auch Pastewka. Nie sei er mit etwas zufrieden, nur sehr ungern sehe er sich fertige Folgen einer seiner Serien an, denn er entdecke darin ohnehin nur die Fehler. Und die Grenze zwischen bierernst und grantig überschreitet der in Bonn aufgewachsene Comedian in dem Moment, wo sein Umfeld in seinen Augen nicht professionell arbeitet. Nur zu gut erinnert er sich an einen speziellen Drehtag, er hatte eine Gastrolle, der Regisseur war schwach, das Team uninspiriert, die Schauspieler wollten einfach nur nach Hause, das Ergebnis geriet am Ende allenfalls mittelmäßig. "Das war der schlimmste Tag meines Lebens", stellt Pastewka fest, und man nimmt ihm ab, daß er sich tatsächlich heute immer noch darüber ärgert. Um dergleichen zu vermeiden, arbeitet Pastewka am liebsten mit einem möglichst eingespielten Team zusammen. Ein Team, mit dem er auf Augenhöhe diskutieren und um das beste Ergebnis ringen kann. Und mit Regisseuren, von denen er etwas lernen kann. Denn vor allem die Auseinandersetzung mit diesen ersetzte ihm die Schauspielausbildung, die er nie hatte.

Als dem Format die Luft ausging

Irgendwann kann aber auch das beste Team nicht verhindern, daß einem Format die Luft ausgeht. So geschehen im Juni 2001, als Pastewka aus der Wochenshow ausstieg. "An diesem Punkt habe ich mir selbst nicht mehr genügt, da war es Zeit, anderen Platz zu machen". Trotz Dutzender Angebote für ähnliche Formate entschloß er sich danach, ein Jahr lang eine Kunstpause einzulegen, um sich anschließend dem Theater zuzuwenden. Gemeinsam mit Olli Dittrich entwickelte er ein Bühnenprogramm, mit dem er durch die Republik tourte. Derzeit steht er in der Komödie "Männerhort" im Theater am Kurfürstendamm auf der Bühne. Und dreht die zweite Staffel von "Pastewka" zu Ende, während sie bereits angelaufen ist. Und er arbeitet an der Fortsetzung des Kinofilms "Der Wixxer". Und immer so weiter? Wenn es nach Pastewkas Willen geht, gerne. Solange er sich nicht wiederholen muß. Und solange er dazulernen kann.

Quelle: F.A.Z., 14.10.2006, Nr. 239 / Seite C3
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