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Veröffentlicht: 24.08.2012, 12:42 Uhr

Ali Güngörmüs Nach oben gekocht

Lehrer haben an ihm gezweifelt, die Familie fand seine Berufswahl seltsam. Ali Güngörmüs wurde der erste türkische Sternekoch.

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© Pilar, Daniel Ali Güngörmüs spricht nicht von Integration, er lebt sie

Der letzte Gast ist gegangen, der letzte Teller gespült. Das Licht gelöscht. Manchmal, wenn Ali Güngörmüs nach einem langen Tag nachts nach Hause fährt, das Autoradio an, ist er aus tiefstem Herzen glücklich. Dann weiß er, dass er das Richtige tut. In seinem Beruf, in Deutschland, in Hamburg. Im Jahr 2005 kam er dort an, ein Mann, der in Anatolien geboren wurde, seine Jugend in München verbracht hatte und mit bayerischem Zungenschlag sprach. Ein junger Koch, der sich selbständig machen und ein bekanntes, aber schon länger brachliegendes Restaurant an der Elbchaussee wieder eröffnen wollte. Er kannte niemanden in Hamburg. Ein Jahr später beschäftigte er 20 Mitarbeiter, und eine Image-Kampagne der Bundesregierung nannte ihn einen Hoffnungsträger für Deutschland.

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Ali Güngörmüs’ Arbeitsplatz ist von der Straße aus nicht zu sehen, nur ein hohes Tor und rote Schrifttafeln weisen auf sein Restaurant hin. Gäste müssen über den weiten Hof eines Architekturbüros und über eine schmale Brücke gehen, die in sich einer Rechtskurve abwärts auf den Vorplatz des „Le Canard“ windet. Wie ein Schiff streckt das Haus, in dem das Restaurant liegt, seine halbrunde Front dem Wasser entgegen.

Im Lokal, einem zurückhaltend möblierten Raum mit einem großen Tresen und glänzendem Holzboden, steht zwischen den weißgedeckten Tischen der Wirt und Küchenchef. Zu schwarzen Haaren und grünbraunen Augen trägt er einen Kaschmirpulli in leuchtendem Orange. Auf der Terrasse stehen Linden. Im Hintergrund ist die Elbe zu sehen und der Hamburger Containerhafen. „Eine tolle Location.“ Einen schöneren Ort könne es gar nicht geben. Begeisterungsfähigkeit ist eine von Güngörmüs’ Eigenschaften. Ein bisschen Eitelkeit - zu der er sich bekennt -, Fleiß, Hartnäckigkeit und Eigensinn sind andere. Schau in dich rein und glaube an dich: Das steht wie ein ungeschriebenes Motto über seinem Leben. Negative Erlebnisse, sagt er, „haben mich nur stark gemacht“.

Bescheidener Wohlstand in der Türkei

Ali Güngörmüs wird 1976 in Tunceli in der Osttürkei geboren, als mittleres von sieben Geschwistern. Der Vater lebt schon seit mehr als zehn Jahren in Deutschland. Er arbeitet als Schweißer, die Familie sieht er nur, wenn er Urlaub hat. Das Geld, das er jeden Monat schickt, ermöglicht den Daheimgebliebenen in ihrem Dorf einen bescheidenen Wohlstand. Ali kommt einmal mit einem bunten Plastikball in die Schule. Der Lehrer, ein Mann, der seine Schützlinge oft schlägt, nimmt dem Jungen den Ball ab, setzt sich ans Pult und zerschneidet das Spielzeug mit einer Rasierklinge.

Die Szene hat Güngörmüs nicht vergessen, auch nicht die Reaktion seiner Mutter. „Wenn ich mich über die Schule beschwert habe, hieß es: Dein Lehrer ist ein gebildeter Mann, er wird wissen, was er tut.“ Lieber als daran denkt er an die glücklichen Seiten seiner Kindheit. An den Geschmack von Obst und Gemüse, das die Familie anbaut, an die Tomaten, die Aprikosen. Denkt an die Lammgerichte seiner Mutter, es sind Eindrücke, die das Fundament bilden für den späteren Beruf.

Die Lehrerin rät zur Sonderschule

Als Güngörmüs zehn Jahre alt ist, holt der Vater Frau und Kinder zu sich nach München. „Wir haben eine sehr schöne Zeit dort gehabt“, sagt Güngörmüs, obwohl der Anfang nicht leicht gewesen sei. „Du solltest auf die Sonderschule gehen“, sagt ihm seine Klassenlehrerin. Zu Hause kann niemand mit ihm üben. Die Mutter ist Analphabetin, erst mit 65 Jahren lernt sie lesen und schreiben, in einem Kurs der Volkshochschule, für den ihr Sohn sie anmeldet.

Ali Güngörmüs hat eine heitere Grundzuversicht, sie hilft ihm, wenn andere es nicht tun. Und er ist klug und kommt bald gut zurecht, er liebt das Leben in Deutschland und die Möglichkeiten, die es bietet. Man müsse aber auch, sagt er heute, verstehen, dass es Kinder aus Zuwandererfamilien gebe, die Schwierigkeiten hätten. Die Schule müsse Verständnis für ihre Lebensumstände haben und die Gesellschaft dafür, dass nicht jeder von den Eltern gefördert werden könne, wie es nötig sei. Etliche seiner Freunde seien auf die schiefe Bahn geraten.

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