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Alain Caparros Knallhart mit weichem Akzent

Der Franzose Alain Caparros hat sich im deutschsprachigen Raum immer wohl gefühlt. Seine Karriere hätte der Rewe-Chef in Frankreich so wohl nicht machen können.

© Edgar Schoepal / F.A.Z. Grenzgänger: Das Leben von Alain Caparros war von Zufällen geprägt.

War es ein Käse- oder war es ein Wurstbrötchen, das die wohl wichtigste Wende in der Karriere von Alain Caparros brachte? Der eine meint so, der andere so. Kolportiert wird jedenfalls, dass an jenem Morgen im Herbst 2003 ein von einer Sekretärin in den Verhandlungsraum getragenes Brötchen Hans Reischl, den damaligen Chef der Kölner Rewe-Gruppe, aus einem temporären Tiefschlaf holte. Alain Caparros, damals noch Geschäftsführer der Schweizer Bon-Appétit-Gruppe, mühte sich während dieser Szene gerade ab, das marode Handelsunternehmen an die Kölner Genossen zu verscherbeln. Offenbar hatte seine Präsentation aber stark einschläfernde Wirkung. Caparros wähnte sich schon auf verlorenem Posten.

Der damals mächtige Rewe-Chef war seine letzte Chance, die Mehrheit an der schweizerischen Großhandelskette loszuwerden. Caparros hatte schon alle großen Handelskonzerne Europas abgeklappert, ohne Erfolg. Auch der damalige Metro-Vorstandsvorsitzende Hans-Joachim Körber hatte abgewinkt, ihm aber den Tipp gegeben, sich an Reischl zu wenden. „Der sucht nach Optionen, und der hat viele Freiheiten“, klingt ihm Körbers Ratschlag noch im Ohr. Rewe sagte dem Franzosen damals nicht sonderlich viel. Auch ahnte er nicht, wie ausgeschlafen sein Kölner Verhandlungspartner tatsächlich war. Dieser wollte das Geschäft - nach dem Weckruf mit dem Brötchen - nämlich nur unter der Bedingung machen, dass Caparros gleich mit zu Rewe wechselte.

Einst wollte er Pfarrer werden

Sehr viele Zufälle, sehr viele Begegnungen mit beeindruckenden Unternehmerpersönlichkeiten haben seine Karriere bestimmt, blickt der heute 56 Jahre alte Caparros zurück. Er sei nicht immer unbedingt der Beste gewesen, kokettiert er. Aber an vielen wichtigen Wendepunkten hat ihm geholfen, dass er ganz gut Deutsch spricht, wenn auch mit unüberhörbarem französischen Klang. In erster Ehe war er mit einer Deutschen verheiratet, und im deutschen Sprachraum hat sich der seit einigen Jahren mit seiner zweiten Frau und seinem jüngsten Sohn in Düsseldorf lebende Manager immer wohlgefühlt.

Geboren wurde Caparros allerdings an einer ganz anderen Ecke der Welt, und zwar im Westen des seinerzeit noch zu Frankreich gehörenden Algerien. Sein Urgroßvater war dorthin ausgewandert, sein Vater dort selbständiger Mühlenbetreiber. Wie alle „Pieds noirs“ muss seine Familie 1962 das Land verlassen. Sie zieht ins lothringische Pont-à-Mousson. Sohn Alain besucht ein von Jesuiten geführtes Internat, was vorübergehend den Berufswunsch Pfarrer in ihm weckt und heute noch seinen dialektischen Diskussionsstil prägt. Es folgt ein Studium der Betriebswirtschaft in Metz und Saarbrücken. Als Student gründet er gemeinsam mit Freunden ein kleines Unternehmen. Schon als Jugendlicher will er möglichst unabhängig und selbständig sein. Die Region ist in jenen Jahren noch vom Bergbau geprägt, viele Schichtarbeiter wollen ihr eigenes Häuschen bauen. Baumärkte gibt es noch nicht. So beschaffen Alain & Co alles an Material, was zum Bau benötigt wird. Das Geschäft ist sehr einträglich, aber dennoch fällt die Entscheidung fürs Weiterstudieren und gegen das Jungunternehmertum.

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Erste berufliche Station von Caparros ist die von dem gleichnamigen Unternehmer gegründete Kosmetik-Kette Yves Rocher, für die er dank seiner Sprachkenntnisse bald für den deutschsprachigen Raum zuständig ist. Der Gründer wird auf ihn aufmerksam und macht ihn zu seiner rechten Hand in Paris. Es entwickelt sich fast so etwas wie eine Vater-Sohn-Beziehung.

Caparros ist nun ständig im Einsatz, um die Kette kundenorientierter zu machen. Eine Woche Urlaub muss reichen, Familie und Beruf sind kaum noch zu vereinbaren. Caparros verdient zwar viel Geld. Aber der eigenwillige Manager zieht die Notbremse - und geht zu Aldi-Nord, wo er als Generaldirektor die Aktivitäten in Frankreich leitet. Auch dort helfen ihm die deutschen Sprachkenntnisse. Heute behauptet er, einer der ersten Manager gewesen zu sein, die Aldi aus eigenen Stücken verlassen haben. „In dem straffen Konzept konnte ich mich nicht entfalten. Und wenn ich mich nicht entfalten kann, werde ich schlechter“, erläutert er seinen Abgang nach sechs Jahren Zugehörigkeit.

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