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Kolumne „Mein Urteil“ Muss mein Chef mir im Arbeitszeugnis danken?

Fehlen Dank und gute Wünsche im Arbeitszeugnis kommt schnell der Verdacht auf, das Arbeitsverhältnis sei nicht störungsfrei verlaufen. Kann ich deshalb auf den Dank meines Chefs im Zeugnis pochen?

© Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses können Arbeitnehmer ein schriftliches Zeugnis verlangen, das sich auch auf Leistung und Verhalten zu beziehen hat. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die das berufliche Fortkommen des Beurteilten unnötig erschweren. Arbeitszeugnisse enthalten heute ganz überwiegend eine Abschlussformulierung, mit der der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für geleistete Dienste dankt, sein Bedauern über das Ausscheiden ausdrückt und dies mit guten Wünschen für die persönliche und berufliche Zukunft verbindet.

Die praktische Bedeutung solcher Formeln nimmt daher zu. Selbst wenn die Leistungen des Arbeitnehmers mit „gut“ bis „sehr gut“ bewertet sind, kommt bei Fehlen der guten Wünsche der Verdacht auf, das Arbeitsverhältnis sei wohl doch nicht ganz störungsfrei verlaufen. Ein Aspekt, der den Beurteilten in seinem beruflichen Fortkommen durchaus behindern kann.

Streit um freundliche Worte bis in die dritte Instanz

Genau aus diesem Grund wurde und wird um die freundlichen Abschiedsworte immer wieder und auch bis in die dritte Instanz gestritten. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) vertritt dabei die Auffassung, auf derartige Formulierungen bestehe kein Anspruch. Insbesondere stelle das Fehlen der guten Wünsche kein verbotenes Geheimzeichen dar, welches das Zeugnis unzulässig entwerte. Die Formulierung und Gestaltung des Zeugnisses sei nämlich allein Sache des Arbeitgebers. Und der müsse sich auch nicht zu einem Akt der Höflichkeit verbiegen, den er vielleicht subjektiv ablehne (Az.: 9 AZR 44/00).

Interessanterweise teilen die Untergerichte diese doch sehr formale Position des BAG häufig nicht. So hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf entschieden, von einem Arbeitgeber könne durchaus verlangt werden, das Zeugnis mit Dank und guten Wünschen ausklingen zu lassen (Az.: 12 Sa 974/10). Auch das Arbeitsgericht München hat gegen die Rechtsprechung des BAG Stellung bezogen. Der verklagte Arbeitgeber hatte dem Arbeitnehmer im Zeugnis eine sehr gute bis gute Leistungs- und Verhaltensbewertung erteilt. Das Zeugnis endete aber nur mit dem lapidaren Schlusssatz: „Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“ Das war dem Arbeitnehmer zu wenig. Er klagte auf eine vollständige Schlussformel mit Dank und Bedauern, weil er in deren Fehlen eine unzulässige Abwertung seiner Leistungs- und Verhaltensbewertung sah. Das Arbeitsgericht folgte dem Antrag des Arbeitnehmers und verurteile den Arbeitgeber zu der vollständigen Schlussformulierung: „Wir bedauern dies , bedanken uns für die erbrachte Arbeit und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“ Die Rechtsprechung des BAG sei wohl nicht mehr „zeitgemäß“, so das Arbeitsgericht.

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Norbert Pflüger ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner der Kanzlei Pflüger Rechtsanwälte.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 13.11.2012, 08:26 Uhr