http://www.faz.net/-gyl-741y2

Kolumne „Mein Urteil“ : Muss mein Chef mir im Arbeitszeugnis danken?

  • Aktualisiert am

Bild: Cyprian Koscielniak / F.A.Z.

Fehlen Dank und gute Wünsche im Arbeitszeugnis kommt schnell der Verdacht auf, das Arbeitsverhältnis sei nicht störungsfrei verlaufen. Kann ich deshalb auf den Dank meines Chefs im Zeugnis pochen?

          Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses können Arbeitnehmer ein schriftliches Zeugnis verlangen, das sich auch auf Leistung und Verhalten zu beziehen hat. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die das berufliche Fortkommen des Beurteilten unnötig erschweren. Arbeitszeugnisse enthalten heute ganz überwiegend eine Abschlussformulierung, mit der der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer für geleistete Dienste dankt, sein Bedauern über das Ausscheiden ausdrückt und dies mit guten Wünschen für die persönliche und berufliche Zukunft verbindet.

          Die praktische Bedeutung solcher Formeln nimmt daher zu. Selbst wenn die Leistungen des Arbeitnehmers mit „gut“ bis „sehr gut“ bewertet sind, kommt bei Fehlen der guten Wünsche der Verdacht auf, das Arbeitsverhältnis sei wohl doch nicht ganz störungsfrei verlaufen. Ein Aspekt, der den Beurteilten in seinem beruflichen Fortkommen durchaus behindern kann.

          Streit um freundliche Worte bis in die dritte Instanz

          Genau aus diesem Grund wurde und wird um die freundlichen Abschiedsworte immer wieder und auch bis in die dritte Instanz gestritten. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) vertritt dabei die Auffassung, auf derartige Formulierungen bestehe kein Anspruch. Insbesondere stelle das Fehlen der guten Wünsche kein verbotenes Geheimzeichen dar, welches das Zeugnis unzulässig entwerte. Die Formulierung und Gestaltung des Zeugnisses sei nämlich allein Sache des Arbeitgebers. Und der müsse sich auch nicht zu einem Akt der Höflichkeit verbiegen, den er vielleicht subjektiv ablehne (Az.: 9 AZR 44/00).

          Interessanterweise teilen die Untergerichte diese doch sehr formale Position des BAG häufig nicht. So hat das Landesarbeitsgericht (LAG) Düsseldorf entschieden, von einem Arbeitgeber könne durchaus verlangt werden, das Zeugnis mit Dank und guten Wünschen ausklingen zu lassen (Az.: 12 Sa 974/10). Auch das Arbeitsgericht München hat gegen die Rechtsprechung des BAG Stellung bezogen. Der verklagte Arbeitgeber hatte dem Arbeitnehmer im Zeugnis eine sehr gute bis gute Leistungs- und Verhaltensbewertung erteilt. Das Zeugnis endete aber nur mit dem lapidaren Schlusssatz: „Wir wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“ Das war dem Arbeitnehmer zu wenig. Er klagte auf eine vollständige Schlussformel mit Dank und Bedauern, weil er in deren Fehlen eine unzulässige Abwertung seiner Leistungs- und Verhaltensbewertung sah. Das Arbeitsgericht folgte dem Antrag des Arbeitnehmers und verurteile den Arbeitgeber zu der vollständigen Schlussformulierung: „Wir bedauern dies , bedanken uns für die erbrachte Arbeit und wünschen ihm weiterhin viel Erfolg und persönlich alles Gute.“ Die Rechtsprechung des BAG sei wohl nicht mehr „zeitgemäß“, so das Arbeitsgericht.

          Norbert Pflüger ist Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner der Kanzlei Pflüger Rechtsanwälte.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Tod nach Überstunden Video-Seite öffnen

          Japan : Tod nach Überstunden

          Arbeitnehmer, die wegen sehr vieler Überstunden gesundheitliche Schäden bis hin zum Tod erleiden, sind in Japan seit einiger Zeit ein wichtiges Thema. Ein Gericht in Tokio verurteilte nun den japanischen Werbeagentur-Giganten Dentsu.

          Topmeldungen

          FDP zurück im Parlament : Der Wunder-Lindner

          Die FDP ist wieder da, und schon in den wenigen Tagen seit der Wahl vermittelt sie den Eindruck, es gehe Freien Demokraten immer nur um das eine: um sie selbst. Und um ihren Vorsitzenden.

          Geisteszustand des Präsidenten : Ist Donald Trump verrückt?

          Etliche Psychiater in den Vereinigten Staaten machen sich Sorgen um den Geisteszustand von Präsident Donald Trump. Dessen Verhalten ist zwar grenzwertig. Doch spiegelt es vor allem die Gesellschaft wider, die ihn an die Macht befördert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.