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Veröffentlicht: 25.05.2013, 06:40 Uhr

Kolumne „Mein Urteil“ Muss ich meine Tätowierung am Arbeitsplatz verstecken?

Tätowierungen sind vielen Arbeitgebern ein Dorn im Auge. Doch die Frage, wann Köperschmuck mit der branchenüblichen Kleidung nicht mehr zu vereinbaren ist, ist schwierig zu beantworten.

von Regina Steiner
© Steiner Mittländer Fischer Regina Steiner ist Fachanwältin für Arbeitsrecht in der Kanzlei Steiner Mittländer Fischer in Frankfurt.

Körperschmuck, zumindest in der Form von Tätowierungen und Piercings, ist längst Mode geworden. Dennoch ist Körperschmuck im Arbeitsverhältnis nicht generell akzeptiert, sondern vielen Arbeitgebern ein Dorn im Auge. Kunden sollen durch ein unpassendes Aussehen zum Beispiel der Bankangestellten oder des Anwalts nicht abgeschreckt werden. Zwar ist es das Recht eines jeden zu entscheiden, was er anzieht, wie er sich schmückt und sein Äußeres gestaltet.

Dennoch darf der Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern verlangen, dass sie sich, sofern sie Kundenkontakt haben, „branchenüblich kleiden“. Er kann den Stil des Hauses vorgeben, um dem berechtigten Interesse des Arbeitgebers nach einem einheitlichen Erscheinungsbild und den Erwartungen der Kundschaft Rechnung zu tragen, in die Persönlichkeitsrechte eingreifen, wie das Bundesarbeitsgericht einst entschied (Az.: 2 AZR 472/01).

JVA-Beamte müssen langärmelige Hemden tragen

So dürfen Tätowierungen an den Unterarmen von Justizvollzugsbeamten in Rheinland-Pfalz nicht gezeigt werden, weshalb auch im Sommer langarmige Hemden zu tragen sind. Durch die sichtbare Tätowierung gehe das einheitliche Erscheinungsbild der Vollzugsbeamten verloren. Außerdem seien sie auch geeignet, bei den Inhaftierten den Eindruck zu erwecken, dass bei den Beamten die erforderliche Distanz zu den Gefangenen fehle, entschied das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz (Az.: 2 A 10254/05). Dagegen entschied das Verwaltungsgericht Frankfurt, dass großflächige Tätowierungen an den Unterarmen bei Polizeibeamten des gehobenen Polizeidienstes kein Einstellungshindernis darstellen, sofern nicht der Inhalt der Tätowierung zu Bedenken Anlass gibt (Az.: 9 G 411/02).

Die Frage, wann Köperschmuck mit der branchenüblichen Kleidung nicht mehr zu vereinbaren ist, ist schwierig zu beantworten. Tätowierungen ohne politische oder sexistische Inhalte und dezente Piercings dürften keinen Anstoß mehr erregen. In eher konservativ geprägten Berufszweigen wie zum Beispiel Banken oder Kanzleien sollte man eher Zurückhaltung üben. Während der Arbeitszeit wird man auf das Piercing verzichten und das Tattoo verdecken müssen. Angesichts von Klimaanlagen in den Büros ist das auch im Sommer eine noch zumutbare Einschränkung des Persönlichkeitsrechts. Für alle, die das anders sehen: Diese Diskussion wurde schon einmal über die korrekte Haarlänge bei Männern geführt. Inzwischen sind die langen Haare längst allgemein akzeptiert. Es braucht einfach etwas Zeit.

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Regina Steiner ist Fachanwältin für Arbeitsrecht bei Steiner Mittländer Fischer in Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.

 

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