http://www.faz.net/-gyl-7h14r
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 03.09.2013, 13:41 Uhr

Kolumne „Mein Urteil“ Muss ich meine E-Mails verschlüsseln?

Datenschützer fordern häufig, Unternehmen müssten sämtliche E-Mails und die Übermittlung sensitiver Daten verschlüsseln. Aber schreiben das die Gesetze tatsächlich vor?

© Hogan Lovells Tim Wybitul ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Hogan Lovells.

Unverschlüsselte E-Mails stehen nicht im Ruf, besonders sicher zu sein. Firmen haben ein großes Interesse daran, dass ihre Geschäftsgeheimnisse oder andere wichtige interne Vorgänge nicht an Unbefugte gelangen. Bei Datenpannen sieht das Bundesdatenschutzgesetz seit 2009 vor, dass Unternehmen die betroffenen Personen und die Datenschutzaufsicht unterrichten. Kommt man dieser Informationspflicht nicht nach, drohen Bußgelder von bis zu 300.000 Euro. In der Praxis führt das oft zur Frage, ob und welche E-Mails man verschlüsseln muss.

Der Bundesgerichtshof hat in einer kürzlich bekanntgewordenen Entscheidung beschlossen, dass Unternehmen das Recht haben, auf verschlüsselten E-Mails zu bestehen (Az.: KVZ 57/12). Unternehmen sind danach nicht verpflichtet, interne Daten über eine ungesicherte E-Mail-Verbindung an eine Behörde zu schicken. Auch soweit es bei den von der Behörde angeforderten Daten nicht um Betriebs- oder Geschäftsgeheimnisse gehe, sei es einem Unternehmen nicht zumutbar, unverschlüsselte E-Mails als Übertragungsweg nutzen zu müssen.

Technische und organisatorische Maßnahmen zum Datenschutz

Umgekehrt fragen sich Unternehmen in der Praxis häufig, ob sie gehalten sind, E-Mails zu verschlüsseln. Eine rechtliche Pflicht könnte sich aus Paragraph 9 des Bundesdatenschutzgesetzes ergeben. Danach müssen Unternehmen technische und organisatorische Maßnahmen zur Sicherstellung des Datenschutzes treffen. Erforderlich sind solche Maßnahmen dann, wenn ihr Aufwand in einem angemessenen Aufwand zu dem damit erreichten Persönlichkeitsschutz liegt. Dabei wird insbesondere der Einsatz von Verschlüsselungsverfahren als mögliche Maßnahme zur Gewährleistung der erforderlichen Datensicherheit genannt.

Ob Unternehmen sämtliche E-Mails oder die elektronische Übermittlung besonders sensitiver Daten grundsätzlich verschlüsseln müssen, ist dagegen nicht gesetzlich geregelt. Teilweise wird dies von Datenschützern aber gefordert.

Über einen solchen Fall hatte das Verwaltungsgericht Berlin zu entscheiden (Az.: 1 K 133.10). Hier hatte die zuständige Datenschutzaufsicht eine Arbeitsvermittlung aufgefordert, Bewerberprofile nur noch per verschlüsselter E-Mail an potentielle Arbeitgeber zu versenden. Das Verwaltungsgericht bewertete dies als unverhältnismäßig und erteilte dieser Forderung eine Absage. Ein Grund hierfür war, dass die Bewerber über die unverschlüsselte Übermittlung ihrer Daten informiert waren und darin eingewilligt hatten.

Mehr zum Thema

Tim Wybitul ist Fachanwalt für Arbeitsrecht in der Kanzlei Hogan Lovells.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Sichere Kommunikation So verschlüsseln Whatsapp & Co

Sollen Strafverfolger auch verschlüsselte Kommunikation abgreifen können? Die Debatte läuft. FAZ.NET erklärt, wie Whatsapp, Facebook, Google oder Skype derzeit verschlüsseln. Eine Übersicht. Mehr Von Jonas Jansen

24.08.2016, 14:53 Uhr | Wirtschaft
Waffenkauf online BKA will Maßnahmen gegen Kriminalität im Darknet verschärfen

Das BKA hat am Mittwoch in Wiesbaden angekündigt, den verschlüsselten Bereich des Internets ins Visier zu nehmen. Der Chaos Computer Club hält es für realistischer, dass ein Nutzer auf der Suche nach einer Waffe außerhalb des Darknets fündig wird. Mehr

17.08.2016, 20:22 Uhr | Politik
Deal mit Australien bedroht Geheime U-Boot-Daten der französischen Staatswerft im Netz

Ein französischer Konzern schnappte Thyssen-Krupp den weltgrößten Auftrag für U-Boote in Australien weg. Nun tauchen Baupläne französischer Boote im Internet auf. Betroffen ist nicht nur Australien. Mehr Von Christoph Hein, Sydney

24.08.2016, 07:19 Uhr | Wirtschaft
Tierschutz GPS-Bänder für Kenias Löwen

Im Ol-Pejeta-Reservat in Kenia werden Löwen mit GPS-Bändern ausgestattet. Die Daten werden per Satellit an einen Server übermittelt; sie helfen Mitarbeitern und Wissenschaftlern, mehr zu erfahren über das Bewegungsverhalten. Außerdem wird den Tieren, deren Bestand bedrohlich zurückgeht, regelmäßig Blut für Untersuchungen entnommen. Mehr

19.08.2016, 08:27 Uhr | Gesellschaft
Freilandversuch mit Satellit Der Quantencoup im All

Das Abhören vertraulicher Nachrichten dürfte bald ein Ende haben. Forscher bauen an einem weltumspannenden Quantennetzwerk. Jetzt ist der erste Quantensatellit gestartet. Mehr Von Manfred Lindinger

18.08.2016, 13:30 Uhr | Wissen