Insgesamt 170 Hochschulen sollten sich beteiligen - 17 sind es momentan. Im Wintersemester 2011/2012 sollte das Projekt starten - nun beginnt ein Jahr später gerade mal ein Testlauf. So lautet die Bilanz des neuen Online-Studienplatzvergabesystems auf der Internetseite „Hochschulstart.de“, mit dem Studienanfängern die Bewerbungsphase erleichtert werden soll.
Die Idee: Derzeit ist es sinnvoll, sich an möglichst vielen Hochschulen gleichzeitig zu bewerben; manche Bewerber erhalten dann auch mehrere Zusagen. Zwar können sich alle letztlich nur für einen Studienplatz entscheiden, kommunizieren dies aber selten an die restlichen Hochschulen und blockieren so Plätze für andere Interessenten.
Dies soll das so genannte „Dialogorientierte Serviceverfahren“, eine von der Stiftung für Hochschulzulassung (frühere ZVS) betriebene Plattform auf der Website „Hochschulstart.de“ ändern. Hier sollen künftig alle Bewerbungen bundesweit gebündelt und Zu- und Absagen koordiniert werden. Doch die Technik floppte zunächst und der Start wurde um ein Jahr verschoben. Zum kommenden Wintersemester läuft das Verfahren nun erstmals; gerade ist die erste Phase des Abgleichs von Bewerbungen und Zulassungen beendet. Allerdings läuft die Plattform nur im Testbetrieb mit 17 Hochschulen und 22 Studiengängen - weil weiterhin viele Hochschulen mit technischen Hürden kämpfen. Für die Studieninteressierten heißt das: Wer sich bundesweit etwa für Psychologie bewirbt, musste sowohl eine Bewerbung für die auf Hochschulstart.de vertretenen Unis abgeben als auch für die restlichen. Das System gleicht nur die Bewerbungen der dort vertretenen Unis miteinander ab, nicht die anderen. Nachrückverfahren werden derzeit also noch nicht vermieden.
Gute Idee, schlechte Ausführung
Viele Hochschulen sind enttäuscht. „Das Dialogorientierte Serviceverfahren ist eine grundsätzlich gute Idee, die Studienbewerbern das Leben leichter macht“ findet Michael Gerhard vom Studien Service Center der Frankfurter Goethe Universität. Trotzdem beteiligt sich seine Hochschule zum kommenden Wintersemester noch nicht. „Damit die Internetseite mit unserer Bewerbersoftware kommunizieren kann, sind technische Neuerungen nötig“, erklärt Gerhard. „Bei uns steht ohnehin eine Softwareumstellung an. Deshalb entscheiden wir jedes Semester neu, ob es sich lohnt, in der Übergangsphase noch mitzumachen.“ Hinzu kommt, dass Gerhard den Sinn eines Testbetriebs mit nur 17 Hochschulen nicht erkennt. „Ein sinnvoller Abgleich funktioniert nur, wenn zumindest in einem Studiengang bundesweit möglichst alle Hochschulen dabei sind.“
So sieht es auch Susanne Klöpping, Leiterin des Dezernats für Studium und Lehre der Universität Heidelberg. Heidelberg beteilige sich mit seinem Psychologie-Bachelor am Testlauf, weil die Uni ein Verfahren für den Abgleich von Mehrfachbewerbungen für notwendig halte, sagt Klöpping. Weil aber so wenige Hochschulen mitmachten, sei das Ganze „derzeit noch ein stark eingeschränkter Test“. Sie findet die aufwändige Softwareumstellung ärgerlich. „Das hat im vergangenen halben Jahr erhebliche zusätzliche personelle Kapazität gebunden.“ Auch nachdem die Umstellung bewältigt ist, sei das Verfahren „in der Nutzerfreundlichkeit verbesserungsfähig“.
Kritikwürdig findet Klöpping auch, dass die Hochschulen womöglich Geld je vergebenen Studienplatz an die Stiftung für Hochschulzulassung zahlen sollen; in der Diskussion ist nach Aussage der Stiftung ein Betrag von rund 20 Euro. Auf ein weiteres Problem verweist die Ruhr-Universität Bochum, die sich wie Frankfurt bislang nicht beteiligen mag: Lehramtsstudiengänge mit zwei und mehr Fächern und so genannte Zwei-Fach-Bachelor kann die Website bislang noch nicht abbilden. Zwar sei die Seite prinzipiell dazu in der Lage, sagt die Stiftung für Hochschulzulassung, doch klappe die Kommunikation mit der Software der Unis noch nicht.
