25.10.2007 · Nicht zufällig ist Martin Blessing im Vorstand der Commerzbank zuständig für Osteuropa und den Mittelstand. Als Mitglied im Kuratorium vertritt er den größten Geldgeber - und hängt sich persönlich richtig rein: das Interview.
Mehr Unternehmen, mehr Praktikanten, mehr Resonanz: Martin Blessing, im Vorstand der Commerzbank zuständig für Osteuropa und den Mittelstand, glaubt, mit dem „Campus of Excellence“ in diesem Jahr einen großen Sprung gemacht zu haben. Als Mitglied im Kuratorium vertritt er den größten Geldgeber. Als die Commerzbank 2004 das Filialgeschäft der fränkischen Schmidt Bank übernahm, wollte sie sich vor allem in Oberfranken gegenüber den Firmenkunden profilieren. Das wirkt bis heute nach: Blessing ist öffentlich sichtbar und greifbar in seinem Projekt - was die Studenten zu würdigen wussten. Zu Beginn der Summer School schlug er sich ein ganzes Wochenende mit ihnen in Hof um die Ohren. Er fehlte nicht beim „Empfang der Regionen“, bei dem die Partnerunternehmen gehätschelt wurden, und nicht bei der als Theater angelegten Abschlusspräsentation der drei Gruppen in Frankfurt, bei der die Ergebnisse der Debatten über die Leitthemen Wissen, Werte und Arbeit einem Fachpublikum präsentiert wurden.
Für Ihr Projekt hatten Sie einen hohen sechsstelligen Euro-Betrag als Budget. Ist das gut angelegt für Imagepflege?
Ob sich das für alle so gerechnet hat, wie sie sich das vorgestellt haben, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich gehe aber davon aus, denn ich habe sehr positives Feedback erhalten. Die Commerzbank trägt knapp die Hälfte. Für uns sind drei Aspekte wichtig: Der eine ist Wirksamkeit in der Öffentlichkeit, zweitens ging es um positive Resonanz bei unseren Firmenkunden, denen wir zeigen wollen, dass wir sie auch bei der Suche nach Nachwuchs unterstützen. Außerdem wollten wir den einen oder anderen Mitarbeiter auch für uns selber rekrutieren.
Wer hat am stärksten profitiert: die Studenten, die mittelständischen Unternehmen oder die Commerzbank?
Idealerweise hat jeder am Ende das Gefühl: Ich habe am stärksten profitiert. Nur dann funktioniert es. Vermutlich waren es aber zuerst die Studenten und dann die Unternehmen, in denen sie echte Probleme gelöst haben.
Was hat Sie am meisten beeindruckt in diesem Jahr?
Die Abschlusspräsentation der Gruppe „Arbeit“; deren Idee eines Niedriglohn-Zertifikats, das Unternehmen dazu bringen soll, für jeden hochqualifizierten Arbeitsplatz auch einen für Geringqualifizierte zu schaffen, und ihre Präsentation – ein Theater-Erlebnis. Ich hätte nie gedacht, dass man das in so kurzer Zeit hinkriegt.
Sind die Campus-Studenten anders als übliche Bewerber bei der Bank?
Ich halte sie für engagierter als den Schnitt, den ich sonst so sehe. Aber es wirkt ja eine Selektion, weil die Teilnehmer sich aktiv bewerben mussten. Fremdsprachen zum Beispiel: Ich fand es toll, dass mehrere Studenten dabei waren, die Russisch sprechen. Da ich auch für Osteuropa zuständig bin, habe ich mir das mit besonderem Vergnügen angeguckt...
. . . und ein paar Namen aufgeschrieben.
Klar.
Nächstes Jahr wollen Sie manches anders machen?
Ja, im Kuratorium hatten wir das Gefühl, dass man in der kurzen Zeit der Summer School nicht über eine gewisse Tiefe hinauskommt. Wir haben uns nun entschieden, jedes der Leitthemen im jährlichen Wechsel zu bearbeiten, dafür aber mit weiteren Unteraufgaben. Mit dem Thema Wissen wollen wir 2008 anfangen.
Sonst ändert sich nichts?
Doch, gerade weil es um Wissen geht, und das schon in der Schule, wollen wir noch als drittes Standbein eine „Job Academy“ einführen. Wir wollen Schüler mit Unternehmen zusammenbringen, um früher als bisher das Interesse für Wirtschaft und Unternehmen zu wecken. Für die „Praxis Academy“, die bisher vor allem in Oberfranken lief, wollen wir weitere Regionen dazunehmen. Wir brauchen dort genügend mittelständische Unternehmen und eine Hochschule, die die Praktikanten betreut. Das lässt sich nur regional organisieren. Wir suchen Gebiete, in denen die Unternehmen auch an Recruiting-Themen interessiert sind – also eher Kassel und Chemnitz als Hamburg. Und damit der Campus of Excellence in einer unabhängigeren Struktur ist, gründen wir einen Verein, der Träger der Initiative ist. Die Commerzbank wird weiter Ressourcen beisteuern.
Sie haben „Entschleunigung“ angekündigt.
Wir wollen die Reisezeit in der Summer School reduzieren. Von Hof nach Warschau, Moskau oder Budapest, das war schon recht aufwendig. 2008 werden wir ins deutschsprachige südliche Ausland gehen. Rechts oder links rum oder in beide Länder.