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Mamphela Ramphele Gleiches Recht für alle

Sie ist eine moralische Autorität - und ein Ärgernis für die Mächtigen. Die Medizinerin Mamphela Ramphele kämpft für den Wandel in Südafrika.

© Seuffert, Felix Vergrößern Eiserne Lady: Mamphela Ramphele kritisiert die südafrikanische Regierung.

Mamphela Ramphele reibt sich heute noch triumphierend die Hände, wenn sie an den Tag vor 35 Jahren zurückdenkt, an dem sie eigentlich zutiefst gedemütigt und mundtot gemacht werden sollte. Die junge schwarze Südafrikanerin wurde damals in die Verbannung geschickt. In die Stadt Tzaneen, fernab der Heimat, ohne Freunde, dafür unter Dauerbeobachtung der Polizei. Sie hatte niemanden umgebracht oder verletzt. Sie hatte sich dagegen aufgelehnt, ihrer Rechte und Chancen im Leben beraubt zu sein - allein wegen ihrer Hautfarbe. Das reichte im damaligen Südafrika, um als Terroristin zu gelten.

Die Polizisten stürmten in ihr Haus, erinnert sie sich. „Sie warfen mich auf die Ladefläche eines Lastwagens, gaben mir noch nicht einmal Zeit, meine Sachen zu packen. Meine Güte, war ich wütend.“ Angekommen in dem Ort Tzaneen, stellte Ramphele fest, dass die Beamten ihren Namen falsch buchstabiert hatten. Auch die Ausweisnummer war falsch. „Mein Anwalt und ich waren uns einig, dass ich demnach nicht verbannt war.“ Mit Hilfe eines Pastors gelang die Flucht. Als die Behörden einen zweiten Versuch unternahmen - diesmal mit den richtigen Angaben -, kam sie ihnen zuvor. Sie fuhr selbst in den Ort, feierte vor den Augen der Polizei ein Fest und gab am Ende feierlich ihre Rückkehr bekannt. „Sie müssen sich so dumm vorgekommen sein. Es war köstlich“, erinnert sie sich mit einem ansteckenden Lachen. „Diese Leute waren Bullies, und Bullies muss man herausfordern. Das hat Spaß gemacht.“

Umgeben von Bodyguards

Ramphele ist heute 65 Jahre alt. Eine zierliche ältere Dame in einem eleganten beigen Seidenkostüm mit makellos manikürten Fingernägeln. Sie hat in einen nüchternen Bürokomplex am Fuße des imposanten Tafelbergmassivs nahe der Kapstädter Universität (UCT) gebeten. Dort hat sich die von ihr gegründete Organisation „Citizens’ Movement for Social Change“ (Bürgerbewegung für gesellschaftlichen Wandel) eingemietet. Rampheles Büro ist winzig, ein großer Blumenstrauß prangt auf dem Schreibtisch.

Mamphela Ramphele - Die frühere südafrikanische Apartheidskämpferin spricht mit Claudia Bröll über ihr Leben. © Seuffert, Felix Vergrößern Vor 35 Jahren wurde Mamphela Ramphele in die Verbannung geschickt.

Zwei Bodyguards hatten zuvor am Eingang jeden Besucher argwöhnisch beäugt. Die Chefin ist schließlich eine der bekanntesten Intellektuellen in Südafrika, eine moralische Autorität und ein permanentes Ärgernis für die Mächtigen. Einst gehörte sie zu den Begründern der „Black Consciousness“- Bewegung um den Widerstandskämpfer Steve Biko, der 1977 nach Folterungen im Gefängnis starb und bis heute in Südafrika als Held verehrt wird. Heute haben Schwarze und Weiße zwar gleiche politische Rechte. Die Hoffnungen auf ein besseres Leben aber haben sich für den Großteil der Bevölkerung nicht erfüllt. Ramphele begehrt daher wieder auf. Und diesmal richtet sich ihr Protest gegen die eigenen einstigen Genossen, die jetzt an den Hebeln der Macht sitzen.

Unten bleibt unten

„Der Bürger spielt immer noch keine Rolle in unserem Land. Wir haben eine wachsende schwarze Elite, aber die Leute unten bleiben unten, weil sich an den Voraussetzungen für eine ungleiche Gesellschaft nichts geändert hat“, wettert sie. Ihre Augen blitzen, ihre Tonlage klettert in schrille Höhen. Ramphele ist bekannt dafür, Klartext zu sprechen. Sie scheut sich nicht, Staatspräsident Jacob Zuma, der sich eine Privatresidenz für 25 Millionen Euro bauen lässt, als korrupt anzuprangern und seiner Regierung vorzuwerfen, in die Spuren des gehassten Apartheidregimes zu treten. Das erfordert Mut, noch dazu von einer Einzelkämpferin.

Es habe eine Zeit gegeben, in der sie Angst gehabt habe, erzählt sie. Das war am Anfang, als sie sich in Biko verliebt und seiner Bewegung angeschlossen hatte. „Wir hatten vor dem Unbekannten Angst, keiner wusste, wie man auf uns reagieren würde. Aber je mehr wir die Brutalität des Systems zu spüren bekamen, umso furchtloser wurden wir. Ich persönlich verlor jegliche Angst, als sie anfingen, meine Freunde zu töten.“ Der Tod Bikos, von dem sie zu diesem Zeitpunkt ein Kind erwartete, sei das Schlimmste gewesen, was ihr im Leben widerfahren sei. Alles andere habe sich im Vergleich dazu relativiert: die eigene Gefängnishaft, die Verbannung, die systematischen Einschüchterungen. „Ich wusste in diesem Moment, dass mich niemand mehr aufhalten konnte, denn es ging nicht mehr nur um meinen kleinen Beitrag. Es ging darum, diejenigen zu ehren, die ihr Leben geopfert hatten.“

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