21.08.2006 · Die Beschäftigtenzahlen in der Lichtindustrie sind rückläufig. Das gilt jedoch nicht für Entwicklungsingenieure mit Spezialkenntnissen zur Energieeffizienz oder für Lichtplaner und -designer.
Von Deutschland aus läßt sich der Weltmarkt bedienen. Die Lichtindustrie ist ein großer Arbeitgeber hierzulande. Die Siemens-Tochtergesellschaft Osram beschäftigt mit knapp 9.000 Mitarbeitern immerhin ein Viertel der Gesamtbelegschaft von 37.000 Mitarbeitern in deutschen Werken und Forschungszentren, obwohl nur 12 Prozent des Umsatzes im Inland erzielt wird. Philips Deutschland beschäftigt allein 1.400 Menschen am Standort Aachen.
Daß die Beschäftigtenzahlen hierzulande insgesamt zurückgehen, hängt mit zwei Faktoren zusammen. Einerseits ist die Industrie stark vom Baugeschäft abhängig, das über viele Jahre schwach gewesen ist. Andererseits sind die Produktionsabläufe deutlich verschlankt geworden - ein Tribut an den weltweiten Wettbewerb.
Entwicklungsingenieure mit Spezialkenntnissen
Doch hat die Internationalisierung maßgeblich zur Stabilität beigetragen. „Früher war das ein saisonales Geschäft“, sagt ZVEI-Geschäftsführer Jürgen Waldorf. Da habe die Beschäftigung im Sommer nachgelassen, während sie in den dunklen Herbst- und Wintermonaten wieder anzog. „Das ist heute nicht mehr der Fall“, sagt Waldorf. „Der Großteil der deutschen Firmen exportiert, was zu einer gleichmäßigen Produktion führt.“ Besonders im Arbeitsfeld Leuchten sind aber nach wie vor Fachkräfte gefragt.
Osram etwa benötigt Entwicklungsingenieure speziell mit Erfahrungen im Bereich Schaltnetze oder mit Spezialkenntnissen in optoelektronischen Technologien. Der Nachwuchs rekrutiert sich aus Bereichen wie der Optoelektronik, Physik, Elektrotechnik und Feinwerktechnik. Gefragt ist ebenso die Mechatronik oder die Mikrosystemtechnik. Vor allem in der Forschung und Entwicklung ist es für die Siemens-Tochtergesellschaft problematisch, hochqualifizierte Mitarbeiter mit Teamfähigkeit und guten Englisch-Kenntnissen zu finden. Sie gestalte sich in Deutschland zunehmend schwieriger.
Design gewinnt an Bedeutung
Den gleichen Bedarf sieht auch Philips Deutschland, die jedoch wegen ihrer starken Ausrichtung auf die Automobilindustrie in Aachen auch Applikationsingenieure für Lichtanwendungen im Auto nachfragt. Glasspezialisten, Industriemechaniker und Elektroniker finden ebenso Beschäftigung wie Wirtschaftswissenschaftler für Projektleitungsaufgaben. Und Architekten. Denn Design gewinnt im Bereich der Leuchten an Bedeutung. Daher legt Philips unter anderem Wert auf „Design-Zusatzqualifikationen“. Lichtplaner und Lichtdesigner stehen zunehmend im Blickpunkt. Mittlerweile gibt es eigene Studiengänge für Lichtplaner.
„Die werden gebraucht“, sagt Waldorf. Denn diese Berufsgruppe habe entscheidenden Einfluß darauf, ob und in welchem Umfang ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung Leuchtsysteme nachfrage. Lichtplaner bieten Lösungen für die Ausleuchtung eines Büros oder für die Lichtverteilung über den Tagesverlauf und zu unterschiedlichen Jahreszeiten. „Das wird in Zukunft noch sehr viel mehr Gewicht haben“, sagt Waldorf. Arbeitsambiente ist das eine, Energieeinsparung das andere. Hier werden Lichtplaner eine immer gewichtigere Rolle spielen.