07.06.2012 · Die Lehrerbildung verspielt die Zukunft der Schule. Die Verkürzung der Einführungsphase auf ein Vierteljahr etwa in Hessen schmälert die Qualität erheblich.
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Ich frage mich was die angehenden Lehrer an der Uni überhaupt lernen?
Aus meinem Studium ( Diplom Mathe+Physik) kenne ich so einiges über
sie.. abgespecktes Studium, Lehrer-Bonus in den mündlichen
Prüfungen (selbst beigesessen, und selbst großzügig die
vielen zukünftigen Lehrer vor dem Durchfallen gerettet). Und ja,
was verdient man in der freien Wirtschaft? Mit 1800 netto fängt man
gewöhnlich an, kaum jemand kommt auf die 2700 netto, auf die sich
junge Studienrätinnen (A 13 BW, 2900 netto Strkl 1, abzüglich
ca. 100-200 für die PKV) monatlich freuen. Und ja, in meinem
Bekannten-Kreis sind es die Lehrer, die am meisten verdienen und am
meisten jammern.
Der kurze Weg zum Praxisschock
Man könnte ja gerade meinen, die zweite Phase in Hessen sei ideal gewesen. Da berichten aber ehemalige Studis was ganz Anderes. Zwei Jahre - notwendig? Das ist quantitatives Denken. Ein Jahr kann zu kurz sein, 2 Jahre zu lang - alles hängt letztlich von der Qualität der Betreuung und der Strukturierung dieser Zeit ab.
Es ist eine Katastrophe, was Lehramtsstudenten lernen oder nicht lernen. Es ist unaussprechlich, in welcher Form und nach welcher Vorbereitung sie dann auf die Schüler losgelassen werden. Im Moment ist das wenig mehr als gute Wünsche. Pädagogik? In vielen Ländern abgeschafft oder nur im Sonderplan. Ein Englischlehrer kann also unter Umständen kein Wort Englisch (weil Englischkenntnisse gehören nicht zu überprüfungspflichtigen Kenntnissen bei Studium der englischen Philologie), kann nicht mit Schülern umgehen und fühlt sich ansonsten auch aprupt überfordert, weil er eigenlich nicht mal erahnt, worauf er hinstudiert hat.
Die Einführungsphase wurde nun von 6 auf 3 Monate verkürzt. Ach je.. Wer solch hohe Gehälter verdienen will, muss sich halt auch etwas anstrengen. Wie wäre es, den Gehalt der Lehrer um die Hälfte zu kürzen, und dafür doppelt so viel Lehrer einstellen, gerne auch mit 6 Monaten Einführung..
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 07.06.2012 14:49 Uhrjetzt mal ganz ehrlich..
.. in den USA an ausgesuchten Schulen in Ballungszentren verdienen
Lehrer vielleicht 100.000$ netto aber doch nicht in Deutschland! Also
ganz ehrlich, kein. grund zur Aufregung.
In D werden Kinder, Erziehung und gesellschaftliche Zukunft,
Wissenschaft ( schauen Sie sich die lächerlichen
Professorengehälter an von 5000€!) doch nicht monetär gewürdigt.
Und wann Gehählter der Bevölkerung im Allgemeinen in D
ansteigen werden - ähnlich wie in Frankreich - steht auch in den Sternen..
@Alina Duesselman
An welcher Stelle sehen Sie bitte ein unrechtmäßig hohes
Gehalt der Lehrer? Im Allgemeinen verdienen sie bei ähnlicher
fachlicher Ausbildung deutlich weniger als wenn sie mit ihrem Abschluss
in Mathematik, Wirtschaft, Physik, Chemie etc. pp. in die freie
Wirtschaft gingen.
Nebenbei haben engagierte Lehrer im Schnitt nach Schätzung der GEW
etwa 70 Arbeitsstunden / Woche. Das sollte eigentlich ein höheres
Gehalt rechtfertigen können.
Außerdem kommt im Bericht ganz gut rüber, dass das Thema
nicht mit Anstrengung allein zu bestehen ist. Lehren muss praktisch
unter Anleitung erlernt sein. Niemand käme auf die Idee einen
Dreher an eine Presse zu stellen, ihm kurz die Bedienung zu
erklären und dann höchst komplizierte Geometrien nachbauen zu
lassen bei denen alles auf den mm genau sein muss. Und das Schlimme
daran ist, dass die Kinder (und die Referendare mit ihren Nerven und dem
Berufsethos) die Verlierer dessen sind.
MfG
Als Jurist machen Sie auch nach einem Monat Referendariat in der Staatsanwaltschaft Sitzungsvertretung, d.h. Sie treten als Staatsanwalt in Verhandlungen auf. Da jammert keiner drüber.
Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 09.06.2012 09:10 Uhrstimmt.
Ja, stimmt wahrscheinlich. Mich hat nur damals an der Uni in Jura der
Pragmatismus derart gestört, das ich es gelassen habe: Für
beide Seiten argumentieren können. Das wollte ich nicht
'müssen'.
Die monetäre Seite kann man als Unternehmer in allen möglichen
Branchen auf die Spitze treiben, das ist vollkommen
branchenübergreifend und mehr Frage des eigenen Geschick.
Interessant ist Ihre Vermutung zu den Juristengehältern.
Interessant ist auch meine wahrscheinlich gesellschaftsferne
Wahrnehmung: ich finde mittlerweile selbst 5000€ netto viel zu
wenig zum Leben. Naja :-)
Ethik der Juristen
Kommt drauf an. Als Jurist sorgen Sie dafür, dass die Gesellschaft
funktioniert. Das ist nicht immer schön, muss aber von jemandem
gemacht werden. Wissen Sie, wenn ich ein Unternehmen nicht bei seiner
Finanzierung berate, schließt es einen schlechten Vertrag ab,
verkracht sich mit der Bank, Kreditlinie kann gekündigt werden und
die Bude ist dicht. Insoweit übe ich schon eine gesellschaftlich
relevante Funktion aus, ja.
Das mit dem "Kohle verdienen" wäre sehr schön. Es
ist in der Tat so, dass Sie mit einer gutgehenden Wirtschaftskanzlei
nicht hungern. Aber: damit kann von einem Tag auf den anderen Schluss
sein. Heute verdient man mehr als A13, netto vielleicht drei mal so
viel. Morgen? Keine Ahnung, vielleicht gar nichts.
Im übrigen gehe ich davon aus, dass mindestens die Hälfte der
Anwälte weniger verdienen als Lehrer.
naja...
will man als Jurist nicht " schnell möglichst viel Kohle
" verdienen ganz gemäß dem, was man in praktischer Ethik
im Studium vielleicht bereits im Ansatz gelernt hat?
Und geht, wenn man sich trotz der Philo nicht als Rettung doch gegen den
Juristenberuf entschiden hat, konnte, nicht die Desillusion im
Juristenberuf und insbesondere in der Jprudenz nicht ganz besonders schnell?
Haben Juristen den Anspruch, etwas für de Gesellschaft tun zu wollen?