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Veröffentlicht: 26.03.2004, 15:42 Uhr

Leben und Arbeiten in Washington Washington ist ein teures Vergnügen

Immobilien und von Deutschen begehrte Nahrungsmittel haben in Washington ihren Preis. Doch in den Vororten, wo viele der ausländischen Firmenvertreter, Manager, Ökonomen, Juristen und Lobbyisten wohnen, läßt sich prima leben. Wenn es nicht zu heiß ist.

von Katja Gelinsky
© Capitol in Washington

Am schönsten ist es in Washington jetzt im Frühling, wenn rund um das Jefferson-Denkmal die Kirschbäume blühen. Auch in den Vororten der amerikanischen Hauptstadt, wo viele der ausländischen Firmenvertreter, Manager, Ökonomen, Juristen, Lobbyisten, Wissenschaftler, Journalisten und Botschaftsangehörige wohnen, blüht es: Azaleen und Zierbäume tauchen die Vorgärten in ein prächtiges Farbenmeer. Und das Wetter ist jetzt noch erträglich. Die schwüle Hitze, die trotz Klimaanlagen zu Hause, in den Autos und in den Büros vor allem Neuankömmlingen aus Deutschland und anderen Ländern mit gemäßigten Sommern zu schaffen macht, setzt, wenn man Glück hat, erst im Juli ein.

Im Vergleich zu anderen Metropolen nimmt sich Washington mit seinen kaum mehr als 570000 Einwohnern recht bescheiden aus, zumal die Stadt keine Hochhausarchitektur wie New York, Chicago oder Los Angeles zu bieten hat. Die fehlenden Wolkenkratzer sind dem Respekt vor dem amerikanischen Gesetzgeber geschuldet: So darf kein Gebäude (mit Ausnahme des Obelisken zu Ehren des ersten amerikanischen Präsidenten George Washington) höher als das Kapitol sein, in dem das Parlament tagt. Deshalb wird die Stadt zuweilen als "provinziell" oder auch als "europäisch" beschrieben. Auf jeden Fall ist Washington eine Stadt mit vielen Gesichtern: Sitz der mächtigsten Regierung der Welt sowie zahlreicher Vereinigungen und Organisationen, berühmter Museen und Kultureinrichtungen und damit Anziehungspunkt für Menschen aus aller Herren Länder. "Washington ist sehr international und trotzdem nicht zu hektisch, vor allem im Vergleich zu New York", lobt die deutsche Juristin Kirsten Burghardt Propst, die für eine Washingtoner Großkanzlei arbeitet.

Neuankömmlingen aus Deutschland wird das Einleben dadurch erleichtert, daß es eine starke und lebendige "German Community" gibt. Über fehlende Kontaktmöglichkeiten zu deutschen Landsleuten klagt in Washington niemand, eher darüber, daß es nicht immer ganz einfach ist, mit Amerikanern Freundschaften zu schließen. Nach den Erfahrungen von Robert Bergmann, dem Repräsentanten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), ist es für Neuankömmlinge aber vor allem gewöhnungsbedürftig, daß Washington eine Stadt krasser finanzieller und sozialer Gegensätze ist, vor allem zwischen der schwarzen Bevölkerungsmehrheit (60 Prozent) und der weißen Minderheit. Zu den Schattenseiten gehört auch die hohe Kriminalitätsrate in den sozialen Brennpunkten der Stadt, die Washington den Ruf als Mordhauptstadt Amerikas eingebracht hat.

Das Leben von Ausländern, die aus beruflichen Gründen in die amerikanische Hauptstadt kommen, spielt sich jedoch vor allem im recht friedlichen Nordwestquadranten des District of Columbia ab, dort, wo sich die Regierungs- und Parlamentsgebäude befinden, der Internationale Währungsfonds und die Weltbank sowie Lobbybüros und die Botschaften und Büros ausländischer Repräsentanten. In diesem Teil der Stadt, in dem es auch die meisten Touristenattraktionen, schicke Restaurants sowie hübsche und teure Wohnviertel gibt, gerät leicht in Vergessenheit, daß nicht weit entfernt von dem glanzvoll renovierten Hauptbahnhof "Union Station", von wo man in dreieinhalb Stunden nach New York reisen kann, das Washingtoner Leben ganz anders aussieht: Die Fenster von Supermärkten sind dort durch Gitterstäbe geschützt und die Häuser der überwiegend schwarzen Bewohner bescheiden und zum Teil in beklagenswertem Zustand. Mittlerweile gibt es zwar Straßenzüge im Nordosten der Stadt, in denen schöne Wohnungen in historischen Häusern entstanden sind und Kinos, Cafés und Bars Publikum mit gehobenem Einkommen anziehen. Aber vor allem ausländische Abgesandte mit Kindern lassen sich lieber in den Washingtoner Vororten der angrenzenden Bundesstaaten Virginia und Maryland nieder, deren grüne Idylle jenen, die schon in Washington pulsierendes Großstadtleben vermissen, entschieden zu langweilig ist.

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