19.06.2009 · Lars Esser, Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur aus Chemnitz, steuert die Prozesse in der Wafervorfertigung.
Lars Esser, Maschinenbauer und Wirtschaftsingenieur aus Chemnitz, steuert die Prozesse in der Wafervorfertigung. Hier werden aus den Säulen dünne Siliziumscheiben herausgesägt, aus denen Solarzellen entstehen. Der Einsatz der Bandsäge mutet altertümlich an, zumal der Sägestaub nicht wiederverwertet werden kann. „Wir arbeiten an anderen Verfahren, aber noch ist dieses das beste“, sagt Esser. Jeder Draht ist viele Kilometer lang und als Scheuermittel mit Polyethylenglykol und biliziumkarbidbeschichtet. Mit einer Laufgeschwindigkeit von 100 Kilometern in der Stunde schneidet der Strang die Wafer aus den Säulen heraus, die dann wie große Kämme aussehen.
Inmitten der Hochtechnik wirkt die Metallverarbeitung wie ein Relikt der „Old Economy“. Diese kennt Esser gut: Er hat in der Automobilindustrie angefangen. Seine Diplomarbeit schrieb er bei BMW, später arbeitete er bei den Federnwerken Marienberg. Von dort wechselte er zu dem Antriebstechniker Koki. Doch schon vor der Krise erschien ihm die Automobilindustrie als anfällig. In jedem Fall wollten er und seine Freundin, die bei VW-Zwickau arbeitet, es vermeiden, in der gleichen Branche unterzukommen. „Davor hatten uns schon unsere Professoren gewarnt“, sagt Esser. „Heute sind wir froh, dem Rat gefolgt zu sein.“ Esser ist überzeugt, dass die Solartechnik eine Wachstumsbranche bleibt, auf die die neuen Länder nicht verzichten können. Man müsse qualifizierten Leuten etwas bieten, damit sie in der Heimat bleiben oder zurückkehren. „Ich hätte bei BMW weitermachen können, aber ich wollte nach Sachsen zurück.“ Zwar kann sich Esser vorstellen, bald wieder die Koffer zu packen, aber nur auf Zeit. Ihn reizt es, den Solarworld-Standort in Kalifornien kennenzulernen. Auch dort werden Wafer, Zellen und Module hergestellt. Der Energielieferant Sonne ist dort aber häufiger zu sehen als im Erzgebirge.