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Lachseminar „Hoho, hahaha!“ brüllt die Gruppe und klatscht wild

03.04.2006 ·  Lachen ist gesund, das sagt der Volksmund. Doch Erwachsene kommen täglich gerade mal auf 15 Lacher. Um die Stimmung zu verbessern, schicken immer mehr Unternehmen ihre Mitarbeiter in Lachseminare.

Von Sabine Hildebrandt-Woeckel
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Zuerst klingt das Lachen fast schüchtern. Alle stehen im Kreis, stimulieren die eigene Handinnenfläche und glucksen ein wenig. „Nun die Ellenbeuge“, Trainer Christoph Emmelmann macht es vor, die Gruppe nach. Das Lachen wird lauter. Dann wird die eigene Brust geklopft, und die Lautstärke schwillt an. Zuletzt klopfen sich alle sich selbst auf die Stirn - und plötzlich erfüllt ohrenbetäubender Lärm den Raum. 18 Menschen quietschen und prusten durcheinander. Zauderer haben keine Wahl - sie lachen einfach mit.

Lachen ist gesund, das sagt schon der Volksmund. Dennoch verlieren die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens die Lust am Lachen. Kinder, so haben Studien gezeigt, kugeln sich bis zu 400 Mal täglich, Erwachsene dagegen kommen im Schnitt gerade mal auf 15 Lacher. Und besonders im Berufsleben, erklärt Emmelmann, fehlt Fröhlichkeit oft ganz. Schlimmer noch: Schallendes Lachen gilt als unseriös und peinlich - und schadet der Karriere.

Ob witzig oder albern, entscheidet jeder für sich

Der Trainer weiß, wovon er spricht. In seinem früheren Leben war er in der Baubranche tätig, arbeitete verbissen bis zu 16 Stunden täglich, bis ihn mit noch nicht einmal 40 Jahren eine schwere Herzoperation zum Umdenken zwang. Gelernt, darüber zu lachen, hat er eher zufällig durch einen Vortrag. Danach ließ er sich zum Lach-Yoga-Therapeuten und Trainer für Stressmanagement ausbilden und gibt seitdem die neuerworbene Fröhlichkeit weiter. Zum einen in mehrtägigen Seminaren, zum anderen in offenen Gruppen wie der Münchner Lachschule, in der sich mehrmals wöchentlich seriös wirkende Verwaltungsangestellte, unbefangene Studenten, Hausfrauen und Manager zum gemeinsamen Schlapplachen treffen.

Eine Stunde lang wechseln dann laute und leise Übungen miteinander ab, die vor allem eines gemeinsam haben: Die Teilnehmer schauen sich dabei in die Augen. Begonnen wird mit Lockerungs- und Atemübungen, dann folgen gestenreiche Rollenspiele wie die „Schuhbegrüßung“, bei der sich die Teilnehmer auf einem Bein gegenüberstehen und die Schuhe aneinanderreiben. Oder das „Gewichte stemmen“, bei der alle unter lautem Gestöhne fiktive Gewichte heben. Ob das nun witzig ist oder einfach nur albern, entscheidet vermutlich jeder für sich. Fakt ist jedoch, daß nach nicht einmal fünf Minuten der Saal tobt. „Hoho, hahaha!“ brüllt die Gruppe und klatscht dabei wild in die Hände, immer mehr Hemmschwellen fallen, und immer mehr Teilnehmer bekommen einen regelrechten Lachkrampf.

Bereits 50 Lachclubs in Deutschland

Wer nun jedoch glaubt, solch hemmungsloses Gelächter gäbe es nur in München, der irrt. Emmelmann ist keineswegs der einzige, der sich vorgenommen hat, die Deutschen wieder zum Lachen zu bringen. Seit Anfang des Jahrtausends macht sich auch hierzulande ein regelrechtes Lachfieber breit. Rund 50 Lachklubs gibt es bundesweit und sogar eine Gesellschaft zur Förderung von Humor, die HumorCare Deutschland (www.humorcare. com). Selbst die Chefetagen größerer Firmen sind längst vom Lachvirus infiziert. Die Berliner Kommunikationstrainerin Mia von Waldenfels beispielsweise zählt Firmen wie Daimler-Chrysler oder T-Mobile zu ihren Kunden.

Und auch ihr Bottroper Kollege Thomas Holtbernd trainiert häufig Fach- und Führungskräfte. Sinn, so die Einschätzung von Trainer Holtbernd, hat kollektives Firmenlachen immer dann, wenn es um Motivation, Kommunikation, Kreativität oder zu erwartende Konflikte geht. Das heißt konkret, „wenn beispielsweise die Stimmung in einem Team verbessert oder wenn zwei Abteilungen zusammengelegt werden sollen“. Die Seminare für Unternehmen, erläutert Holtbernd, sind dann allerdings anders aufgebaut als offene Gruppen. Eingebettet in Rollen- und Stegreifspiele, geht es darin auch um den wissenschaftlichen Hintergrund des Lachens.

„Wer richtig herzhaft lacht, wirkt wie berauscht“

Denn das ist kein Witz, den gibt es. Erste Forschungen gab es schon in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Inzwischen ist eine regelrechte Wissenschaft entstanden, die Gelotologie. Und die hat bewiesen, daß Lachen nicht nur gesund ist, sondern auch die Arbeitsleistung erhöht. „Wer lange richtig herzhaft lacht, wirkt wie berauscht“, sagt Lachtrainerin von Waldenfels. Der Grund dafür ist, daß das Gehirn von einer starken Hormonwelle, den sogenannten Neurotransmittern, regelrecht überschwemmt wird. Dadurch werden Endorphine freigesetzt, und gleichzeitig sinkt der Spiegel des Stresshormons Epinephin. Wer viel lacht, kann somit auch viel konzentrierter arbeiten. Hinzu kommt, daß richtiges Prusten auch zahlreiche Muskeln anstrengt.

Man glaubt es nicht, aber drei Minuten Lachen entsprechen etwa 15 Minuten Joggen. Und mittlerweile gehen die Forscher auch davon aus, daß fröhliches Lachen eine positive Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System hat. Damit Lachseminare in Unternehmen erfolgreich sind, gibt Trainer Holtbernd jedoch zu bedenken, sei es allerdings erforderlich, daß bei den Teilnehmern eine Bereitschaft vorhanden sei, sich humorvoll mit den Alltagsproblemen auseinanderzusetzen. „Beim Führen“ sagt dazu Klaus Lauck, Verwaltungsleiter im Meinwerk-Institut, Paderborn, „ist Humor eine ganz wesentliche Komponente.“ Und darum hat er für seine Führungskräfte ein Seminar bei Holtbernd gebucht. Der Trainer sieht das genauso, er betont aber, daß niemand zum Lachen verpflichtet werden könne.

Übungen aus dem Yoga als Grundlage

Ausgelöst wurde das große Gelächter in Deutschland übrigens von dem indischen Arzt Madan Kataria, der die Erkenntnisse der Lachforschung für seine Patienten nutzen wollte. Schon 1995 begann er damit, sich regelmäßig mit fünf Patienten in einem Park zu treffen. Zuerst erzählte man einander Witze, da dies jedoch schnell in Geschmacklosigkeit abglitt, entwickelte er ein eigenes Konzept, das er „Lachen ohne Grund“ nannte. Grundlage bildeten Übungen aus dem Yoga.

Auch die Seminare von Emmelmann, Holtbernd und von Waldenfels basieren auf diesen Übungen, die die Lachanfälle zwar künstlich erzeugen, dann aber mit psychologischen Tricks dafür sorgen, daß die Fröhlichkeit in den Alltag mitgenommen wird. „Anker setzen“, nennt Emmelmann das, wenn Lachen in Übungen wie dem Jalousie-Lachen, dem Löwenlachen oder Fechtlachen mit Gesten verbunden wird. Speziell für den Außendienst hat er das Staulachen entwickelt. Ein fiktives Steuerrad in der Hand, laufen die Teilnehmer dabei brummend und wiehernd durch den Raum. Stehen sie ein paar Tage später im Stau, so ist sich Emmelmann sicher, „müssen sie garantiert lachen“.

„Es war eine Herausforderung“

„Erstaunt“, sagt Wolfgang Reichenberg, Trainer im Kompetenz-Center Vertriebstraining bei T-Mobile, sei er schon gewesen, als er vor zwei Jahren zum ersten Mal von einer Mia von Waldenfels und ihrem Lachseminar gehört habe. Aber dann hat er es mit Vertriebskräften und regionalen Führungskräften ausprobiert und fand es klasse. „Es war eine Herausforderung“, sagt der erfahrene Trainer, „aber ich war erstaunt, was alles möglich war. Am Ende haben alle gemeinsam auf dem Boden gelegen, den Kopf auf dem Bauch des anderen und haben herzhaft gelacht.“ Und wenn er heute davon erzählt, dann schmunzelt er immer noch.

Quelle: F.A.Z., 01.04.2006, Nr. 78 / Seite 55
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