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Kommissar-Ausbildung : Studium statt Streife

Übung für den Ernstfall: Die Polizisten im Dachgeschoss der Hochschule Bild: Andreas Müller / F.A.Z.

An der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege in Fürstenfeldbruck werden aus begabten Polizisten Kommissare. Der Lernort ist idyllisch, das Training dagegen knallhart.

          Malerisch ragt die barocke Klosterkirche in den weiß-blauen Himmel. Die Idylle täuscht. Kalt hallen Schritte auf nacktem Beton. Auf dem Dachboden neben der Pforte zieht es wie Hechtsuppe. Nun wird es richtig ungemütlich. Klaus Müller*, die Hand am Holster, und sein Kollege Johannes Wax haben den Täter gestellt. Ein kurzer, sachlicher Dialog soll verhindern, dass die Situation mit dem Angetrunkenen, der martialische Kräfte entwickeln kann, eskaliert. Zufrieden dreht sich der Täter zu den Polizisten um. „Gut gemacht. Noch einmal. Einer sichert, einer durchsucht!“

          Ursula  Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Der „Täter“ ist zugleich der Einsatztrainer. Rudolf Jung ist Dozent für Eingriffsrecht und Einsatzlehre an der Fachhochschule Fürstenfeldbruck. Mit acht bis 14 Studierenden probt er den Ernstfall. „Jeder Handgriff muss sitzen. Draußen kann man sich Zögern nicht leisten“, sagt Jung. Und auch keine Alleingänge. Das lernen die Studenten beim Outdoor-Training am Wendelstein. In den Alpen geht es nicht nur um ihr Gesundheitsmanagement, sondern mit einem Führer steil bergauf: Polizisten müssen mit Schichtdienst und Schlafmangel umgehen können. Vor allem läuft ohne Teamarbeit und verlässliche Kollegen in brenzligen Situationen nichts. „Das darf man nicht vergessen, Polizisten erleben andere häufig in Ausnahmesituationen und müssen das meistern“, sagt Hermann Vogelsang, Präsident der Polizeifachschule.

          Traumhafter Lernort: Das idyllische Kloster in Fürstenfeldbruck
          Traumhafter Lernort: Das idyllische Kloster in Fürstenfeldbruck : Bild: Andreas Müller / F.A.Z.

          Die weitläufige Anlage des ehemaligen Zisterzienserklosters beschert durch den Denkmalschutz hohe Kosten und schöne Lehrräume. Es gibt sogar einen Seminarraum mit Stuckdecken. Eine Abkürzung zu den kleinen Studentenbuden führt durch die prachtvolle Kirche. Auch an diesem kalten Novembertag tummeln sich draußen viele Studierende in Joggingkleidung. Dass ihnen Sport Spaß bereitet, ist den meisten anzusehen. Zum Aufnahmetest gehört eine harte Sportprüfung. Auf einen Ausbildungsplatz der bayrischen Bereitschaftspolizei kommen fünf bis sechs Bewerber. In Fürstenfeldbruck lernen drei Gruppen: Abiturienten, die den praktischen Teil ihrer Ausbildung vor allem im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg absolvieren, dem zweiten FH-Standort. „Die 120 Direkteinsteiger sind drei Jahre lang unsere Kikos, unsere Kinderkomissare“, sagt der Jurist Vogelsang. Dann gibt es Polizisten, die einige Jahre im mittleren Dienst hinter sich haben und Karriere machen möchten. Ihr Studium dauert zwei Jahre. Und es gibt einige, wenige Ratsanwärter in einem modularen Studiengang. Der Abschluss lautet Diplom Verwaltungsfachwirt. „Aber was rauskommt, ist ein Kommissar“, erklärt Politikdozent Holger Nitsch. Die Kikos bekommen 950 Euro im Monat, die anderen ihr bisheriges Gehalt.

          Insgesamt gibt es rund 900 Studierende an den zwei FH-Standorten, darunter 200 Frauen. Eine davon ist Stephanie Wossilus. Sie ist seit 15 Jahren Polizistin, zuletzt in der Suchtprävention beim Landeskriminalamt in München. Die 38 Jahre alte Hauptmeisterin sieht es „als Privileg, noch mal den ganzen Überblick zu bekommen“ und findet die von manchem geschmähten „Ologiefächer“, also Soziologie oder Psychologie, „wirklich interessant“. Dass sie das Lernen wieder lernen muss, nimmt die Mutter eines Dreijährigen sportlich. „Zum Glück haben uns Coaches Lerntechniken vorgestellt“, sagt ihr Kommilitone Andreas Grimm.

          Von der Hundestaffel bis zum Hubschraubereinsatz

          Er ist Beamter der Wasserschutzpolizei in Aschaffenburg und als zweifacher Familienvater ein Wochenendheimfahrer. Unter der Woche teilt er sich ein kleines Zimmer mit zwei anderen. „Das ist schon eine Umstellung.“ Der 36 Jahre alte Hauptmeister war ein Jahr im Kosovo in einer Dienststelle für Kriegsverbrechen, „allerdings bevor ich Familie hatte“.

          Beide loben die Breite der Einsatzmöglichkeiten, von der Hundestaffel bis zum Hubschraubereinsatz. „Es gibt mehr als 600 Bereiche, für die man sich qualifizieren kann“, schwärmt Grimm. Ein Beispiel liefert ein internationales Symposion im Kurfürstensaal: Dort geht es um neue Technologien und Kriminalitätsformen des „Cyper Crime“.

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