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Kolumne „Expat“ Es gibt ein Leben außerhalb von Paris

12.02.2012 ·  „Bonne chasse" rufen sich die Jäger in Frankreich in diesen Tagen wieder zu. Ein paar Wochen haben sie noch, um auf die Pirsch zu gehen.

Von Christian Schubert
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Die Jagdsaison dauert in Frankreich in der Regel von Oktober bis März. In diesem Zeitraum müssen nicht nur die Tiere, sondern auch Wanderer und Spaziergänger auf der Hut sein. Denn Unfälle selbst mit menschlicher Todesfolge sind gar nicht so selten - auch wenn Jagdgegner und Jagdfreunde über die Zahlen heftig streiten. In praktisch allen Fragen liegen sich Gegner und Freunde der Jagd in den Haaren.

Heftig sind die Auseinandersetzungen in manchen dicht besiedelten Gebieten. Denn es kann durchaus vorkommen, dass ein Spaziergänger am Dorfrand in erstaunlicher Nähe zu Wohnhäusern und Gärten Männern mit Jagdflinte begegnet. Oder dass eine Gruppe von Jägern dem Wanderer schon aus der Entfernung signalisiert, er solle den Wald gefälligst nicht betreten. "Denn der gehört uns", lautet die kaum verhohlene Botschaft.

Wem der öffentliche Wald gehört, ist eine alte Debatte in Frankreich. Der Jägerverband wehrt sich gegen die Unterstellung, die anderen Nutzer verdrängen zu wollen. Doch die große Tradition der Jagd habe ihre Berechtigung und brauche ihren Platz. "Kein Land in Europa zählt so viele Jäger wie Frankreich, es sind rund 1,3 Millionen", verkündet stolz der Sprecher des Nationalen Jägerverbands, Pierre de Boisguilbert. Nach Fußball und Angeln sei es das beliebteste Hobby der Franzosen.

Selbst die Hetzjagd mit Hundemeuten hat in Frankreich viele Anhänger. Auf Hirsche, Rehe, Wildschweine und Hasen werden die Hunderudel mit den Reitern im Schlepptau los gelassen. Es handele sich dabei um einen natürlichen Kampf - ohne Eingriff des Menschen, der nur beobachte, wie das Wildtier und sein natürlicher Angreifer die Sache unter sich austrügen, heißt es auf der Internetseite der Hetzjäger.

Für die Gegner ist das Jagen nichts anderes als ein aussterbendes Hobby alter Männer - die allerdings überproportional viel politischen Einfluss hätten. Über den Mangel einer politischen Lobby müssen sich die französischen Jäger auf jeden Fall nicht beklagen. Mit Frédéric Nihous zieht regelmäßig ein passionierter Jäger der Partei "Jagd, Angeln, Natur und Traditionen (CPNT)" in den Präsidentschaftswahlkampf.

Ein bekannter Radio- und Fernsehkommentator fragte kürzlich, warum es eigentlich keinen Kandidaten der Radfahrer, Wanderer, Boulespieler oder Dudelsackpfeifer gebe. Worauf Nihous den Journalisten aufforderte, doch ausnahmsweise einmal sein Studio zu verlassen und die Ringautobahn um die Hauptstadt zu überqueren. "Sie werden eine erstaunliche Entdeckung machen: Es gibt ein Leben außerhalb von Paris!"

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Paris.

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