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Veröffentlicht: 24.12.2012, 08:00 Uhr

Kirche als Arbeitgeber Hauptsache Christ

Rund 1,3 Millionen Menschen arbeiten für die Kirche - zu deren Regeln. Wo die kirchliche Heirat zum Einstellungskriterium wird, haben Gewerkschaften nur wenig zu melden.

© Cyprian Koscielniak

Eigentlich war das Vorstellungsgespräch gut gelaufen: Fachlich schien die Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich Internationalisierung bei der katholischen Hochschule gut zu ihr zu passen, mit dem zuständigen Professor und den restlichen Kommissionsmitgliedern verstand sie sich gut. Doch dann kam die Frage nach ihrer Ehe. „Die Atmosphäre war sofort unangenehm“, erinnert sich die Diplom-Sozialarbeiterin. Noch am selben Tag meldete sich ein Mitglied der Auswahlkommission bei ihr zu Hause. Man würde gerne mit ihr zusammenarbeiten, sehe aber keine Chance, dass sie eingestellt würde, wenn sie sich nicht entschließen könnte, kirchlich zu heiraten. Die Bewerberin war seit Jahren verheiratet - standesamtlich. Der Anrufer schlug vor, sie solle doch gegenüber der Hochschulleitung deutlich machen, dass sie auch noch kirchlich heiraten werde. Andere Kommissionsmitglieder schlossen sich der Aufforderung an. Die Bewerberin weigerte sich; sechs Wochen später erhielt sie eine Absage.

Lena Schipper Folgen: Corinna Budras Folgen:

Fragen nach Heirat, Schwangerschaft oder gar der sexuellen Orientierung sind bei Bewerbungen im normalen Arbeitsleben tabu - bei den Kirchen haben sie dagegen System. Denn dort funktioniert das Arbeitsrecht nach eigenen Regeln. Geprägt ist es vom grundrechtlich geschützten Selbstbestimmungsrecht der Kirchen. Sie dürfen deshalb vieles, was dem Öffentlichen Dienst und der privaten Wirtschaft verwehrt bleibt; im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) gibt es sogar einen eigenen Paragraphen, der die unterschiedliche Behandlung wegen der Religion und Weltanschauung erlaubt.

Am liebsten unter sich

In der Kirche ist man am liebsten unter sich, denn nur so kann sichergestellt werden, dass die Werte der Religionsgemeinschaft auch konsequent gelebt werden. So suchte ein katholisches Jugendhilfswerk jüngst in München per Annonce einen christlichen Gemüsegärtner. Claudia Beck, Pressesprecherin der Caritas, bestätigt den „grundsätzlichen Wunsch“, dass die Mitarbeiter Mitglieder einer christlichen Kirche sind. Es ist durchaus üblich, bevorzugt Christen einzustellen, auch dort, wo die Religionszugehörigkeit für die Ausübung einer Tätigkeit eigentlich keine Rolle spielen sollte. Und auch die wenigen nicht christlichen Mitarbeiter unterliegen sogenannten „Loyalitätsobliegenheiten“, die von ihnen verlangen, die „Werte und Wahrheiten des Evangeliums“ zu achten.

Die besondere Stellung im Arbeitsrecht ist jüngst wieder in den Brennpunkt gerückt, als das Bundesarbeitsgericht ein Grundsatzurteil darüber fällte, welche Rechte Gewerkschaften im kirchlichen Bereich haben (Az.: 1 AZR 179/11). Bisher war die Antwort einfach: keine, denn die Kirchen schließen Streiks in ihren Einrichtungen schlicht aus. Stattdessen handeln sie Tarifverträge auf Basis des „dritten Wegs“ aus, also mit Hilfe einer paritätisch besetzten Kommission von Arbeitnehmervertretern und „Dienstgebern“. Gewerkschaften kommen in diesem System nicht vor - bisher jedenfalls. Das wird sich künftig ändern, allerdings nur sehr eingeschränkt. Denn Kirchen dürfen Streiks von nun an nur dann ausschließen, wenn die Gewerkschaften mit am Verhandlungstisch sitzen und die Mindestarbeitsbedingungen für die Kirchenmitarbeiter aushandeln. Das Ergebnis muss verbindlich gelten, bisher hat es daran gehapert.

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Der Einfluss der Gewerkschaften ist eine umstrittene, mitunter stark umkämpfte Besonderheit. Doch auch im Umgang mit den einzelnen Mitarbeitern haben die Glaubensgemeinschaften eine - rechtlich allerdings noch sehr unklare - Sonderrolle. Denn die Ausnahmen von den Antidiskriminierungsregeln gelten keineswegs uneingeschränkt, es kommt immer auch auf die konkrete Tätigkeit an. Im „verkündigungsnahen“ Bereich, also insbesondere bei Pfarrern, Priestern und Gemeindemitarbeitern, haben die Kirchen in der Regel freie Bahn. Bei „verkündigungsfernen“ Positionen dagegen werden sie von den Gerichten auch schon mal zurückgepfiffen. Die Grenzen sind fließend. Aber: Die Tendenz der Rechtsprechung geht zumindest in letzter Zeit wohl dahin, Kirchen immer weniger Spielraum für religiös motivierte Stellenanforderungen außerhalb des eindeutig verkündigungsnahen Bereichs zu geben.

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