13.02.2004 · Internationale Organisationen stellen einen kleinen, aber feinen Arbeitsmarkt - für Berufserfahrene wie für Absolventen. Neben exzellenten Sprach- und Fachkenntnissen müssen Bewerber eine internationale Orientierung mitbringen.
Von Birgit ObermeierSie arbeiten in New York, Genf, Nairobi oder Brüssel. Dort sichern sie den Weltfrieden, koordinieren humanitäre Hilfsaktionen oder leiten Präventionsprogramme im Kampf gegen AIDS. Das klingt spannender als der Controller-Job in einem Versicherungskonzern, keine Frage.
Allerdings: Die Anforderungen für eine Karriere in einer Internationalen Organisation sind hoch, die Stellen begrenzt. Weltweit gibt es rund 44.000 Positionen, die mit dem höheren Dienst in Deutschland vergleichbar sind. Um sie konkurrieren hochqualifizierte Bewerber aus aller Welt. Ein möglichst international ausgerichtetes Studium mit hervorragendem Abschluß, perfekte Kenntnisse in einer, besser zwei Fremdsprachen und fundiertes berufliches Fachwissen gelten als Grundvoraussetzung. Zudem sollte die bisherige Laufbahn des Bewerbers bereits eine internationale Ausrichtung erkennen lassen. Mobilität, Aufgeschlossenheit und interkulturelle Kompetenz verstehen sich von selbst.
Praktika als Sprungbrett
Den absolut typischen Karriereweg gibt es nicht, sagt Sebastian Schich, Principal Economist bei der OECD in Paris. „Die Laufbahn hängt nicht von einer Einzelentscheidung ab.“ Der studierte Volkswirt und Romanist arbeitete zwei Jahre lang bei der Deutschen Bank, bevor er an der London School of Economics einen europäischen Promotionsstudiengang absolvierte. Sein Thema: Ökonomische Bestimmungsfaktoren für die externe Finanzierung von Entwicklungsländern. Auf die Idee brachte ihn ein Praktikum bei der UN Conference on Trade an Development (UNCTAD) in Genf. Schich hielt Kontakt, trat aber zunächst eine Stelle bei der Bundesbank an. Dann zog es ihn wieder ins Ausland. „Die UN-Erfahrung war prägend“, sagt der 41-Jährige.
Die Bundesrepublik Deutschland ist Mitglied in rund 200 Internationalen Organisationen, darunter die Institutionen von UN und EU, internationale Finanzierungsorganisationen sowie regionale Entwicklungsbanken. Insgesamt sind dort gegenwärtig rund 4.000 Deutsche im höheren Dienst tätig. Die Anstellung ist in der Regel befristet, wird aber häufig durch Anschlußverträge verlängert. Die Arbeitsfelder sind vielfältig. Besonders stark vertreten sind in den Organisationen der UN Fachleute der technischen Zusammenarbeit. Mit etwas Abstand folgen Wirtschaftswissenschaftler, EDV-Spezialisten, Ärzte, Finanz- und Haushaltsfachleute.
Hochkarätiger Stellenpool im Internet
Über offene Positionen informiert das Auswärtige Amt im Internet. Im „Internationalen Personalpool“ können Interessenten ihr Profil hinterlegen und über bestimmte Eckdaten nach passenden Vakanzen suchen. Rund 7.500 Personen sind dort gegenwärtig registriert. Wer sich bewerben will, schickt seine Unterlagen direkt an die jeweilige Organisation, in der Regel online. Hilfreiche Unterstützung erhalten Bewerber vom Büro für Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) in Bonn. Die Einrichtung - angesiedelt bei der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit - informiert, vermittelt und betreut Interessenten im Auftrag des Auswärtigen Amtes. Im vergangenen Jahr verzeichnete sie rund 9.000 Erstanfragen, der Großteil von Nachwuchskräften.
An sie vermittelt das BFIO Praktika und Stellen als „Beigeordnete Sachverständige“. Letztere werden im Auftrag der Bundesregierung für die Dauer von zwei Jahren in Entwicklungsregionen entsendet, wo sie für eine Internationale Organisation Länder- und Sektorstudien erstellen oder in Projekten mitarbeiten. Für gutes Geld: Zum Grundgehalt von rund 38.000 Dollar addieren sich Ortszuschläge von bis zu 40 Prozent. Versteuern müssen die internationalen Nachwuchskräfte ihr Gehalt nicht. Sie erwerben in dieser Zeit allerdings auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld.
Bewerberquote von 40 zu 1.000
Die Chancen auf eine internationale Karriere stünden für die Beigeordneten Sachverständigen aber auch nicht schlecht, meint Susanne Schmidt, Erste Arbeitsvermittlerin beim BFIO: „Rund 40 Prozent bleiben anschließend im System der Vereinten Nationen.“ Ein gutes informelles Netzwerk mit regelmäßigen Treffen und Informationen garantiert das Nachwuchsprogramm allemal. Entsprechend hoch ist die Nachfrage: Auf jährlich 40 Stellen kommen rund 1.000 Bewerbungen.
Wer eine internationale Karriere mit sicherer Laufbahn anstrebt, der ist bei den Institutionen der Europäischen Union am besten aufgehoben. Sie verfügen über ein dem Beamtenrecht ähnliches Statut mit Lebenszeitstellen. Die Auswahl erfolgt über ein mehrstufiges Verfahren, den sogenannten Concours. Der findet, je nach Personalbedarf, in unregelmäßigen Abständen statt und ist - wie kaum anders zu erwarten - sehr anspruchsvoll.