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Samstag, 18. Februar 2012
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Karrieresprung Der gestiftete Professor

23.08.2002 ·  Rund 350 Hochschullehrer werden hierzulande über Stiftungsprofessuren privatwirtschaftlich finanziert. Die Stifter haben ihre Vorteile davon.

Von Birgit Obermeier
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Der Ruf an die Goethe-Universität in Frankfurt folgte einem ordentlichen Berufungsverfahren, seine Ernennungsurkunde zum C4-Professor erhielt Kai Rannenberg vom hessischen Kultusministerium. Für die Bezüge des erst 38jährigen Informatikers kommt allerdings nicht das Land, sondern die Deutsche Telekom auf.

Sie finanziert auch drei seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter sowie die technische Ausstattung der zu Jahresbeginn gegründeten „T-Mobile Stiftungsprofessur für M-Commerce“. Rannenberg, der vormals für Microsoft in Cambridge forschte, weiß das privatwirtschaftliche Engagement zu schätzen: „Das Unternehmen hat das Studienangebot in dieser Form überhaupt erst ermöglicht.“

Im Gegenzug durfte es an der inhaltlichen Ausrichtung des Lehrstuhls mitreden. Im Fokus steht dabei die Entwicklung neuer mobiler Anwendungen, die nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftstauglich sind. Schließlich will die Telekom die Forschungsergebnisse nach Möglichkeit irgendwann kommerziell vermarkten. In einer geheimen Schublade landen sie deshalb aber nicht, darauf legen die Beteiligten großen Wert. Wie bei jedem ordentlichen Lehrstuhl werden die Erkenntnisse veröffentlicht. Resultieren daraus Patente, hat der Magenta-Riese allerdings die Nutzungsrechte.

Entlastung für die Länder

Blieben Wissenschaftler lange Zeit lieber unter ihresgleichen, so scheint die Nähe zum Kommerz heute nicht mehr verpönt. Rund 350 Stiftungsprofessuren gibt es derzeit an deutschen Hochschulen. Unterstützt werden damit meist innovative Studienfächer. So unterhält etwa die Versicherungsgruppe Debeka einen Lehrstuhl für E-Commerce-Recht an der Uni Koblenz-Landau. Der Chiphersteller Infineon treibt an den Technischen Universitäten in Dresden und München die Halbleiter-Forschung voran.

Die Studenten profitieren von einer praxisrelevanten Ausbildung, die Hochschulen steigern durch die guten Kontakte zur Wirtschaft ihr Ansehen. Und die Länder sind angesichts leerer Kassen ohnehin froh über eine Entlastung der Haushalte. Die gestiftete Professur ist in der Regel auf fünf Jahre befristet. Danach wird die Stelle durch das jeweilige Bundesland in eine ordentliche Professur umgewidmet. Kontakte zwischen Hochschulen, Politik und Unternehmen knüpft der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Er kümmert sich auf Wunsch auch um die Abwicklung der Formalitäten.

Nah an den Studenten

Häufig pflegen die Firmen bereits einen engen Draht zur Hochschule, bevor sie eine Professur einrichten. Die Telekom zählt mehr als ein Dutzend Kooperationen, darunter vier Stiftungsprofessuren. Neben der Nähe zur wissenschaftlichen Forschung dient das Engagement vor allem der Rekrutierung von qualifiziertem Personal. Der Konzern rangiere auf der Liste der beliebtesten Arbeitgeber derzeit noch abgeschlagen, weiß Michael Zeisberger, verantwortlich für College Affairs: „Wir versuchen sie daher bereits während des Studiums für die Telekom zu begeistern und quasi magentafarben einzufärben.“

Das Spektrum reicht von der Vergabe von Diplomarbeiten über die Anwerbung von Werkstudenten bis zu Gastvorträgen in Vorlesungen oder Seminaren. An der - privaten - Fachhochschule Göttingen hat das Unternehmen gar einen kompletten Studienschwerpunkt („IT-Business-Account-Management“) eingerichtet, der gezielt auf bestimmte Positionen in einem Mobilfunkunternehmen vorbereitet. Dabei handele es sich bildungspolitisch um eine „Grauzone“, sagt Zeisberger. Bei der Besetzung der Professorenstelle durfte die Telekom „beratend mitwirken“.

Geradezu altruistisch nimmt sich dagegen das Engagement des mittelständischen Unternehmens Dehner aus. Der Garten-Spezialist aus der bayerischen Provinz untermauerte die langjährige enge Zusammenarbeit mit der nahegelegenen Fachhochschule Weihenstephan durch eine Stiftungsprofessur für Bioinformatik. Ein unmittelbarer Bezug zu diesem Fachgebiet bestehe nicht, sagt Wolfgang Gräser, Prokurist bei Dehner: „Man muss einfach helfen, wo Not am Mann ist.“

www.stifterverband.org

Quelle: @ober
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