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Karriere : Von der „German Angst“ zum „German Mut“

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Optimisten: die Organisatoren des Symposiums Bild: F.A.Z. - Foto Cornelia Sick

Vertrauen in die Zukunft des Standortes Deutschland: Beim Symposium der European Business School geben sich die jungen Wirtschaftsstudenten optimistisch. Ganz nach dem Motto „geht nicht gibt's nicht“.

          Auf dem Campus tummeln sich Studenten in feinen Anzügen und Kostümen. Hier ein Handschlag, dort ein kurzes „Hallo“, und immer wieder klingelt irgendwo ein Handy.

          An diesem sonnigen Freitag morgen gibt es in den Hörsälen der European Business School in Oestrich-Winkel (EBS) keine Lehrveranstaltungen. Im Schatten der efeubewachsenen Turmruine von Schloß Reichartshausen treffen die Studenten auf dem EBS-Symposion „The German Angst - Vertrauen in die Zukunft“ für ein Wochenende mit führenden sogenannten Wirtschaftsentscheidern zusammen, um in Vorträgen und Diskussionsrunden nach Wegen aus dem Stimmungstief zu suchen.

          Der Kongreß findet zum 16. Mal statt. Traditionell wird er weitgehend „von den Studenten des ersten und zweiten Semesters geplant und vorbereitet“, berichtet Maximilian Schulte-Terboven, der in diesem Jahr das Organisationskomitee des Symposiums leitet.

          In Oestrich-Winkel gehört es zum guten Ton, daß sich die Studierenden neben ihrem Studium in verschiedenen Initiativen, sogenannten Ressorts, engagieren, zu denen auch das Organisationskomitee gehört. Seit dem vergangenen Herbst hat Schulte-Terboven gemeinsam mit 60 Kommilitonen die Veranstaltung vorbereitet - dabei stehen den Studenten erfahrene Ehemalige zur Seite.

          „Quietschis“ studieren 38 Stunden pro Woche

          „Wir haben für verschiedene Aufgaben wie Marketing, Sponsoren- oder Referentenbetreuung kleinere Teams gebildet.“ Über Geld redet der Zwanzigjährige nicht so gerne. Er beziffert die Höhe des Budgets auf „eine sechsstellige Summe, wir konnten sogar die Jugendherbergsübernachtungen subventionieren“.

          Trotz der Arbeitsteilung hatten die Organisatoren jede Menge zu tun. Die „Quietschis“, wie die Erstsemester an der Privathochschule genannt werden, belegen ohnehin zwischen 34 und 38 Semesterwochenstunden. „Oft haben wir uns erst nach 20 Uhr getroffen, wenn die letzten Vorlesungen zu Ende waren“, sagt Wirtschaftsstudent Schulte-Terboven. Trotz verpaßter Vorlesungen zeigte sich die Universität aber nachsichtig. „Professoren und Verwaltung bringen uns für die Organisation des Symposiums Respekt entgegen“, freut sich der Student.

          Wie seine Mitstreiter kümmerte er sich von Anfang an auch sehr um die Inhalte. „Wir wollen, daß sich junge Studenten optimistisch mit dem Standort Deutschland auseinandersetzen und auf ihn vertrauen“, sagt er. Dafür sollen die Studenten auch selbst gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Immer wieder spricht er von Investitionen, Innovationen, Impulsen. Schulte-Terboven benutzt gerne Schlagworte und scheint nie um eine Stellungnahme verlegen. „Den Worten müssen Taten folgen“, sagt er voller Nachdruck. „Wir brauchen keine verwässerten Reformen. Wir müssen mehr in Forschung und Bildung investieren, und wir werden dafür einstehen, daß der Staat wie ein Unternehmen geführt wird.“

          Nur wenige Mittelständler beim Symposium

          Damit diese Botschaft den Campus in Oestrich-Winkel verläßt, nehmen nicht nur Studenten der EBS an der Veranstaltung teil. Die Hälfte der 800 Teilnehmer kommt von externen Universitäten. Luise Fischer ist eine von ihnen. Die 21 Jahre alte angehende Volkswirtin von der Freien Universität Berlin wollte „einmal die Meinung der Wirtschaft und nicht immer nur die der Politiker und Professoren hören“.

          Dem Tenor vieler Vorträge stimmt sie zu. Obgleich ihr das, was sie hört, wie den meisten nicht neu ist: „Forschung und Bildung müssen das A und O sein und bleiben.“ Luise Fischer stammt ursprünglich aus Eisenberg in Thüringen. Sie kennt durch ihren Bekanntenkreis die schwierigen Bedingungen für Existenzgründer und bedauert, „daß so wenige Mittelständler zu den Referenten zählen“.

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