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Hauptsache, sicher : Jeder zweite Student will Beamter werden

  • Aktualisiert am

Lehramts-Erstsemester im großen Hörsaal der Uni Leipzig Bild: dpa

Erst die Selbstverwirklichung, dann eine sichere Anstellung: Eine Umfrage unter Studenten ergibt, dass an deutschen Hochschulen Karriere oder elterliche Erwartungen wenig zählen.

          Die Mehrheit der deutschen Studenten folgt bei der Wahl des Studienfachs ihren persönlichen Interessen und Begabungen und wünscht sich vor allem eine sichere berufliche Zukunft. Die Verdienstaussichten im künftigen Job spielen dabei eher eine sekundäre Rolle. Das ergab eine aktuelle deutschlandweite Umfrage des Personaldienstleisters univativ unter 1023 Studenten.

          Rund zwei Drittel (67 Prozent) wählten ihr Studienfach, weil es ihren individuellen Talenten entspricht und die Studieninhalte mit ihren persönlichen Interessen harmonieren. Zudem entschied sich jeder fünfte Student (20 Prozent) für sein Studienfach, weil er nach dem Abschluss etwas in der Welt bewegen möchte. „Anstatt die Ellbogen auszufahren und die Karriere zur obersten Priorität zu machen, setzen die Studenten schon bei der Wahl ihres Studienfachs auf ganz individuelle Werte“, sagt Olaf Kempin von univativ. Selbstverwirklichung steht bei den sogenannten Millenials also hoch im Kurs.

          Verbeamtung als großes Ziel

          Fast genauso wichtig ist Studenten eine sichere Zukunft: 58 Prozent gaben an, ihr Studienfach gewählt zu haben, weil sie sich davon nach dem Abschluss einen sicheren Job und ein geregeltes Einkommen versprechen. In dieses Bild passt auch, dass mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) sich über eine Verbeamtung freuen würde. Allerdings wird nicht einmal jeder Zehnte (8 Prozent) den Beamtenstatus auch erreichen. Nur jeder dritte Student (36 Prozent) entschied sich für sein Studienfach, weil in seinem künftigen Beruf ein besonders hohes Einkommen winkt. Wie hoch dieses Einkommen dann allerdings sein soll, spielt eine untergeordnete Rolle.

          Wunschvorstellungen der Eltern spielen heute nur noch eine geringe Rolle bei der Studienwahl: Nur 10 Prozent der Befragten gaben an, mit ihrer Fachwahl den Erwartungen ihrer Eltern gerecht werden zu wollen. Weitere 6 Prozent wollen später in die Fußstapfen ihrer Eltern treten.

          Knapp zwei Drittel der Befragten verfolgen mit ihrem Studium ein klares Ziel. 34 Prozent der Studenten gaben an, schon seit Studienbeginn mit einem festen Berufsziel zu studieren. Weitere 27 Prozent sind sich ebenso sicher, haben aber erst im Laufe des Studiums einen konkreten Beruf ins Auge gefasst. Ein Drittel (32 Prozent) kennt zwar seine beruflichen Optionen, hat sich aber noch nicht für einen Beruf entschieden. Nur 7 Prozent wissen noch gar nicht, wohin die Reise gehen soll.

          „Studenten wünschen sich vor allem Sicherheit, auch finanziell“

          Die große Mehrheit der Befragten wird das Studium mit einem Bachelor (41 Prozent) oder einem Master (47 Prozent) abschließen. Weitere 7 Prozent gaben an, derzeit zu promovieren. Die Motivation für Master oder Promotion ist unterschiedlich. Allerdings entschied sich fast jeder Zweite (48 Prozent) für einen höheren akademischen Abschluss, um die eigenen Karrierechancen zu verbessern. Gleichermaßen wichtig war den Studenten außerdem, sich durch den höheren Abschluss ein entsprechend höheres Gehalt zu sichern und ihr Fachwissen weiter zu vertiefen (jeweils 18 Prozent). Ein höheres gesellschaftliches Ansehen (5 Prozent) oder eine wissenschaftliche Karriere (5 Prozent) war nur für ein Zehntel der Studenten ausschlaggebend.

          „Die Studenten wünschen sich vor allem Sicherheit, auch finanziell“, sagt Olaf Kempin. „Nur die wenigsten machen das Gehalt zur obersten Priorität, die Lebensqualität ist wichtiger. Das Bedürfnis nach möglichst viel persönlicher Freiheit findet im Wunsch nach einer guten Work-Life-Balance und Flexibilität seinen Ausdruck.“

          Quelle: OTS

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