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Interview : „Einige Arbeitgeber holen Ausländer vom Flughafen ab“

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Monika Varnhagen versucht, Fachkräfte in die Provinz zu locken, auch wenn diese am liebsten in eine Großstadt wollen. Bild: Foto ZAV

Trotz der trüben Konjunkturaussichten: Deutschland ist für Fachkräfte aus Süd- und Osteuropa attraktiv, sagt Monika Varnhagen, Direktorin der Zentralen Auslands- und Fachmittlung der Bundesagentur für Arbeit. Die Unternehmen bemühen sich um eine rasche Integration.

          Frau Varnhagen, in den ersten neun Monaten des Jahres haben Sie weniger als 600 ausländische Fachkräfte an deutsche Unternehmen vermittelt. Ist das angebliche deutsche Wunder am Arbeitsmarkt vielleicht gar nicht so anziehend?

          Von den Fallzahlen darf man sich nicht täuschen lassen. Wir suchen nach Bewerbern mit speziellen Qualifikationen, von denen es am deutschen Arbeitsmarkt zu wenige gibt. Unter den Hochqualifizierten sind das vor allem Ingenieure und Ärzte, zudem auch Pflegekräfte. Wir betreuen derzeit mehr als 2000 Bewerber in unserem Pool. Wir prüfen bei jeder Bewerbung, ob die Kandidaten für bestimmte offene Stellen in Frage kommen. Für dieses Segment des Arbeitsmarktes ist das ein aufwendiger Prozess, und Sie werden deshalb nie viele tausend Vermittlungen im Jahr erreichen.

          Das heißt, das Interesse an Deutschland im Ausland ist doch groß?

          Ja, vor allem unter jungen Spaniern ist die Bereitschaft, nach Deutschland zu kommen, sehr hoch. Aber auch für Osteuropäer ist Deutschland ein attraktives Ziel. In Ländern wie Polen sind die Deutschkenntnisse im Durchschnitt auch ein bisschen besser als in Südeuropa.

          Obwohl die Krise mittlerweile auch in Deutschland Spuren hinterlässt?

          Das spielt bislang keine Rolle. Denn oft haben die vorwiegend jungen Menschen in ihrer Heimat auf viele Jahre miserable berufliche Perspektiven. Für sie sind die Aussichten in Deutschland allemal besser.

          Laufen Sie in einen Schweinezyklus hinein? Kommen die jungen Europäer, wenn sie der deutsche Arbeitsmarkt gar mehr braucht?

          Nein, das ist unwahrscheinlich. Bei den technischen Qualifikationen mag es konjunkturbedingt zeitweise eine etwas schwächere Nachfrage geben. Aber gleichzeitig geht der Trend in der Arbeitswelt hin zu höherwertiger, spezialisierter Arbeit. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels wissen wir im Gesundheits- und Pflegebereich schon heute, dass es in Deutschland nicht genügend Bewerber geben wird.

          Macht sich Deutschland damit in Europa nicht noch unbeliebter, wenn es die gut ausgebildeten jungen Leute aus Südeuropa weglockt?

          Das kann man nicht sagen, wenn man auf die Einbettung unserer Arbeit schaut: Denn wir werden nur gemeinsam mit der Arbeitsverwaltung in den jeweiligen Ländern aktiv. In Spanien etwa organisieren wir Jobmessen auf Einladung der Regierung. Das entlastet ja auch die angespannte Situation vor Ort. Wir arbeiten an einem gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt, auf dem sich Angebot und Nachfrage besser ausgleichen können als bisher. Das kann auch mal wieder in die andere Richtung gehen.

          Woran mangelt es den Kandidaten?

          Der Schwachpunkt sind meist die Deutschkenntnisse. Das notwendige Sprachniveau kann man nicht in zwei Monaten erwerben. Häufig fehlt es den Bewerbern zudem am Wissen über den hiesigen Arbeitsmarkt. Ein Bewerbungsverfahren läuft hier mitunter ganz anders ab als in ihrer Heimat. Und die offenen Stellen sind oft auch nicht in Berlin, Hamburg, München oder Frankfurt, sondern beim Mittelstand auf dem Land.

          Kommen die Kandidaten wirklich so unvorbereitet?

          Ja, es kommt vor, dass Menschen mit gepackten Koffern in unserer Berliner Niederlassung stehen und gleich eine Stelle in der Nähe haben wollen. In der Regel gelingt es uns aber sehr schnell, ihnen die Vorzüge von Arbeitgebern außerhalb der Metropolen schmackhaft zu machen.

          Die deutschen Arbeitgeber rufen lauthals nach ausländischen Fachkräften. Was tun die Unternehmer für deren Integration?

          Hier gibt es eine erfreuliche Entwicklung. In vielen Regionen entwickelt sich tatsächlich die vielbeschworene Willkommenskultur. Hessen oder Teile Baden-Württembergs beispielsweise sind da schon recht weit. Auch in der Metropolregion Nürnberg haben sich Unternehmen, öffentliche Verwaltung und andere Akteure zusammengetan, um ausländischen Arbeitskräften das Ankommen zu erleichtern.

          Was wird dort getan?

          Das fängt etwa damit an, die Kandidaten vom Bahnhof oder Flughafen abzuholen, geht über die Suche nach einer Wohnung oder einem Kitaplatz bis zu den Freizeitaktivitäten. Unternehmen stellen den neuen Mitarbeitern Paten zur Verfügung oder beteiligen sich an der Finanzierung von Sprachkursen. Am Ende rechnet es sich für alle Beteiligten, wenn die Integration schnell gelingt.

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