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Ingenieure : Ein Mobilitätswunder für Oma

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Strom für den Rollator: Daniel Reiser (links) und sein Partner bei der Arbeit Bild: privat

Aus dem Land der Tüftler kommt eine Neuheit: Zwei junge Ingenieure aus Stuttgart haben den E-Rollator erfunden.

          Im Flachland wäre diese Idee wohl nicht geboren worden. Auf der Schwäbischen Alb aber liegt es nahe, einen E-Buddy zu konstruieren, einen elektrisch betriebenen Rollator. An den steilen Hängen haben die Menschen Angst, das Wägelchen würde sich selbständig machen und den Berg hinunterrasen. Und haben sie es doch einmal ins Dorf zu Tante Emma hinunter geschafft, dann wiegt bergauf jeder Salatkopf und jedes Pfund Zucker das Vielfache und das Rollatorschieben wird zum erschöpfenden Kraftakt.

          Daniel Reiser hat genau das bei seiner Oma beobachtet. Nun ist er nicht irgendein Enkel, er ist Ingenieur und geht das Problem gleich grundsätzlich an. Zusammen mit drei Studienkollegen macht er aus der Gehhilfe ein kleines Mobilitätswunder, „My E-Buddy“ genannt. Wenn alles gut läuft, ist dann nicht nur Oma Reiser geholfen, sondern Tausenden von Menschen in ähnlicher Lage. Und in der Heimat von Daimler und Porsche würde ein Fahrzeugunternehmen ganz anderer Art gedeihen.

          Cool ist anders

          „Ein Rollator ist nicht gerade das coolste, womit man sich beschäftigen kann“, räumt Max Keßler ein, der über „My E-Buddy“ zwei Studienarbeiten und seine Abschlussarbeit erstellt hat. Trotzdem ist er seit Ende 2013 quasi hauptberuflich Rollatorentwickler. Das Gehwägelchen hat aus seiner Sicht einen großartigen Vorteil: Es ist noch nahezu unbearbeitet. Der Standardrollator wiegt locker 10 bis 12 Kilo und bietet praktisch keinen Komfort, und selbst die etwas schickeren Luxusmodelle bieten für ein paar hundert Euro nur wenig mehr: handliche Griffe, eine ordentliche Sitzfläche für die Pausen und immerhin geringeres Gewicht.

          Die nächste Rollatorgeneration wird anders sein: Daniel Reiser, Max Keßler, Karl Kübler und Sascha Katzmann, alle 26 oder 27 Jahre alt, haben eine ganze Wundertüte von Funktionen gefunden, mit denen man so einen Rollator ausstatten könnte. Ihr Leitgedanke war: „Wir wollen das Produkt hipp machen. Raus aus der Stigmatisierung, rein in den Mainstream“, beschreibt Daniel Reiser das Ziel.

          Keine Heizung im Handgriff

          Heraus kam, wie könnte es anders sein bei Tüftlern, die noch im Studium sind oder es gerade abgeschlossen haben, genau das Gegenteil vom bisherigen Rollator - nicht mehr zu einfach, sondern völlig „over-engineered“, wie Max Keßler zugibt. „Die Heizung im Handgriff haben wir schon gleich wieder gestrichen“, sagt er. Den Multifunktionsgriff mit Lichtschranke fürs Auslösen von Hupe, Rücklicht und dergleichen haben sie nach einer ersten Testphase abgeschafft, weil das alles viel zu kompliziert war. Aber auch der aktuelle E-Buddy-Prototyp, mit dem in Altenheimen und Reha-Einrichtungen Tests gemacht werden, hat viel zu bieten. Der elektrische Antrieb sorgt dafür, dass reichlich Gewicht transportiert werden kann - mit einer halben Kiste Bier haben die jungen Männer mal kalkuliert. Außerdem wird das Manövrieren auf unebenem Gelände einfacher, die integrierte Hindernis- und Treppenstufenerkennung reduziert die Sturzgefahr, die Beleuchtung sorgt für bessere Sicht und die Bremse für ein besseres Gefühl beim Bergabfahren. Und falls doch einmal etwas passiert, kann ein Notruf abgesetzt werden.

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