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Im Alter ins Ausland Meine Oma ist Au-pair

Das Berufsleben ist vorbei, die Kinder sind aus dem Haus - was nun? Manche rüstige Rentnerin zieht es als Au-pair-Oma ins Ausland. Vier Frauen, vier Erfahrungen.

© Cyprian Koscielniak

Kängurus in Tasmanien

Abends, vor der Gute-Nacht-Geschichte, beobachten Gastoma Inge Schneider und der kleine Elliot den weitläufigen Garten: In der Dämmerung verlässt ein Känguru mit seinem Jungen den verwilderten Busch. Dann knabbern sich die beiden durchs Erdbeer- und Tomatenbeet. Viele solcher Momente hat Inge Schneider während ihres halben Jahres als „Granny Au-pair“ in Tasmanien erlebt - Momente, die im Gedächtnis bleiben.

Ursula  Kals Folgen:

Die ehemalige Arzthelferin aus Köln ist 70 Jahre alt, verwitwet, hat drei Kinder und sechs Enkel. Als Schülerin hat sie zwei Mitschülerinnen „glühend beneidet“, die ein Jahr Au-pair in Amerika sein durften. Inge Schneider musste stattdessen als Jüngste von fünf Geschwistern die kranke Mutter pflegen. Erst viel später hat die lebhafte Rheinländerin das Reisen nachgeholt. Von der Idee einer Hamburger Agentur, als Oma-Au-pair ins Ausland zu gehen, war sie sofort begeistert.

Voller Fernweh entschied Inge Schneider: „Europa liegt vor der Haustür, das kann ich immer noch machen. Wenn ich das jetzt mache, dann gleich weiter weg, habe ich mir gesagt!“ Weiter weg hieß in ihrem Fall 36 Stunden Anreise, bis sie am anderen Ende der Welt bei einem deutsch-australischen Ehepaar mit zweijährigem Sohn auf der australischen Insel Tasmanien landete. Daniel und seine Frau Kirsty hatten Inge Schneider per Mail und durch ein Telefonat unter drei Bewerberinnen ausgesucht. Ihr Sohn Elliot entpuppte sich als „wirklich lieber, pflegeleichter und wissbegieriger Junge“, berichtet Inge Schneider. Sie hörte sich in seine englische Babysprache ein, erfuhr, dass „Safeho“ für den Blondschopf „something else“ bedeutete. Sie sang mit dem Jungen „Hänschen klein“, las mit ihm „Winnie Pooh“ und lernte von ihm, auf Englisch Dinosaurier zu benennen.

Dass sie sich im Einfamilienhaus in der 70.000-Einwohner-Stadt Launceston das Bad mit der Familie teilen musste, war für die zupackende Frau kein Problem. „Man muss sich arrangieren, anpassen können. Schließlich lebt man in einem fremden Haushalt.“ Auch dass vegetarisch gekocht wurde, empfand sie als „positive, neue Erfahrung“. Ihr Kurzurlaub in der Hauptstadt Hobart, die Spaziergänge an einsamen Traumständen - in ihren Schilderungen schwingt große Begeisterung mit. Nur nicht darüber, dass sie in einen maximal 20 Kilogramm schweren Koffer Kleidung für ein halbes Jahr und zwei Jahreszeiten packen musste. Doch auch dieses Problem löste sie pragmatisch, packte ältere Sachen ein, ließ einiges auf der Insel zurück und kaufte das ein oder andere dazu. Jetzt möchte sie wieder los, am liebsten nach Kanada. Ihre Kinder fanden den Einsatz der Mutter „von Anfang an großartig“.

Auf der Harley in Kapstadt

Ursula Heines sagt fröhlich: „Oma bin ich noch nicht, meine drei Mädels machen Karriere.“ Die Homöopathin schloss kurzerhand ihre Praxis in Moers, um drei Monate in Kapstadt zu arbeiten. Dort wurde eine Gesellschafterin für ein Altenheim mit deutschen Bewohnern gesucht. Wie die meisten der Omas auf Zeit klingt die 68 Jahre alte Naturheilkundlerin beschwingt, wenn sie von ihrem Einsatz im St. Johannisheim erzählt. Das liegt aber nicht nur an der guten Atmosphäre im Heim und der, wie sie lobt, „rundum liebevollen Betreuung“, sondern auch daran, dass sie sich in einen Südafrikaner deutscher Abstammung verliebt hat, der sie zärtlich „SU, die Super-Uschi“, nennt. Stolz zeigt sie Fotos, die sie mit Betriebswirt Max auf der Harley vor der Tafelbergkulisse zeigen. Max war auch schon auf Besuch in Moers. Sich nur über den Internetdienst Skype zu unterhalten, stillt die Sehnsucht nicht.

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