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Holger Neuhaus Der Umweltkämpfer

19.06.2009 ·  Holger Neuhaus ist vom Greenpeace-Aktivisten zu einem der bekanntesten Entwickler der deutschen Solarindustrie geworden.

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Holger Neuhaus ist vom Greenpeace-Aktivisten zu einem der bekanntesten Entwickler der deutschen Solarindustrie geworden. Der Siebenunddreißigjährige hat die Geschäftsführung von Solarworld Innovations inne, einer Tochtergesellschaft des börsennotierten Photovoltaik-Konzerns, die sich ausschließlich um Forschung und Entwicklung kümmert. Die Bedeutung der Gesellschaft wächst stetig: Noch in diesem Jahr soll die Mitarbeiterzahl von 80 auf 130 steigen. „Ich wollte immer mein wissenschaftliches Interesse mit meinen grünen Ideen verbinden“, sagt Neuhaus, „das kann ich hier ideal verwirklichen.“

Während seines Physikstudiums in Göttingen und Hannover kämpfte er gegen die Versenkung des Ölschwimmtanks Brent Spar oder organisierte in Schulen Theaterstücke über das Thema Energiesparen. Nach dem Diplom ging Neuhaus zur Promotion nach Sydney, wo er sechs Jahre lang in der Dünnschicht-Solartechnik arbeitete und forschte. Dieses großflächige Beschichtungsverfahren kommt ohne die Montage einzelner Siliziumsolarzellen zu Modulen aus. „Aber entweder verwendet es giftige Stoffe, oder der Wirkungsgrad ist zu gering“, kritisiert Neuhaus heute. 2003 wechselte er zu Solarworld nach Freiberg.

Die Zeiten dafür waren gut, denn nach Einbeziehung der Photovoltaik in das Erneuerbare-Energien-Gesetz stieg eine neue Generation von Solarunternehmen rasch auf, neben Solarworld auch die ostdeutschen Betriebe Q-Cells, Ersol, Solon oder Roth & Rau.

In ihren Labors stellen Neuhaus und seine Mitarbeiter sicher, dass Solarworld 25 Jahre Garantie auf seine Produkte geben kann. Dazu beschießen sie die Solarzellen unter anderem auch mit Hagelkörnern. Eine lange Lebenszeit der Zellen ist unerlässlich, denn erst nach zehn Jahren hat eine Solarzelle mehr Energie erzeugt, als sie in der Herstellung benötigt. Ein weiterer Schwerpunkt der Forschungseinrichtung liegt darin, den Material-, Arbeits- und Energieeinsatz zu senken und gleichzeitig den Wirkungsgrad der Zellen zu erhöhen. In drei Jahren will es Neuhaus schaffen, 18 bis 20 Prozent der einfallenden Sonnenenergie in Strom umzuwandeln. „Bis dahin sind wir an der Steckdose wettbewerbsfähig“, sagt Neuhaus mit Zuversicht. „Die Netzparität wird der Branche und dem Umweltschutz einen großen Schub geben.“

Wegen seiner aus Australien mitgebrachten Skepsis ist Neuhaus mitverantwortlich dafür, dass Solarworld keine Dünnschichten verwendet, sondern auf die herkömmliche Siliziumtechnik setzt. Am Hauptproduktionsstandort Freiberg findet fast die gesamte Wertschöpfung statt: die Kristallisation des Siliziums zu tonnenschweren Blöcken, das Trennen in handhabbare Säulen, das Heraussägen der Scheiben (Wafer), die Bearbeitung zur Solarzelle, die Montage der Zellen zu Dachmodulen und schließlich die Wiederverwertung des Altsiliziums.

Die einzelnen Gesellschaften heißen Deutsche Solar, Deutsche Cell, Solar Factory und Solar Material. „Eine große Familie, in der ich gern zu Hause bin“, nennt Neuhaus die Gruppe und will deshalb in Freiberg bleiben, als einer der wenigen Westdeutschen im Betrieb. Gerade hat er sich ein 500 Jahre altes Gebäude gekauft, das er - natürlich - zum Nullenergiehaus umbauen will.

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