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Hochschule Der zweifelhafte Wert der Bachelor-Arbeit

Sie ist für viele Studenten die erste wissenschaftliche Arbeit. Die Bachelorarbeit müsste intensiv betreut werden. Doch dafür fehlt oft die Zeit.

© dapd Vergrößern Die eng getakteten Bologna-Studiengänge lassen wenig Zeit für individuelle Betreuung

Marius H. kann durchatmen: Der erste Meilenstein seiner Hochschulkarriere ist geschafft. Der BWL-Student aus Köln, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat kürzlich seine Bachelorarbeit abgegeben - und mit der erhofften Eins vor dem Komma bestanden.

Er ist erleichtert, dass alles gut gelaufen ist, denn die Abschlussarbeit war zugleich auch seine erste wissenschaftliche Arbeit überhaupt. „Es ist in meinem Fach nur an wenigen Lehrstühlen überhaupt möglich, während des Bachelor-Studiums schon einmal eine Hausarbeit zu schreiben, um das wissenschaftliche Schreiben zu üben.“

Die Abschlussarbeit war die erste Arbeit

Die Seminare, in denen keine Prüfung, sondern ein akademischer Aufsatz geschrieben wird, sind selten - denn die Korrektur von Hausarbeiten ist für die Lehrstühle aufwendiger als einer Klausur. Und seit immer mehr Studenten an die Hochschule drängen, fehlt es an Zeit und Personal. Die Universität löst das pragmatisch: Plätze für Seminare werden ausgelost. „Man hat keine große Wahl“, sagt Marius.

Das gilt auch für die Abschlussarbeit: Im Massenfach BWL verteilt etwa die Universität Köln die Studenten über ein zentrales Vergabesystem auf die Lehrstühle, die dann Betreuer und vorgefertigte Themen für die Abschlussarbeiten vergeben. „Ein eigenes Thema für die Abschlussarbeit vorzuschlagen ist eher unüblich“, berichtet der BWL-Student. Das brächte wohl den eng getakteten Ablauf durcheinander.

Je kürzer, desto besser

Seinen Betreuer traf er das erste Mal gemeinsam mit drei weiteren Kommilitonen. Rund 20 Seiten statt der üblichen 30 bis 40 reichten für die Arbeit aus, hieß es dann. Der Betreuer am Lehrstuhl vergab später auch die Note, der vorgeschriebene Zweitprüfer kam vom selben Lehrstuhl - unwahrscheinlich also, dass sich jemand darüber beklagen würde, dass die Arbeit vergleichsweise kurz ausfällt.

Die Betreuung von Bachelor-Arbeiten muss gerade an großen Universitäten und in Fächern mit hoher Studentenzahl vor allem eines sein: effizient. Denn durch die Umstellung auf das Bachelor- und Master-System und die steigenden Studentenzahlen ist die Arbeitsbelastung an den Lehrstühlen gestiegen. Der Wissenschaftsrat hatte die vorhergesehen und im Jahr 2008 empfohlen, das Betreuungsverhältnis zu verbessern. Stattdessen hat es sich verschlechtert, wie Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen. Die Hochschulen müssen sich daher etwas einfallen lassen, um mit knappen Ressourcen die Massen durchs Studium zu schleusen. Das hat die Prüfverfahren verändert.

Bitte keine Themenvorschläge

Dass ein Student sich selbst ein Thema für die Abschlussarbeit einfallen lässt, einen Betreuer findet und dass die Prüfung der Abschlussarbeit durch zwei voneinander unabhängige Professoren von verschiedenen Lehrstühlen erfolgt - für solche Standards, die vielerorts üblich waren, fehlt heute vielerorts die Zeit. Galt die Abschlussarbeit früher als Meisterstück, ist sie heute nur noch eine Prüfung unter vielen.

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So weist die Freie Universität (FU) Berlin darauf hin, dass Bachelor- und Masterarbeiten „aus konzeptioneller und formaler Sicht“ gar keine Abschlussarbeiten mehr seien, sondern „schriftliche Prüfungsleistungen mit besonderer Bedeutung“ - schließlich ergebe sich die Abschlussnote aus der Gesamtheit aller studienbegleitenden Prüfungen.

Korrekturarbeit bis unter die Decke

In der Praxis heißt das: Durch die Bologna-Reform vervielfachte sich nicht nur die Menge der zu korrigierenden Klausuren, zusätzlich stapeln sich Dutzende Abschlussarbeiten auf den Schreibtischen der Lehrstuhlmitarbeiter. Wie die Hochschulen Abschlussarbeiten betreuen und prüfen, legen die Fakultäten in ihren Prüfungsordnungen fest. Die Hochschulgesetze der Länder schreiben als Standard lediglich vor, dass zwei Prüfer die Arbeiten bewerten sollten und wer zu diesen Prüfungen berechtigt ist; das sind in der Regel alle Hochschullehrer, Privatdozenten und Lehrbeauftragte, aber zum Beispiel auch wissenschaftliche Angestellte.

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