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Teil 4 der „Beruf und Chance“-Sommerserie : Gitarren so gut wie eine Stradivari

  • -Aktualisiert am

Hochwertiges Instrument: Etwa 120 Stunden Bauzeit und bis zu 12.000 Euro das Stück Bild: Fara Phoebe Zetzsche

Dieter Hopf und seine Mitarbeiter bauen Gitarren für die besten Musiker der Welt. In rund drei Wochen Handarbeit entstehen Instrumente, von denen manche 12.000 Euro kosten. Doch es ist nicht Geld, das sie antreibt.

          Als der Professor seine spanische Gitarre hervorholte, wusste Dieter Hopf, dass er es nicht geschafft hatte. Hopf war eigens aus seiner Werkstatt im Taunus nach Frankfurt gefahren, um Professor Heinz Teuchert, einer Koryphäe der klassischen Gitarrenmusik, sein bestes Modell zu zeigen. Der Musiker schaute sich die Gitarre lange an, spielte ein paar Töne, und gab sie Hopf zurück. „Die ist ja ganz nett, Ihre Gitarre, aber schauen Sie sich diesen Spanier an“, sagte er und holte eine Gitarre des Gitarrenbauers Ramirez hervor. Hopf sah sofort, dass er nicht mithalten konnte: die Verarbeitung, das Holz, dieser Bass, diese Höhen. 5000 Mark kostete so eine Gitarre damals. Hopf verkaufte Gitarren für 400 Mark.

          Dieter Hopf ist heute 78 Jahre alt, das Treffen mit dem Professor ist bald 50 Jahre her. Seine besten Gitarren kosten mittlerweile 12 000 Euro das Stück, 120 Stunden braucht es, sie zu bauen - das bedeutet drei Wochen Handarbeit. Der Professor prägt ihn bis heute, auch wenn er schon Ende der neunziger Jahre gestorben ist. Immer wenn Hopf dachte, jetzt seien seine Gitarren gut genug, fuhr er zum Professor und wurde eines Besseren belehrt. Teucherts Einschätzungen wurden zum Gradmesser seines Erfolgs. Die Geschichte von Dieter Hopf ist die eines Besessenen. Eines Geigenbauers, der sich aufmachte, eine der besten Gitarren der Welt zu bauen. Es ist eine Ode an die Geduld, die Ausdauer, die Präzision.

          Hopf ist für sein Alter jung geblieben, ein freundlicher Mann. Er hat dunkelgraues Haar, einen ordentlich frisierten Seitenscheitel und ist nicht sonderlich groß. Wenn er redet, klingt seine sächsische Heimat mit. Er sagt „Inschtrumende“, wenn er über seine Gitarren spricht. Jeden Tag ist er trotz seines hohen Alters in der Werkstatt. In einem länglichen Nachkriegsbau im hessischen Taunus-stein-Wehen schaut er, wie die Arbeit seiner Mitarbeiter vorangeht, gibt ihnen Tipps und entwickelt seine Gitarren weiter. Schon vor längerer Zeit hat er das Handwerk den Jüngeren überlassen. „Mit dem Alter lässt die Präzision nach“, sagt er selbstkritisch. Aber er kann nicht von seiner Werkstatt lassen. „Wer einmal infiziert ist, der ist so lange dabei, wie es geht.“

          Abenteuerspielplatz Werkstatt

          Die Werkstatt erstreckt sich über mehrere Räume. Überall stehen oder hängen Teile einer Gitarre, mal ein Hals, mal der Corpus. An Werkbänken arbeiten an diesem Morgen zwei Gesellen von Hopf. Die Wände hängen voll mit kleinen Feilen und Schnitzern zur Holzverarbeitung. In der Ecke aufgereiht, lagern Gitarren zur Reparatur. In einem der Räume stehen massive grüne Maschinen, an deren Enden kleine weiche Polierräder oder Schleifpapier montiert sind, daneben steht eine Kreissäge.

          An einer der Werkbänke vor einer großen Fensterfront beugt sich Ralf Koca in seiner mit Leim beschmierten Schürze über eine eingespannte Gitarre. Langsam schabt der Geselle mit einem Schnitzer aus Stahl Holzschicht für Holzschicht zwischen Hals und Kopf der Gitarre ab. „Dieses ganz feine Formen kann eine Fräse oftmals nicht leisten“, sagt er. Halbe Millimeter mehr oder weniger machten sich beim Spielen später bemerkbar.

          Jedes Mal, wenn er wieder etwas Holz abgeschabt hat, riecht es intensiv nach einer kubanischen Zigarrenkiste, je mehr er das Holz schleift, umso intensiver riecht es. Ein bitterer Geschmack verbreitet sich im Raum, der Koca beim Einatmen unangenehm ist. Dafür lässt sich das Holz gut schnitzen und ist leicht und stabil - ein passendes Holz für einen Hals.

          Entspannen beim filigranen Handwerk

          Besonders in den Lehrjahren, so erinnert er sich, sei das Handwerk sehr anstrengend gewesen, auch wenn der Instrumentenbau nicht unbedingt eine körperlich harte Arbeit sei. „Ich musste erst eine gewisse Muskulatur entwickeln, damit ich die Werkzeuge sicher und präzise führen kann“, erklärt Ralf Koca. Man müsse immer beobachten, wie eine Kontur laufe, ob sie „ordentlich umschwungen“ sei. „Mittlerweile sind diese Arbeiten auch entspannend, weil ich teilweise wirklich lange an einer Sache sitze und eine gewisse Hypnotik einsetzt“, sagt er. In vielen Dingen sei ihm der Chef aber immer noch weit voraus. „Die Ideen, das, was wirklich neu an einer Gitarre entstehen kann, da ist der Chef immer noch auf der Höhe der Zeit.“

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