http://www.faz.net/-gyl-76aku

Geschäftsreisen : Visavergabe sorgt für Ärger

  • Aktualisiert am

Passkontrolle: Durchgang nur mit Visum. Bild: dpa

Die Vergabe von Visa für Geschäftsreisende kann für Unternehmen zu einem echten Hindernis werden. Viele Betriebe beklagen Bürokratie und lange Wartezeit. Das hat nach F.A.Z.-Informationen eine Befragung durch das Wirtschaftsministerium ergeben.

          Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Vergabe von Visa für Geschäftsreisende erleichtern. Dazu befindet sich sein Haus mit dem Innen- und Außenministerium in einem „institutionalisierten Dialog“ und sucht nach Möglichkeiten, um Spielräume in den bestehenden Reiseregelungen zu nutzen. Nach Informationen der F.A.Z. hat das Wirtschaftsministerium nun Unternehmen gefragt, wie sich deren Schwierigkeiten bei der Vergabe von Visa darstellen. Damit sollen in einem ersten Schritt die konkreten Probleme des Visaverfahrens zusammengetragen werden.

          Wirtschaftsverbände klagen darüber, dass die strikte Visavergabe Deutschlands ein Handelshemmnis sei. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Chancen des freien Reiseverkehrs seien viel größer als die Risiken. Der Asien-Pazifik-Ausschuss, die Nordafrika Mittelost Initiative, der Ost-Ausschuss und die Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft hatten zuletzt gemeinsam von der Regierung eine leichtere Visavergabe verlangt. Die Antworten der Unternehmen an das Ministerium zeigen, wie sehr die Visavergabe die Geschäfte berührt:

          • Ein Unternehmen klagt darüber, dass mehrmals das Visum für einen langjährigen Geschäftspartner aus Russland verweigert wurde - trotz Vorlage aller geforderter Dokumente. Gehaltsnachweise des Russen haben belegt, dass er die anfallenden Kosten tragen könne. Der Grund für die Ablehnung ist nicht bekannt. Zur Absprache reist das deutsche Unternehmen nun nach Russland. Dadurch entsteht nicht nur Mehraufwand, sondern auch Mehrkosten für das deutsche Unternehmen, da die zusätzlichen Ausgaben im Auftrag nicht vorgesehen waren. Der russische Auftrag bedeutet für das Unternehmen einen Umsatz von 1 Million Euro und steuert etwa die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Durch das fehlende Visum sieht das Unternehmen die Zusammenarbeit als gefährdet an.
          • Eine ausländische Delegation musste sich an die italienische und finnische Botschaft wenden, um noch rechtzeitig Visa zum Besuch einer Messe in Deutschland zu erhalten. Nach den Angaben der Unternehmen läuft dies in anderen Botschaften schneller: Die Botschaft Italiens vergebe Visa innerhalb eines Tages, Finnland innerhalb von zwei bis drei Tagen. Mit einem Schengen-Visum kommt der Reisende dann nach Deutschland. Als problematisch beschreiben einige Unternehmen, dass mit einem Schengen-Visum zuerst in das Land gereist werden muss, das die Erlaubnis erteilt hat. Wenn Deutschland das Visum erstellt hat, muss derjenige zuerst nach Deutschland fahren - auch wenn ein Geschäftstermin in Frankreich oder Österreich anfällt. Dies sollte geändert werden.
          • Insgesamt beschweren sich die Unternehmer über zu viel Bürokratie und zu lange Wartezeiten - im Sommer teilweise zwei Monate. Das verhindere spontane Besprechungen. Große Unternehmen scheinen weniger Probleme zu bekommen als mittelständische Betriebe. Von Botschaft zu Botschaft ist dies aber unterschiedlich: In mancher Rückmeldung wird auch eine reibungslose und schnelle Bearbeitung gelobt.

          Wie stark der Reiseverkehr die Handelsbeziehungen prägt, zeigte sich auch jüngst auf einem Treffen von Geschäftsführern der Auslandshandelskammern aus Nordafrika und Nahost: Die Visapolitik sei Deutschlands Nachteil, wenn sich Investoren nach dem arabischen Frühling die Geschäfte in der Region sichern. Die Vergabe der Reiseerlaubnisse dauere im Durchschnitt teilweise 14 Tage, aber auch mal drei bis vier Wochen.

          Weitere Themen

          Donald Trump macht Amerika dicht

          Immigrationspolitik : Donald Trump macht Amerika dicht

          Gerade einmal elf syrische Flüchtlinge haben die Vereinigten Staaten in diesem Jahr aufgenommen. Die restriktive Einwanderungspolitik trifft die High-Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley ganz besonders.

          Angst vor China ist groß Video-Seite öffnen

          Deutsche Unternehmen : Angst vor China ist groß

          Familienunternehmer Thomas Bauer ist besorgt um die Zukunft seiner Firma in China. Es ist ein Wettbewerb gegen innovative Ingenieure. In ganz Deutschland wächst die Angst, dass es mit den guten Zeiten bald vorbei sein könnte.

          Topmeldungen

          Ted Cruz Anfang April auf einer Wahlkampfveranstaltung in Stafford, Texas: Geht der Stern des republikanischen Senators unter?

          Kongresswahlen in Amerika : Texanische Träume

          Für die Demokraten hat die Präsidentschaft von Donald Trump zumindest einen positiven Effekt: Ihre Basis ist so enthusiastisch wie selten zuvor. Nun hofft die Partei sogar im republikanischen Texas auf einen Erfolg bei den Kongresswahlen.

          Zum Tod von DJ Avicii : Tanzen bis zum Ende

          Er galt als der Posterboy der neuen Elektromusik, als Pionier und Außenseiter zugleich. Am Freitag starb der schwedische DJ Avicii im Oman. Die Schattenseiten seines Lebens kannten nur wenige.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.