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Geschäftsreisen Visavergabe sorgt für Ärger

Die Vergabe von Visa für Geschäftsreisende kann für Unternehmen zu einem echten Hindernis werden. Viele Betriebe beklagen Bürokratie und lange Wartezeit. Das hat nach F.A.Z.-Informationen eine Befragung durch das Wirtschaftsministerium ergeben.

© dpa Passkontrolle: Durchgang nur mit Visum.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Vergabe von Visa für Geschäftsreisende erleichtern. Dazu befindet sich sein Haus mit dem Innen- und Außenministerium in einem „institutionalisierten Dialog“ und sucht nach Möglichkeiten, um Spielräume in den bestehenden Reiseregelungen zu nutzen. Nach Informationen der F.A.Z. hat das Wirtschaftsministerium nun Unternehmen gefragt, wie sich deren Schwierigkeiten bei der Vergabe von Visa darstellen. Damit sollen in einem ersten Schritt die konkreten Probleme des Visaverfahrens zusammengetragen werden.

Wirtschaftsverbände klagen darüber, dass die strikte Visavergabe Deutschlands ein Handelshemmnis sei. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Chancen des freien Reiseverkehrs seien viel größer als die Risiken. Der Asien-Pazifik-Ausschuss, die Nordafrika Mittelost Initiative, der Ost-Ausschuss und die Südliches Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft hatten zuletzt gemeinsam von der Regierung eine leichtere Visavergabe verlangt. Die Antworten der Unternehmen an das Ministerium zeigen, wie sehr die Visavergabe die Geschäfte berührt:

  • Ein Unternehmen klagt darüber, dass mehrmals das Visum für einen langjährigen Geschäftspartner aus Russland verweigert wurde - trotz Vorlage aller geforderter Dokumente. Gehaltsnachweise des Russen haben belegt, dass er die anfallenden Kosten tragen könne. Der Grund für die Ablehnung ist nicht bekannt. Zur Absprache reist das deutsche Unternehmen nun nach Russland. Dadurch entsteht nicht nur Mehraufwand, sondern auch Mehrkosten für das deutsche Unternehmen, da die zusätzlichen Ausgaben im Auftrag nicht vorgesehen waren. Der russische Auftrag bedeutet für das Unternehmen einen Umsatz von 1 Million Euro und steuert etwa die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Durch das fehlende Visum sieht das Unternehmen die Zusammenarbeit als gefährdet an.
  • Eine ausländische Delegation musste sich an die italienische und finnische Botschaft wenden, um noch rechtzeitig Visa zum Besuch einer Messe in Deutschland zu erhalten. Nach den Angaben der Unternehmen läuft dies in anderen Botschaften schneller: Die Botschaft Italiens vergebe Visa innerhalb eines Tages, Finnland innerhalb von zwei bis drei Tagen. Mit einem Schengen-Visum kommt der Reisende dann nach Deutschland. Als problematisch beschreiben einige Unternehmen, dass mit einem Schengen-Visum zuerst in das Land gereist werden muss, das die Erlaubnis erteilt hat. Wenn Deutschland das Visum erstellt hat, muss derjenige zuerst nach Deutschland fahren - auch wenn ein Geschäftstermin in Frankreich oder Österreich anfällt. Dies sollte geändert werden.
  • Insgesamt beschweren sich die Unternehmer über zu viel Bürokratie und zu lange Wartezeiten - im Sommer teilweise zwei Monate. Das verhindere spontane Besprechungen. Große Unternehmen scheinen weniger Probleme zu bekommen als mittelständische Betriebe. Von Botschaft zu Botschaft ist dies aber unterschiedlich: In mancher Rückmeldung wird auch eine reibungslose und schnelle Bearbeitung gelobt.

Wie stark der Reiseverkehr die Handelsbeziehungen prägt, zeigte sich auch jüngst auf einem Treffen von Geschäftsführern der Auslandshandelskammern aus Nordafrika und Nahost: Die Visapolitik sei Deutschlands Nachteil, wenn sich Investoren nach dem arabischen Frühling die Geschäfte in der Region sichern. Die Vergabe der Reiseerlaubnisse dauere im Durchschnitt teilweise 14 Tage, aber auch mal drei bis vier Wochen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 06.02.2013, 13:00 Uhr