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Führungspositionen Ein roter Teppich für die Frauen

29.10.2010 ·  Um den Anteil von Frauen in der Chefetage zu steigern, wollen jetzt die ersten Unternehmen die Weichenstellungen für die Karriere auf das Alter zwischen vierzig und fünfzig Jahren verschieben.

Von Julia Löhr
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Der Unterschied offenbart sich schon in den ersten Minuten. Wenn Christine Kronenberg, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Köln, ein Führungsseminar veranstaltet, dann bittet sie die Teilnehmer gerne, eine Grünanlage zu entwerfen. „Männer deuten dann mit einigen Strichen ein paar Bäume an und lassen sonst alles weiß. Aber über dieses Nichts können sie problemlos zehn Minuten reden“, berichtet Kronenberg. Die Frauen dagegen würden einen ausgeklügelten vielfarbigen Parkplan mit Ruhe- und Aktivzonen zeichnen, detailgenau bis zu den Sonnenschirmen. Doch dann flüchteten sie nach einigen verhuschten, fast entschuldigenden Sätzen schnell wieder von der Bühne.

Frauen stellen mehr als die Hälfte der Abiturienten und mehr als die Hälfte der Hochschulabsolventen in Deutschland, oft haben sie noch dazu die besseren Noten. Warum sind dennoch nur 8,7 Prozent der Vorstands- und Aufsichtsratspositionen in den größten deutschen Unternehmen in weiblichen Händen, wie kürzlich die Personalberatung Egon Zehnder International ermittelt hat? Ein Grund ist nach Einschätzung von Fachleuten das, was sich in den Führungsseminaren der Stadt Köln zeigt: die Einstellung. Viele Frauen verkaufen sich unter Wert, bleiben lieber im Hintergrund. Aber auch die Unternehmen hielten sich lange Zeit zurück, taten wenig bis nichts, um das brach liegende weibliche Potential in der Belegschaft zu nutzen.

Das ändert sich gerade rasant, wie jüngst auf dem Kongress „Zukunft Personal“ in Köln zu besichtigen war. Das dortige Frauensymposium ließ kein Element der Förderung unerwähnt. Dass Krippenplätze vermittelt werden, ist fast schon Standard. Der Kosmetikhersteller Henkel will mit einem Elternzeitpass Frauen dazu bewegen, schon während der Schwangerschaft die Rückkehr aus der Babypause zu planen. Die Deutsche Telekom gibt Headhuntern vor, bei Besetzungen immer mindestens 30 Prozent Frauen vorzuschlagen. Außerdem sollen im kommenden Jahr vier „Diversity Consultants“ in der Personalabteilung Karriereberatung speziell für Frauen anbieten. Der Autobauer Daimler rühmt sein hauseigenes Mentorenprogramm, mit 900 Teilnehmern angeblich das größte der deutschen Wirtschaft. Für Frauen werde der rote Teppich ausgelegt, kommentierte eine Teilnehmerin die Liste. In ihrem Unternehmen fühlten sich schon die ersten Männer ausgegrenzt.

Karriere 40 plus - die Stimmen mehren sich

Gesprochen wurde aber auch über eine Idee, die einer Revolution im Personalwesen gleichkommen würde: Karriere 40 plus. Denn es mehren sich die Stimmen, die fordern, dass die Weichen für die Karriere nicht mehr wie zurzeit üblich im Alter zwischen 30 und 35 Jahren gestellt werden sollten - also in genau jener Spanne, in der viele Frauen eine Babypause einlegen -, sondern erst danach, um Chancengleichheit herzustellen. „Frauen ab 40 können noch mal durchstarten“, sagt Anke Meier, zuständig für personelle Vielfalt bei Henkel. Das werde bislang zu wenig berücksichtigt. „Die wahre Karrierezeit sollten die Vierziger sein“, ergänzt Avivah Wittenberg-Cox, die Gründerin des European Professional Women's Network. Die Personalabteilungen müssten sich von alten Denkmustern - dem Jugendwahn - trennen.

Wittenberg-Cox zweifelt nicht daran, dass es genügend weibliche Mitarbeiter gibt, die das Zeug und den Willen zur Führungskraft haben. In ihren Augen sind eher die Männer das Problem: „90 Prozent der Jungs da oben wollen nicht, dass sich wirklich etwas ändert.“ In Köln konnte man den Eindruck gewinnen, dass sie damit nicht ganz unrecht hat. Unter den Teilnehmern des Symposiums war kein einziger Mann. Auch Henkel-Managerin Meier stimmte das nachdenklich: „Wenn Frauen über Frauen zu Frauen sprechen, ist das eigentlich die falsche Zielgruppe.“

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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