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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Führungsnachwuchs Deutschland sucht die Spitzenmanager

 ·  Studium und Promotion oder MBA und Auslandserfahrung? Die Vorstände der DAX-Unternehmen sorgen sich um den Nachwuchs. Eine aktuelle Studie untersucht jetzt die Bildungswege von Vorständen - und versucht daraus Hinweise für einen guten Karriereverlauf abzuleiten.

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Doktor Martin Winterkorn hat Metallkunde und Metallphysik studiert, wurde am Max-Planck-Institut promoviert und arbeitete lange Jahre in der Forschung von Bosch, ehe er für die Qualitätssicherung von Audi-Fahrzeugen verantwortlich wurde. Lässt der heutige Vorstandschef von Volkswagen deshalb so erfolgreiche Autos bauen, weil er diese tiefgehenden Erfahrungen gemacht hat? Kann er seine Detailverliebtheit nur deshalb nutzbringend für seine Produkte nutzen, weil er weiß, worauf es wirklich ankommt? Oder könnte ein guter Allround-Manager Europas größten Automobilhersteller genauso gut in eine erfolgreiche Zukunft führen, wenn er nur die richtigen Spezialisten an seiner Seite weiß?

„Die breite akademische Ausbildung der derzeitigen deutschen Führungskräfte erweist sich als Stärke, und womöglich hat Deutschland hier einen Standortvorteil“, glaubt Torsten Oltmanns, Partner von Roland Berger Strategy Consultants. Denn Winterkorn ist kein Einzelfall, wie eine aktuelle Studie der Beratungsgesellschaft Roland Berger und der Universität Innsbruck zeigt, die der F.A.Z. vorliegt. Dazu wurden die Bildungswege von 181 Vorstandsmitgliedern aus Unternehmen des Deutschen Aktienindex (DAX) analysiert. Es zeigt sich, dass 90 Prozent der Topmanager einen Universitätsabschluss gemacht haben. Rund die Hälfte von ihnen hat im Anschluss promoviert. Unter den Disziplinen dominieren die Wirtschaftswissenschaften, vor dem Ingenieurwesen und der Rechtswissenschaft. Lediglich jeder Zehnte aus der Generation, die heute in den Machtzentralen der Konzerne sitzen, hat eine internationale Managementausbildung gemacht mit einem Master of Business Administration (MBA) und frühzeitig Auslandserfahrung gesammelt.

Der MBA ist zum Standard geworden

Mittlerweile haben sich die Anforderungen an den Führungskräftenachwuchs jedoch radikal geändert. Ziel der gerade auch von der Wirtschaft vorangetriebenen Bologna-Reformen war es, durch Bachelor und Master die deutschen Bildungsabschlüsse international vergleichbar zu machen und die Durchlässigkeit auf den Arbeitsmärkten zu erhöhen. Der MBA ist mittlerweile zum Standard geworden, frühe Auslandserfahrungen und rasches Sammeln von Berufspraxis sind gefragt. Das weckt mittlerweile unter den jetzigen Vorständen ein paar Zweifel. Sie erkennen, dass ihre „High Potentials“ zwar formal besser ausgebildet sind als sie selbst. Gleichzeitig wächst die Sorge, dass die standardisierte Ausbildung auch standardisierte Typen und standardisierte Problemlösungen hervorbringen. Vor allem das Lernen an Fallstudien (“Case Studies“) berge Gefahren, wenn neue Probleme auftauchten, für die es noch gar keine Beispiele gibt, sagt Oltmanns. Dann sei eher eine fundierte Ausbildung gefragt, wie viele der Befragten glauben. „Wir dürfen nicht von einem Extrem ins andere verfallen“, sagt er. „Die Uniformität muss auch weiterhin Platz für Querdenker lassen.“

Das bedeute nicht, den Sinn der Reformen gleich in Zweifel zu ziehen. Auch im bestehenden System gebe es Möglichkeiten, den MBA-Abschluss mit der Forschung zu kombinieren. Oltmanns nennt eine private Zusatzpromotion wie in Großbritannien als möglichen Weg. Auch eine Juniorprofessur nach dem MBA biete gute Forschungsperspektiven. „Allerdings rutscht man damit auch schnell aus dem gängigen Karriereschema heraus“, räumt er ein. Deshalb müssten sich die Unternehmen letztlich selbst Gedanken darüber machen, für welche Karrieren und Aufgaben welche Bildungswege erwünscht sind. Seine Empfehlung lautet: „Mehr Varianz zulassen.“ Die Fixierung des Bildungssystems auf die Frage „Diplom oder Master?“ könne langfristig den Unternehmen schaden.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.

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